Februar 2017: LU Seegers

Bernd und Robert Seegers führen gemeinsam einen landwirtschaftlichen Betrieb und seit 15 Jahren ein stetig wachsendes Lohnunternehmen mit dem Schwerpunkt Grünfutterernte. Sie betreiben Arbeitsteilung mit ihrem Kollegen LU Simons. Die Redaktion hat vor Ort nachgefragt, wie das klappt.

Die Grünfutterernte ist eine der Hauptdienstleistungen des Unternehmens. LU Seegers bieten Häcksel-, Ladewagen-, Rund- und Quaderballensilageernte an.

1994 hat Bernd Seegers den elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb mit 45 Kühen übernommen – heute werden 450 Kühe in Form einer KG gemolken. „Im Jahr 2000 haben wir uns ein zweites Standbein aufgebaut. Unser damaliger Lohnunternehmer hat seinen Betrieb aufgegeben. Mein Bruder war zu diesem Zeitpunkt mit seiner Landmaschinenmechaniker-Ausbildung fertig und wollte in den Betrieb einsteigen. Und da haben wir uns gesagt: Wenn wir einen neuen Betriebszweig eröffnen wollen, dann jetzt“, blickt Bernd Seegers zurück.

Angefangen im Dienstleistungsgeschäft haben die beiden dann mit Rundballen pressen und wickeln. 2004 wurde das erste Mal ein Häcksler gemietet. „Wir wollten nicht gleich den großen Schritt gehen und in eine solch teure Maschine investieren, ohne die Kundschaft dafür sicher zu haben“, ergänzt Robert Seegers. Nachdem sich die beiden in der Kundschaft einen Namen gemacht und 400 ha Maisfläche gesichert hatten, wurde dann in 2009 der erste Häcksler gekauft. „Wir haben uns für einen 550-PS-Häcksler mit 10-reihigem Vorsatz entschieden. Das war für unsere Region damals eine Riesenmaschine. Vor allem das Häckseln mit dem 10-Reiher war hier noch nicht so stark verbreitet“, meint er und ergänzt: „Wir haben die Investition in diese große Maschine nie bereut. Die Ernte läuft entspannter ab, da wir beim Häckseln mit dem 10-Reiher im Vergleich zum 8- oder 6-Reiher deutlich langsamer fahren.“

Die durchschnittliche Flächengröße in der Kundschaft schätzen die beiden auf ca. 3,5 ha. Gehäckselt wird bei Kunden in einem Umkreis von ungefähr 25 km. 90 % der Kunden sind Milchviehhalter mit 70 bis 400 Kühen, der Rest Biogasanlagenbetreiber.

Der landwirtschaftliche Milchviehbetrieb wurde seit der Übernahme durch Bernd Seegers im Jahr 1994 von 45 auf 450 Kühe erweitert.

Wachstum durch Biogas
Gerade in der Zeit, in der die beiden Brüder in das Häckselgeschäft eingestiegen sind, boomte der Biogassektor extrem. Die Maisanbaufläche wuchs rapide an. Entsprechend kamen mehr und mehr Kundenanfragen, sodass bereits 2011 klar war, dass ein Häcksler die Fläche nicht mehr schaffen kann. Es musste Verstärkung her. „In unserem Fall haben wir uns dazu entschieden, unseren noch jungen Häcksler in Zahlung zu geben und zwei neue 600-PS-Maschinen mit 10-reihigen Vorsätzen zu kaufen“, erklärt Robert Seegers den Investitionsschritt. Einige Biogaskunden hätten es darüber hinaus zur Bedingung gemacht, dass LU Seegers mit zwei Maschinen anrückt.

Heute werden pro Jahr ca. 900 - 1.000 ha Mais gehäckselt. Hinzu kommen ca. 950 ha Gras pro Schnitt. Pro Jahr erfolgen vier bis fünf Schnitte. Von den 750 Motorstunden, die pro Jahr und Maschine anfallen, sind ca. 2/3 verkauft.

Das Mähen und Schwaden in der Grassilageernte übernimmt der Berufskollege LU Karl Simons. Bernd Seegers: „Dieser ist mit sehr schlagkräftiger Technik ausgestattet. Er kümmert sich darum, dass das Futter fachgerecht gemäht und geschwadet wird. Wir häckseln dann, transportieren die Silage und verdichten sie anschließend. Diese Arbeitsteilung hat sich von Anfang an bewährt und wir haben kein Bestreben unser Portfolio zu erweitern und die Kooperation zu beenden.“

Die meisten Landwirte am Niederrhein würden in der Grünfutterernte immer weniger selbst machen. 1/3 der Flächen, die LU Seegers erntet, mähen die Kunden noch eigenständig, die Hälfte schwaden sie, ergänzt Robert Seegers und fügt hinzu: „Das Zetten ist die einzige Domäne, die zu 100 % in Landwirtshänden geblieben ist. Alle anderen Arbeiten, die mit der Grünfutterernte zusammenhängen sind über die Jahre immer weiter von den Dienstleistern übernommen worden. Gerade die größeren Betriebe ziehen sich bei uns immer mehr aus der Eigenmechanisierung für Außenarbeiten zurück und nutzen ihr Potenzial für die innerbetrieblichen Abläufe.“

"Wir sichern natürlich die Dieselkosten über Kontrakte ab. Entsprechend können wir die Kosten in den Preis einkalkulieren", sagt Bernd Seegers

Radlader auf dem Silo
Auf dem Silo kommt seit letztem Jahr ein New Holland Radlader sowie eine Mietmaschine mit Fahrer von einer Biogasanlage zum Einsatz. Durch die 55-m³-Tridemabfahrwagen, die seit zwei Jahren eingesetzt werden, wurde es nötig, das Verdichtungsmanagement zu überdenken. Bis dato wurde mit aufballastierten 200-PS-Schleppern gewalzt. „Wir bauen an die Radlader 4,5 m breite Gabeln an. Damit schaffen wir es, den Inhalt eines 55-m³-Wagens in zwei Zügen auf dem Silo zu verteilen. Anschließend können wir mit der Verdichtungsarbeit beginnen. Das Verteilen des Futters auf dem Silo hat mit dem Schlepper dreimal so lange gedauert. Dadurch ging Zeit zum Walzen verloren“, so Bernd Seegers. Zufrieden sind die beiden auch mit dem Kraftstoffverbrauch. Unter 15 l/h sind bei diesen Radladern die Regel. „Der einzige Nachteil bei unseren Radladern sind die relativ kleinen Räder. Ich könnte mir hier deutlich größere Formate vorstellen.“ Neben dem Walzen werden die Radlader zum Laden von Schüttgütern aber auch zum Strohladen eingesetzt.

In der Maisernte wird bei den Viehbetrieben in der Regel mit 10 mm gehäckselt. Der Körnerprozessor wird so eng wie möglich eingestellt, damit die Körner möglichst zermahlen werden. „Mit dem New Holland Cracker klappte das auf Anhieb sehr gut. Dieser hat Walzen in einem Durchmesser von 225 mm. Eine ist mit 126 Zähnen die andere mit 90 Zähnen bestückt. Durch den zusätzlichen Drehzahlversatz werden die Körner regelrecht zerrieben. Das wünschen unsere Kunden“, ist Robert Seegers überzeugt.

Abgerechnet wird die Maisernte nach Fläche. Dabei sind die Transportfahrzeuge und der Radlader auf dem Silo inbegriffen. Auch der Dieselverbrauch ist im Hektarpreis inklusive. Bernd Seegers erklärt dazu: „Wir sichern natürlich die Dieselkosten über Kontrakte ab. Entsprechend können wir die Kosten in den Preis einkalkulieren. Unsere Kunden fordern einen Preis pro Hektar. Das ist in unserer Region Standard.“ Im Gras erfolgt die Abrechnung der Maschinen hingegen nach Stunden.

"Wir bilden bereits seit vier Jahren aus und haben bisher alle Auszubildenden übernommen", sagt Robert Seegers

Wachstum durch Gülle
Das zweite wichtige Standbein des Lohnunternehmens und ein zurzeit wachsendes Geschäftsfeld ist die Gülleausbringung. 2008 wurde gemeinsam mit LU Simons das erste Güllefass mit Schleppschuhverteiler angeschafft. „Damit waren wir damals in unserer Region absolute Vorreiter“, erinnert sich Robert Seegers: „Heute laufen in unserem Gebiet bestimmt 20 Schleppschuhverteiler“. Zum Einsatz kommen bei LU Gebr. Seegers und LU Simons heute drei schleppergezogene 18,5 m³-Tandemfässer von Zunhammer und Bomech Schleppschuhverteiler mit 15 – 18 m Arbeitsbreite. Bis zu einer Hof-Feld-Entfernung von 10 km wird die Gülle direkt transportiert und ausgebracht. Bei Entfernungen, die darüber hinausgehen, wird die Gülle mit vier Güllezubringern von LU Seegers und LU Simons zugebracht. „Die direkte Einarbeitung wird in unserer Kundschaft noch nicht nachgefragt. Wir bringen die Gülle zügig mit dem Schleppschuhverteiler aus. Im Nachgang erfolgt die Einarbeitung mit einer 6-m-Kreiselegge, wodurch ein saatfertiger Rüben- oder Maisacker entsteht“, erklärt Robert Seegers.

Das Lohnunternehmen beschäftigt heute vier Festangestellte und einen Auszubildenden zur Fachkraft Agrarservice. „Wir bilden bereits seit vier Jahren aus und haben bisher alle Auszubildenden übernommen“, fügt er hinzu. Einer der Mitarbeiter ist aktuell im Kurs zum Agrarservicemeister angemeldet. Natürlich reichen fünf Mitarbeiter in der Maisernte für zwei komplette Ernteketten nicht aus. Entsprechend wird die Belegschaft in dieser Phase durch Aushilfskräfte ergänzt. „Wir suchen vor allem Aushilfen, die Spaß am Fahren haben. Diejenigen, die nur auf das schnelle Geld schauen, brauchen wir nicht. Unsere Maschinen sind teuer. Schäden können das Ergebnis eines Tages schnell ins Negative kehren. Deshalb wollen wir Leute mit Verständnis für die Arbeit und die Technik. Sie sollen damit so umgehen, als wäre es ihr Eigentum“, so Bernd Seegers.

Auch wenn die Stimmung in der Kundschaft aufgrund der schlechten Milchpreise zurzeit nicht gerade rosig ist, sind die beiden Brüder doch davon überzeugt, dass sie vor 15 Jahren mit der Gründung des Lohnunternehmens den richtigen Weg eingeschlagen haben: „Wir kennen die Sorgen und Nöte unserer Kunden – schließlich sind wir selbst Landwirte. Und wir wissen genau, welche Anforderungen moderne Milchviehbetriebe an das Grundfutter aufgrund der steigenden Kosten stellen. Das ist vielleicht unser Erfolgsrezept.“

Björn Anders Lützen, Redaktion LOHNUNTERNEHMEN

Der Artikel ist in der Zeitschrift LOHNUNTERNEHMEN Ausgabe Februar 2016 erschienen.