November 2016: Forstunternehmen Gatzke-Lohmann

Konzentration und Fingerspitzengefühl sind wichtige Voraussetzungen für einen guten Forstmaschinenführer. Kommen dazu noch unternehmerisches Gespür und ein Talent zum Schrauben, ist die Mischung perfekt.

Frank Lohmann hat die Entwicklung des Unternehmens von einem landwirtschaftlichen Betrieb zum Forstdienstleister begleitet und sich die Steuerung von Harvestern selbst beigebracht.

Vielleicht haben wir den einzigen richtig guten Tag im Oktober erwischt, um Forstunternehmer Frank Lohmann zu besuchen. Kein einziger Tropfen Regen fällt, während ich hinter ihm in der Kabine seines Harvesters sitze und mir den Aufbau des Unternehmens von ihm und seinem Onkel erklären lasse. Sein Ponsse Ergo 8w Harvester ist gerade in der Nähe von Walsrode in Niedersachsen in einem Kiefernforst mit Buchenunterwuchs im Einsatz. Seit 13 Jahren wird Frank Lohmann vom Waldeigentümer für Maschinendurchforstungen engagiert. „Unser Unternehmen entstand ursprünglich aus einer kleinen Landwirtschaft, die meinem Onkel Günther Gatzke gehörte. Er begann schon früh sich im Forst ein Zubrot zu verdienen und nach meiner Lehre als Landmaschinenschlosser stieg ich als Mitarbeiter bei ihm ein“, erzählt er. Vor ein paar Jahren gründeten sie eine gemeinsame GbR, neben den beiden gibt es noch drei festangestellte Mitarbeiter. Eine Ausbildung zum Maschinenführer hat Frank Lohmann nicht gemacht. Die Bedienung der Erntemaschinen hat er sich Anfang der 90er, als das Unternehmen in die maschinelle Holzernte einstieg, selbst beigebracht: „Vorher waren wir ein reines Rückeunternehmen. Mittlerweile vergeben wir alles, was wir mit unserem Rückezug nicht selbst schaffen können, an Subunternehmen.“

PEFC-Zertifizierung

Die Kunden der GbR sind hauptsächlich drei Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) im Landkreis Celle und Umgebung, für die seit Jahren gearbeitet wird: „Wir nehmen nicht an Ausschreibungen teil; mit unserem Kundenstamm sind wir im Augenblick ausreichend ausgelastet. Damit das so bleibt, ist es wichtig, qualitativ gute Arbeit zu leisten, das geerntete Holz richtig auszuhalten und einzumessen. Wer als Unternehmen dauernd gute Sortimente verschneidet, wird keine Folgeaufträge bekommen“, erklärt er seine Geschäftstaktik. Sein unternehmerischer Erfolg hängt daher auch mit an seinen Mitarbeitern auf den Maschinen: „Es gibt Leute, die lernen schnell den Umgang mit den Maschinen und haben das richtige Auge für die Sortimente, aber die sind selten und schwer zu finden.“ Die Bestände, in denen das

Das Harvesteraggregat des Ponsse Ergo kann Stammdurchmesser bis 70 cm fällen – diese schmale Fichte war schnell abgesägt.

Unternehmen unterwegs ist, machen es nicht gerade einfacher. In der Einsatzregion zwischen Lüneburger Heide und Weser-Aller-Flachland herrschen Kieferbestände auf Podsol vor: „Die Kiefer neigt nicht gerade zu einem geraden Wuchs sondern ist oft etwas gekrümmt. Diese Krümmung muss so rausgeschnitten werden, dass man möglichst lange, gerade Sägeabschnitte sortieren kann“, erläutert er. Da das Unternehmen nach PEFC-Zertifiziert ist, verbleiben abgeschnittene Äste und das Kronenholz im Wald und werden nicht verarbeitet. Die abgeschnittene Kronen werden vor dem Harvester auf der Rückegasse abgelegt, um den Bodendruck zu minimieren: „Der Waldbesitzer hier arbeitet viel mit Naturverjüngung. Überall dort, wo die Kronen beim Rausheben noch den Boden gestreift und etwas verwundet haben, können im nächsten Jahr die Kiefernkeimlinge gut wurzeln.“

Abrechnung und Büroarbeit

Frank Lohmanns Tag begann gegen 5 Uhr morgens: „An einigen Tagen können wir dann direkt auf der Maschine anfangen, so wie heute. An anderen müssen wir erst noch Maschinen umsetzen oder reparieren. Leider ist dann nicht um 13 oder 14 Uhr Feierabend, oft geht es für mich bis in den Nachmittag oder frühen Abend weiter“, erzählt der Familienvater.

Frank Lohmann steuert sowohl Maschine als auch Sägeaggregat und Kran, während er die geschnittenen Sor-timente im Computer klassifiziert.

Die Büroarbeiten hat Günther Gatzke übernommen. „Während der Arbeit misst der Harvester alle geschnittenen Sortimente und gibt am Ende des Tages eine Liste mit den Gesamtmengen aus. Die können wir entweder per USB-Stick auf den PC im Büro übertragen, aber im Heck ist auch ein Din A4-Drucker, mit dem wir die Liste ausdrucken können. Unsere Daten werden dann mit dem Werkseingangsmaß des Kunden gegengerechnet, das passt meist gut zusammen. Dafür kalibrieren wir das Aggregat jeden Tag, damit die von uns gemessenen Daten stimmen“, erläutert er und zeigt auf eine elektronische Kluppe, die hinter ihm in der Kabine hängt. Mit ihr vermisst er täglich einige Probeabschnitte. „Auch wenn Holz ein relativ weicher Werkstoff ist, verstellen sich durch Erschütterungen und Verschleiß die Lager und Sensoren. Daher müssen sie regelmäßig nachkalibriert werden.“ Abgerechnet wird im Unternehmen nach geernteten Raum- oder Festmetern, der Diesel ist im Preis schon enthalten: „Wir rechnen pro geernteten Festmeter mit einem Verbrauch von 1 l Diesel.“

Mensch und Maschine

Er klickt sich schnell durch das Menü auf dem Touch-Display, das zentral vor ihm im unteren Sichtbereich angebracht ist: „Hier haben wir alle Sortimente, die wir nach Holz-Handelsklassen-Tabelle aushalten könnten. Vor den Aufträgen wird abgeklärt, welche Sortimente der Waldbesitzer erwartet und ausgehalten werden sollen. Theoretisch könnte die Elektronik die Aushaltung automatisch übernehmen, so dass ich nur noch die Maschine und den Kran steuere und die Säge vom Computer gesteuert wird. Aber der achtet nicht darauf, dass der Unterbau geschont wird. Der schiebt den Stamm innerhalb von einer Sekunde 5 m durch die Walzen, so schnell könnte ich mit dem Kran keine Ausweichbewegung machen, da schlägt man nur Schäden in den restlichen Bestand. Deshalb steuere ich lieber manuell.“

Mit der elektronischen Messkluppe werden die vom Harvester gemessenen Durchmesser regelmäßig überprüft.

Maschinelle Ausstattung

Alle Harvester des Unternehmens sind von Ponsse. Zwei der Harvester sind mit Aggregaten ausgestattet, mit denen bis zu 70 cm Stammumfang gefällt werden können, der dritte kann bis zu 53 cm fassen. „Der hier ist einer unserer Großen. Wir könnten also noch sehr viel stärkere Bäume fassen, als hier mehrheitlich stehen.“ Der achträdrige Ergo mit 270 PS kam im vergangenen Jahr ins Unternehmen, vorher lief er vier Jahre bei den Niedersächsischen Landesforsten: „Wir schauen immer, welche Maschinen in unseren Betrieb passen würden und suchen dann nach einer ähnlichen Gebrauchtmaschine. Bei einem Harvester wie diesem läge das Investitionsvolumen für eine Neuanschaffung bei 450.000 €. Daher gehen wir bei den Vollerntern fast immer über den Gebrauchtmaschinenmarkt. Beim Rückezug kommen Neuanschaffungen eher in Frage.“ Durchschnittlich bleiben die Maschinen um die sechs Jahre im Unternehmen. Bei der täglichen Arbeit kommt Frank Lohmann seine Schlosserlehre zugute: „Betrieblich wäre es nicht tragbar, jeden Schaden durch die Fachwerkstatt reparieren zu lassen. Daher machen wir kleine Sachen und den Austausch von Verschleißteilen oft selbst. Nur bei größeren Angelegenheiten wird auch mal der Transport in die Ponsse-Werkstatt nach Stemmen, das sind gut 90 km Strecke, in Kauf genommen.“

 

Ebenfalls zum Tagesablauf gehört das Kettenschleifen: „Wir haben dafür ein Kettenschleifgerät in der Werkstatt, das auch für Motorsägenketten verwendet werden kann. Wir brauchen schon bei normalen Einsätzen, etwa in der Erstdurchforstung, mehrere Ketten pro Tag, um immer sauber und effektiv schneiden zu können. Komplizierter wird es, wenn Windwürfe aufgearbeitet werden müssen. Dann können es bis zu zehn Ketten sein, die man abends nachschleifen muss. Je nachdem wie die Bäume liegen, haben sie über die gesamte Stammlänge, aber spätestens im Bereich der Wurzelteller, Erdanhaftungen, die die Sägeketten enorm verschleißen. Gerade der Sand, auf dem die Kiefer wächst, beansprucht die Ketten.“ Bevor er gegen Mittag von der Rückegasse an den Waldsaum wechselt, um einige Fichten zu entnehmen, zieht er eine neue Kette auf das Sägeschwert. Das geht routiniert innerhalb von wenigen Minuten, gespannt wird die Kette automatisch.

Sicherheitssystem on Board

Zum Ende unseres Termins tankt er noch aus der mobilen Tankstelle auf dem Begleitfahrzeug nach. Über die Erzählungen von Beschädigungen und Dieselklau bei im Wald abgestellten Maschinen kommt das Gespräch kurz auf eine Maschine, die abbrannte, bevor er damit arbeiten konnte. „Unterhalb der Kabine dieses Harvesters befindet sich ein Löschsystem, das ich aus der Kabine manuell einschalten kann, falls etwas passieren sollte“, sagt er und zeigt auf ein rotes Warnsymbol neben der Treppe. „Der Pulverfeuerlöscher dafür ist weiter vorne angebracht und über ein Schlauchsystem verbunden. Der sollte allerdings nur aktiviert werden, wenn es wirklich brennt. Das Pulver würde sonst den Motor beschädigen.“

Auf der Heimfahrt kündigt der Wetterbericht schon den nächsten Regen an. Glück gehabt.

Gesa Lormis,
Redaktion Lohnunternehmen

Erschienen in der LOHNUNTERNEHMEN Dezember 2015.

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