Mai 2017: LU Schnider

Rundballenpressen mit Antriebsachse sind sehr selten. Eine davon läuft bei LU Schnider im Schweizer Kanton Graubünden. Er hat uns erklärt, warum ihm die Nachrüstung fast 40.000 Franken wert war.

Seit 2013 setzt er die Comprima V 150 XC ein und im Sommer des gleichen Jahres ließ er bei seinem Landmaschinenhändler eine der beiden Achsen auf Hydraulikantrieb umrüsten.

Doch warum der Aufwand dieser Nachrüstung? War der Traktor der Presse nicht gewachsen? Oder die Presse nicht den Anforderungen alpiner Futterwirtschaft? „Beides trifft nicht zu, im Gegenteil. Beide Maschinen laufen sehr gut. Und dank der regulären Tandemachse rollt die Presse auch ohne Zusatzantrieb selbst bei deutlicher Geländeneigung am Hang spurtreu hinter dem Traktor her, bringt also ein besseres Arbeitsergebnis – und ein Stück mehr Sicherheit als die Pressen, die ich vorher hatte“, erzählt er – und liefert die Begründung für seine Investition in eine Antriebsachse gleich hinterher:

„Ganz wichtig ist mir die Steigleistung am Hang, denn trotz Traktor-Allradantrieb sind Schäden an der Grasnarbe manchmal nicht zu vermeiden. Aber angesichts unserer Hangneigungen und der hiesigen Niederschlagsmengen von bis zu 2.000 mm/Jahr können derartige Schäden fatal sein.“ Außerdem bringt die Schubleistung der angetriebenen Pressenachse selbst auf – für Schweizer Verhältnisse – ebenen Flächen viel, etwa an nassen oder sogar anmoorigen Stellen, die es auch im Gebirge gibt, wie Marco Schnider hinzufügt.

Sein Stall mit 25 Mutterkühen plus Nachzucht steht auf etwa 1.200 m „über Normal-Null“ (ü.N.N.), die 25 ha „Technik-taugliche“ Wiesen liegen auf bis zu 1.800 m, und im Sommer laufen seine Kühe auf 40 ha gepachteter Almen auf 1.700 und 2.300 m Höhe – zusammen mit denen seines Bruders, der eine gleich große Herde sein eigen nennt. Pro Jahr presst Marco Schnider rund 1.000 Rundballen für den Eigenbedarf der beiden Höfe.

Für diese Ballenzahl wäre seine Rundballenpresse wahrlich übermechanisiert. Allerdings presst der Unternehmer pro Jahr im Lohn zusätzlich rund 3.500 Ballen für Berufskollegen im Umkreis von ungefähr 25 km. Die ihm so wichtige Schonung der Grasnarbe gilt also nicht nur für seine eigenen Flächen, sondern besonders für seine Kunden.

„Die Bauern achten sehr darauf, und wer als Lohnunternehmer nicht sorgfältig arbeitet, braucht beim nächsten Schnitt nicht wiederzukommen. Deshalb sehe ich in der Antriebsachse auch einen kleinen Wettbewerbsvorteil – wobei das nicht der entscheidende Punkt für die Investition war“.

 

Zeit nehmen für die Kurven

Obwohl Marco Schnider gelernter Landmaschinenmechaniker ist und seinen eigenen Maschinenpark weitgehend selbst wartet bzw. repariert, holte er sich bei seiner örtlichen Fachwerkstatt Hilfe. Schließlich ging es nicht nur um „schweissen & schrauben“, sondern Hydraulik und vor allem Steuerungstechnik. Bremslast, Leistung der Ölmotoren und andere Parameter waren auf das Gespann abzustimmen, wozu er gern den Rat des Fachmanns einholte.

Die Wahl des Antriebs fiel auf eine Achse mit zwei Ölmotoren, die mitsamt der passenden Achsstummel den Platz der werksseitig verbauten 1. Achse einnahm. Am Traktor wurde eine 80er Kugel mit Impulsgeber anstelle des Zughakens angebaut sowie die für die Steuerung erforderliche Load-Sensing-Technik installiert. An der Oberseite der Presse fand vorn die Ölverteilung ihren Platz. Und schließlich erhielt die Antriebsachse Reifen mit AS-Profil, während die mitrollende Zweitachse Räder mit Terraprofil hat – ebenfalls zwecks Narbenschonung. Insgesamt ist die Presse jetzt gut 400 kg schwerer als in der Standardversion, so der Lohnunternehmer, aber das wirkt sich nach seiner Erfahrung nicht negativ aus.

„Die Anlage und die Achse laufen störungsfrei. Wichtig ist: Die erhofften Pluspunkte bei der Bergfahrt haben sich auch eingestellt.“

Alle An- und Umbauten erforderten ungefähr vier Tage Arbeit. Aber noch zum 2. Schnitt 2013 konnte die Maschine zeigen, ob sie die Erwartungen erfüllte. Und genau das war der Fall – jedenfalls im Großen und Ganzen, wie Marco Schnider bestätigt. „Die Anlage und die Achse laufen störungsfrei. Wichtig ist: Die erhofften Pluspunkte bei der Bergfahrt haben sich auch eingestellt.“ Allerdings gebe es auch ein kleines „aber“, wie er hinzufügt. „Es kommt vor, dass die Pressenachse speziell beim Anfahren nicht gleichzeitig anfährt. Und auch bei Fahrten bergab reagiert das System mit Verzögerung, schaltet also den Ölfluss zu den Radmotoren nicht automatisch oder zu spät aus“, berichtet er.

Investition rechnet sich

Bleibt zum Schluss nur die Frage, was das Projekt gekostet hat. „Rechnet man Bauteile und Stundenlohn der Werkstatt zusammen, komme ich auf knapp 40.000 Franken“, erzählt Marko Schnider. Nach dem Wechselkurs vom Sommer 2013 wären das etwa 28.000 €, nach heutigen Kurs sogar über 35.000 €. Eine Zahl, die erst mal Luft holen lässt, die aber relativiert werden muss. Denn erstens angesichts der Preis- und Lohngefüge in der Schweiz sind Mechanikerstunden um bis zu 50% teurer als in Deutschland, aber auch die Erlössituation der Landwirte und Lohnunternehmer entsprechend besser.

„Und zweitens werde ich diesen Antrieb nicht nur bei dieser Presse nutzen. Sollte ich mir eines Tages eine neue kaufen, zieht die Antriebsachse mit um. Das kostet zwar auch wieder etwas, aber insgesamt betrachtet, relativieren sich auch die Gesamtkosten. Nach meiner Kalkulation hat sich die Technik nach etwa sechs Jahren amortisiert. Denn der Nutzen ist deutlich größer“, meint er abschließend.

Jens Noordhof, Redaktion LOHNUNTERNEHMEN

Den vollständigen Bericht lesen Sie in der Zeitschrift LOHNUNTERNEHMEN Ausgabe Mai 2015.