April 2017: LU Bredenhöller

Multitaskingfähig muss ein Unternehmer sein, der neben einem landwirtschaftlichen Lohnunternehmen einen Ackerbaubetrieb sowie eine Spedition mit 13 Lkw betreibt. Werner Bredenhöller aus dem nordrhein-westfälischen Wadersloh ist einer dieser Lohnunternehmer, der all das unter einen Hut bringt.

 „Meine Frau hält im Büro die Fäden in der Hand. Gerade was die Lkw-Spedition betrifft, ist sie diejenige, die genau weiß, welches Fahrzeug wo unterwegs ist. Sie ist immer erreichbar, wenn die Fahrer mal eine Frage haben und nimmt mir dadurch sehr viel Arbeit ab.“

Insgesamt arbeiten heute 19 Festangestellte an zwei Standorten für das Unternehmen Bredenhöller – der landwirtschaftliche Standort liegt etwas außerhalb, die Lkw-Spedition direkt in Wadersloh. Während der Saison wird die Stammbelegschaft von bis zu 15 Aushilfen unterstützt.

Man muss als Unternehmer eben immer einen Schritt voraus sein.

„Wir haben die Anzahl der Aushilfen zugunsten der Festangestellten in den letzten Jahren Stück für Stück reduziert. Gute Aushilfen für die stressige Erntezeit zu finden ist immer schwieriger geworden“, blickt Werner Bredenhöller zurück und weiter: „Es gibt bei uns im Betrieb auch ruhige Phasen. In dieser Zeit muss ich schon sehen, dass ich meine 19 Mitarbeiter sinnvoll beschäftige. Zu tun gibt es eigentlich immer etwas auf dem Betrieb.“ So werden zum Beispiel ein Großteil der Wartungs- und Servicearbeiten in der eigenen Werkstatt durchgeführt. Bei Elektronikproblemen und Reparaturen in der Garantiezeit kommen die Maschinen jedoch zur Fachwerkstatt.

Kompost als Einstieg in das Transportwesen

Für ein großes Entsorgungsunternehmen fährt LU Werner Bredenhöller Kompost – das war 1995 der Einstieg in das Speditionsgewerbe, das mit 13 Lkw ca. 50 % zum Unternehmensumsatz beiträgt. Heute wird der Kompost von zwei Standorten mit zwei Lkw abgeholt und direkt zu den Flächen der Kunden transportiert. Zum Einsatz kommen dabei 90-m³-Walking-Floor-Trailer mit Allrad-Lkw. „Im Winter ist es nicht immer ganz einfach mit den Lkw auf das Feld zu fahren. Deshalb haben wir schon einmal überlegt, uns ein Förderband anzuschaffen, um damit den Kompost vom Lkw auf den Acker überzuladen. Der Aufwand und die Kosten für die zusätzliche Technik und den Fahrer, der diese ständig umsetzen müsste, sind aber zu hoch. Sollten wir mit dem Lkw einmal auf der Fläche steckenbleiben, müssen wir eben mit einem Schlepper nachhelfen – entweder vom Kunden oder wir holen einen von unserem Betrieb. Viel hängt beim Fahren auf dem Acker mit dem Lkw auch vom Fahrer ab. Einen Lkw-Fahrer aus dem Fernverkehr muss man dafür nicht einsetzen“, schmunzelt Werner Bredenhöller, der das Unternehmen seit 1990 in der zweiten Generation führt.

Der Kompost wird hauptsächlich direkt nach der Ernte und zu einem geringeren Teil direkt vor der Aussaat auf den Flächen verteilt. Auch in dieses Business hat sich der Dienstleister eingeklinkt. Mit vier schleppergezogenen Kompoststreuern verteilt er pro Jahr ca. 15.000 t.

Abfalltransport als Folgeauftrag

Sechs weitere Lkw mit Walking-Floor-Trailer werden darüber hinaus zum Transport von Restmüll zu einer Verbrennungsanlage eingesetzt. „Wir laden den Restmüll bei Sortieranlagen. Heute wird soviel wie möglich wiederverwendet. Den Ausschuss übernehmen wir. Dieser geht dann in die Müllverbrennung oder zu Zementwerken, wo die Abfälle energetisch genutzt werden“, beschreibt Werner Bredenhöller das Verfahren und ergänzt: „Der Entsorger ist auf uns zugekommen, da er gesehen hat, wie gut unsere Fahrzeuge im Komposttransport funktionieren. Wir können mit unseren Walking-Floor-Fahrzeugen ca. 90 m³ Müll transportieren. Lange waren wir die einzigen, die in unserer Region mit dieser Technik unterwegs waren. Heute sieht es aber schon etwas anders aus. Wenn ein Geschäft gut läuft, kommen auch die Nachahmer. Man muss als Unternehmer eben immer einen Schritt voraus sein.“

Seit Herbst 2013 mit Selbstfahrtechnik

Die Ausbringung von Gülle hat sich in den letzten Jahren zu einem der Dienstleistungsschwerpunkte entwickelt – bisher bringt er durchschnittlich 5.000 m³ mit sechs Traktor-Fass-Gespannen aus. Seit Herbst 2013 ist Werner Bredenhöller zusätzlich im Besitz eines Gülleselbstfahrers: „Wir haben uns für eine Gebrauchtmaschine mit 6-m-Scheibenegge zur Einarbeitung entschieden. Außerdem haben wir in ein Schlitz- sowie ein Strip-Till-Gerät investiert. Ich habe bislang noch keine Erfahrung mit Gülleselbstfahrtechnik, gehe aber davon aus, dass wir mit dem Fahrzeug im Vergleich zum Schleppergespann einige Vorteile bieten können, die die Kunden an Ende auch honorieren werden. Um die Kosten etwas niedriger zu halten, haben wir uns einen jungen Gebrauchten gekauft.“

Dadurch, dass er relativ viel Schweinegülle ausbringt, die einen hohen Düngewert hat und die Mineraldüngerpreise weiter steigen werden, geht er davon aus, dass seine Kunden in Zukunft ihren organischen Dünger zielgenauer nutzen werden.

Es kommt vor, dass wir bereits bei 2 km mit der Zubringung mit dem Lkw starten

Die Anforderungen der Kunden sind jedoch sehr heterogen – entsprechend muss der Dienstleister unterschiedlichste Technik vorhalten. Es beginnt beim 14-m³-Tandemfass mit Schleppschlauch, geht über mehrere Tridemfässer von 24 – 27 m³ mit Schleppschlauchverteilern von 24 bis 30 m bis hin zum Gülleselbstfahrer. „Unsere neueste Anschaffung ist das 27-m³-Fass. Dieses verfügt über eine Drehkolbenpumpe. Davor haben wir einen 420-PS-Schlepper gespannt. Wir fahren zum Teil in hügeligem Gelände. Da benötigen wir diese Leistung und auch das Gewicht des Schleppers“, erklärt der Lohnunternehmer. Bei diesem Fass wird aufgrund des hohen Eigengewichtes die Gülle zugebracht, es sei denn, die Flächen des Kunden liegen arrondiert um den Betrieb.

„Es kommt vor, dass wir bereits bei 2 km mit der Zubringung mit dem Lkw starten. Wir haben zum Teil jedoch das Problem, dass wir keine Fahrer mit Lkw-Führerschein frei haben. Dann wird auch mal Gülle über 15 km mit dem Schleppergespann mit Dolly-Achse zugebracht.“ Die Zubringer haben ein Ladevolumen von 30 m³. Wichtig sei Werner Bredenhöller vor allem ein geringes Eigengewicht und eine hohe Stabilität. Er hat sich deshalb für Fässer aus Edelstahl entschieden.

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Björn Anders Lützen, Redaktion LOHNUNTERNEHMEN

Der Artikel ist in der Zeitschrift LOHNUNTERNEHMEN Ausgabe April 2014 erschienen.