LU Huhn: Nischen nutzen

Der erste Schnitt lief bei dem Lohnunternehmen Huhn in Nordhessen im letzten Jahr sehr gut an. Die Redaktion LOHNUNTERNEHMEN war einen Tag live dabei, als Gras und GPS-Roggen für eine Biogasanlage und einen Milchviehbetrieb gemäht wurden.

8:30
Über baumgesäumte Straßen und durch kleine Orte fahren wir, bis wir schließlich zum Lohnunternehmen von Mirco Huhn nach Lichtenfels in Nordhessen kommen. Der Familienbetrieb wurde 1988 von Heinrich Huhn gegründet und 2014 von seinem Sohn übernommen.

Auf dem Hof ist es noch ruhig, und wir probieren unser Glück in der Werkstatt des Unternehmens. Dort suchen wir die Mitarbeiter und platzen mitten in die Morgenbesprechung. Bei Kaffee sitzen die Männer zusammen und besprechen ihren Tag, als auch der junge Betriebsleiter Mirco Huhn dazustößt. Er ist in Begleitung des sehr großen und gutmütigen Hofhundes Bruno – freudig begrüßt uns der schwarze Mischling aus Labrador und Berner Sennenhund und lässt sich den Kopf kraulen.

Das Team von LU Huhn ist eingespielt und kennt sich zum Teil seit vielen Jahren. Da ist es kein Wunder, dass wenige Sätze ausreichen und schon weiß jeder, was heute zu tun sein wird. Denn an diesem Tag gibt es gleich mehrere Aufträge.

8:45
Plötzlich kommt Aufbruchsstimmung auf. Gegen 9:00 Uhr soll es mit dem Mähen bei einem Kunden in der Nähe von Bad Wildungen losgehen. Ich fahre bei Michael Klare auf dem Axion 930 mit dem angebauten Disco 9200 C Mähwerk mit rund 9 m Arbeitsbreite mit. Souverän lenkt er das große Gespann durch die engen Straßen des Ortes und später auch über die Bundesstraßen. Die Autos nehmen glücklicherweise Rücksicht auf das große Gespann. „Ich fahre schon Trecker seit ich ein kleiner Junge bin“, erklärt er mir schmunzelnd. Es geht die Hügel hoch und runter, entlang des Nationalparks Kellerwald-Edersee, durch Frankenberg. „Der Ort ist bekannt durch die Kultdiscothek Utopia“, erklärt mir Michael Klare. Wir fahren weiter über die Bundesstraße 253. Meine Kollegin Maren Schlauß fährt die ganze Zeit mit dem Pkw hinter uns her, und Michael Klare ruft kurz vor dem Eintreffen den Kunden an, dass wir auf dem Weg sind. Die beiden verabreden einen Treffpunkt in der Nähe der Biogasanlage in Braunau, einem Ortsteil von Bad Wildungen.

9:20
Wir treffen den Landwirt Gerd Hilgenberg kurz darauf an der verabredeten Stelle. Die Männer verstehen sich auch ohne Worte, deshalb fährt der Kunde ohne Umschweife mit dem Pkw vor uns her und zeigt dem Fahrer vom Auto aus die Flächen: 20 ha Gras und Grünroggen sollen heute bei ihm gemäht werden. Das erste Stück ist nur ein kleiner Schlag von ca. 0,5 ha mit Gras, dieses hat Michael Klare mit seinem Gespann natürlich schnell geschafft.

9:35
Danach fährt der Landwirt wieder los und führt uns zur nächsten Fläche, die ebenfalls mit Gras bewachsen ist. Durch die vielen verzweigten Feldwege und das durch die Hügel leicht unübersichtliche Gelände verlieren wir kurz meine Kollegin Maren Schlauß. Dank der modernen Technik ist der Kontakt aber schnell hergestellt und sie stößt bei der nächsten Fläche, einem Grünroggenbestand, zu uns. Ich komme derweil mit Michael Klare ins Gespräch. Er bezeichnet sich selbst als Allrounder: „Ich bin jetzt 39 Jahre alt und arbeite schon seit 21 Jahren als Fahrer in Lohnunternehmen, davon allein sechs Jahre bei LU Huhn. Ich fahre sowohl Schlepper als auch Lkw.“

Das Lohnunternehmen Huhn hat Kunden vom Rande des Westerwaldes bis hin nach Magdeburg, sodass eine Strecke zum Einsatzgebiet schon mal 400 km lang sein kann. Kein Problem für Michael Klare. „Ich bin letztens elf Stunden mit dem Xerion 4000 gefahren. Die Ruhe, allein auf dem Schlepper zu sitzen, finde ich sehr entspannend. Blöd ist nur, wenn etwas unterwegs kaputt geht. Einmal hatte ich z.B. Probleme mit der Kraftstoffzufuhr und konnte nur noch 10 km/h fahren. Aber zum Glück gibt es überall nette Landwirte, die einem auch noch nach Feierabend aushelfen.“

 

Lohnunternehmer Mirco Huhn

10:00
An der Grünroggenfläche angekommen, bedient Michael Klare schnell die entsprechenden Knöpfe, und das 9-m-Mähwerk senkt sich. Laut beginnt sich das Disco 9200 C in Bewegung zu setzen, und zügig fährt Michael Klare den Axion in den Bestand. „Die Mahd bleibt jetzt zwei Tage liegen, bevor sie gehäckselt und anschließend siliert wird. Der Kunde hat eine Biogasanlage. Zum Silieren benötigt er einen Trockenmasse-Gehalt von etwa 30 %“, erklärt mir Michael Klare. Er kennt sich mit dem Grünfutter aus: „Ich habe bereits als Jugendlicher oft auf verschiedenen Höfen ausgeholfen“, sagt er.

10:30
Es wird Zeit für uns, die anderen Angestellten zu besuchen, deshalb verabschiede ich mich von Michael Klare. Er setzt mich am Rand des Feldes ab und wird hier heute noch eine ganze Weile beschäftigt sein. Weitere Schläge mit Gras und Grünroggen des Landwirtes müssen gemäht werden. Da die Flächen in Nordhessen meist nur wenige Hektar groß sind, wird er relativ viel Zeit für das Umsetzen der Maschine benötigen. „Die anderen arbeiten entlang der B 253“, ruft er uns zum Abschied zu. Per Handy kontaktieren wir den zweiten Fahrer, Danilo Goltzsch, der an diesem Tag ebenfalls im Gras unterwegs ist. Er lotst uns zu den richtigen Flächen in der Nähe von Dainrode. Der Ort ist etwa 20 km entfernt. Gar nicht so einfach, bei einer Straße von 124 km Länge die Flächen auf Anhieb zu finden. Die Bundesstraße verläuft im Norden und Westen Hessens von Melsungen über Fritzlar, Frankenberg und Biedenkopf nach Dillenburg. Auf dem Weg bestaunen wir das schöne Panorama. Die vielen Flächen mit Gras und Grünroggen lassen auf eine viehreiche Region schließen und in der Tat sehen wir vom Auto aus einige Ställe. Das liegt unter anderem an den mittelmäßigen Böden mit Bodenpunkten zwischen ca. 33 und 64 und durchschnittlichen Jahresniederschlägen von 600 mm in dieser Gegend. Deutschlandweit liegt der Schnitt bei 690 mm.

11:00
Auf den Schlägen, auf denen die Fahrer von LU Huhn heute für den Kunden Olaf Fackiner unterwegs sind, ist richtig was los: Wir sehen einen Schwader, einen Häcksler und mehrere Abfahrgespanne, die ihre Runden auf den Wiesen drehen. Ich steuere auf das Gespann von Danilo Goltzsch zu. Er ist mit einem Arion 420 und einem Liner 3000 mit 12,50 m Breite unterwegs und schwadet das Gras. Ich steige zu ihm in die Kabine und merke gleich: Er ist eine Frohnatur. „Heute habe ich leider nur den kleinen Schlepper. Ich fahre ansonsten größere Maschinen“, lacht er. Danilo Goltzsch erklärt mir, dass er normalerweise für den Xerion 4000 zuständig ist. Die Maschine ist seit zwei Jahren in dem Betrieb. „Wir haben dadurch unser Einzugsgebiet bzw. unseren Kundenkreis erweitert, denn mit dem Xerion legen wir den Mais mit Unterfußdünger, das ist besonders im Osten gefragt.“ Der Arion, den er heute fährt, ist von einem Kunden geliehen, weil alle anderen Schlepper von LU Huhn im Einsatz sind. Lohnunternehmer Holger Theis aus Neustadt ist heute ebenfalls für Olaf Fackiner unterwegs. Zu ihm gehören die Abfahrgespanne und der Häcksler. „Der Kunde entscheidet jährlich, wer den Auftrag bekommt. Am liebsten würden wir natürlich immer hier häckseln, aber in einem Jahr machen wir das, im nächsten Jahr dann ein anderes Lohnunternehmen. Dadurch bleiben die Preise annähernd stabil, da wir uns nicht unterbieten müssen, da jeder mal den Auftrag bekommt. Wir haben selbst einen Jaguar 970 und einen 950, die wir einsetzen“, erzählt Danilo Goltzsch. Der Kunde ist ein Milchviehhalter – typisch für diese Region.

11:30
Wir müssen uns mit dem Schwaden beeilen. Der Häcksler kommt näher. „Schwaden wird nach Stunden abgerechnet, aber deshalb fahre ich nicht langsamer, sondern immer so schnell, wie es die Bodenbedingungen zulassen“, erzählt Danilo Goltzsch. Die 15 Angestellten führen bei LU Huhn einen Stundenzettel, den sie abends beim Chef abgeben. „Laut Vertrag arbeiten wir 172 Stunden pro Monat, haben also theoretisch eine 43-Stunden-Woche. Sämtliche Überstunden, die wir in der Ernte ansammeln, können wir im Winter abbummeln, wir bieten nämlich keinen Winterdienst an. Dadurch können wir mal länger verreisen. Ich war z.B. Anfang des Jahres in Australien“, berichtet Danilo Goltzsch.

12:30
Ich schaue nach, wo sich meine Kollegin Maren Schlauß aufhält. Wir beschließen, zu dem Kunden Olaf Fackiner zu fahren. Sein Betrieb liegt am Dorfrand von Dainrode. Den Abfahrwagen geht es nun hinterher, bis wir das Silo und die Milchviehställe sehen. Etwa 300 Milchkühe leben hier, die Ställe sehen modern aus. Zwei Männer fahren bei unserer Ankunft mit ihren Schleppern das Gras auf dem Silo fest – einer von ihnen ist der Vater des Landwirts, Heinrich Fackiner, und der andere ein rumänischer Mitarbeiter des Milchviehbetriebs. Der Senior erklärt uns, dass der zweite Fahrer gerade erst angefangen hat, auf dem Betrieb zu arbeiten. „Ich muss ihm noch zeigen, wie man ordentlich festfährt. Der Fahrer muss seinen Schlepper dafür gut kennen, das ist reine Übungssache“, erklärt er uns. Und schon kommt das nächste Abfahrgespann und bringt frisches Gras. Ich kann mich kurz mit dem Fahrer Holger Theis unterhalten, bei der nächsten Tour darf ich mitfahren. Der Lohnunternehmer hält kurz an, so kann ich zu ihm in die Kabine steigen, und er nimmt mich die wenigen hundert Meter zurück bis zum Einsatzort mit.

12:45
Ich sitze auf dem MF 7620 mit angehängtem Krone ZX 400 GD Ladewagen von Holger Theis, dem Lohnunternehmer, der für die Ernte der Flächen zuständig ist. Wir fahren zügig zum Häcksler, einem Jaguar 950, zurück. Dieser steht schon bereit und häckselt das im Schwad liegende Gras. „Ich habe mich auf Häcksler- und Mähdrescherarbeiten spezialisiert. Die Zusammenarbeit mit den anderen Lohnunternehmern hier in der Region klappt sehr gut“, erklärt Holger Theis. Nach wenigen Minuten ist der Wagen voll und wir suchen uns unseren Weg zwischen zwei wartenden Abfahrgespannen, die auf der Straße vor der Fläche stehen. Das Team ist gut eingespielt, jeder weiß, was er zu tun hat. Bei Rückfragen ist Holger Theis der Ansprechpartner. Wir fahren wieder zurück zum Betrieb von Olaf Fackiner. Souverän steuert Holger Theis von oben an das Silo heran und kippt seine Ladung ab. Danach steige ich ab, genug für mich heute. Maren Schlauß und ich brechen auf, zurück zum Lohnunternehmen Huhn nach Lichtenfels.

14:00
Auf dem Hof von LU Huhn begrüßt uns Hund Bruno mit lautem Bellen. Mirco Huhn kommt aus der Werkstatt auf uns zu. „Bruno passt hier gut auf, dass keine Unbefugten auf dem Gelände herumlaufen“, erklärt er uns. „Als zweites Standbein bietet unser familiengeführtes Unternehmen eine Spedition an, diese nennt sich Trucktat. Durch die Nutzfahrzeug-Vermietung kommen allerhand Leute auf den Hof. Da ist es schon wichtig, dass jemand aufpasst.“ Der Spedition stehen 120 Einheiten zur Verfügung, 80 % davon sind Lkw. Das Transportunternehmen ist insbesondere auf landwirtschaftliche Dienstleistungen spezialisiert. Im Jahr 2007 wurde die Firma von Lars Dörrbecker gegründet und hat deutschlandweit fünf Standorte: In Lichtenfels-Rhadern sitzt die Zentrale, die anderen Niederlassungen sind in Berlin, Lohfelden (Kassel), Goch und Neustadt a. d. Donau. „Zu 50 % vermieten wir unsere Maschinen an Biogas-Kunden in ganz Deutschland“, sagt Mirco Huhn. Teilweise übernimmt der Lohnunternehmer solche Fahrten auch selbst: „Im Winter lagern wir für Biogasanlagen auch schon mal die Gülle um.“ Mit den Standbeinen Lohnunternehmen und Spedition ist Mirco Huhn gut aufgestellt: „Jeder meiner Mitarbeiter verfügt über einen Lkw-Führerschein und ist in allen Bereichen einsetzbar. Wir machen keine Bodenbearbeitung und keinen Pflanzenschutz, sodass zusätzliche Zertifikate nicht notwendig sind. Es herrscht viel Konkurrenz in der Umgebung, da muss man seine Nische finden. Noch werden die Rechnungen pünktlich bezahlt, aber wir merken schon, dass es schwieriger wird, die Preise zu rechtfertigen. Früher haben wir zusätzlich noch Stroh gepresst, das übernimmt inzwischen mein Schwager. Er wohnt im Nachbarort und hat sich darauf spezialisiert. Wir helfen uns gegenseitig, besonders beim Verteilen der Kundenaufträge“, erzählt Mirco Huhn. Die Auftragslage ist bisher aber gut: 2.500 ha Mais pro Jahr legt und häckselt das Lohnunternehmen. Dazu kommt noch die Ausbringung von 100.000 m³ Gülle im Jahr.

14:30
Zum Abschluss gucken wir uns den Claas Xerion Saddle Trac 4000 Selbstfahrer an, den Stolz des Betriebes. Der Aufkleber auf der Maschine „Life is too short to drive little ugly tractors“ („Das Leben ist zu kurz, um kleine, hässliche Traktoren zu fahren“) unterstreicht die Einstellung der Fahrer: Sie sind stolz auf ihre Arbeit und ihre Maschinen.

Wir bedanken und verabschieden uns von dem Lohnunternehmer und seinem Hund Bruno. Danach treten wir mit vielen Eindrücken und Fotos die Heimreise aus Nordhessen Richtung Hannover an.

Nantke Lena Neumann, Redaktion LOHNUNTERNEHMEN

Der Artikel ist in der Zeitschrift LOHNUNTERNEHMEN Ausgabe August 2016 erschienen.