Start in den Mai mit Mais und Gras

Wir haben die beiden Allgäuer Lohnbetriebe Fehr und Frener besucht. Der eine aus dem bayerischen, der andere aus dem württembergischen Allgäu. Jetzt beginnt dort eine der stressigsten Zeiten im Jahr.

Grashäckseln ist im Allgäu die Herausforderung, weil die Aufträge im Stunden-Rhythmus abgearbeitet werden müssen.

Umsatzträger beim Lohnunternehmen Fehr wie auch beim Kollegen Frener ist heute die Grünfutterernte mit bis zu sechs Grasschnitten. Rund 80 % des Futters kommt im Allgäu vom Dauergrünland, der Rest ist Ackerfutter. Der erste Schnitt beginnt Anfang Mai. Allerdings mähen die Brüder Fehr derzeit lediglich bei jedem fünften ihrer Graskunden. „Die Landwirte im Allgäu sind mit ordentlicher eigener Mähtechnik unterwegs, in der Regel mit Front-/Heckkombis. Allerdings ohne Knickzetter. Wir kommen mit unserem Schmetterling und Knicker dann zum Zuge, wenn den Bauern die Zeit wegläuft und die Schlagkraft fehlt, meist bei schlechtem Wetter.“

Die stressigste Zeit bei den Freners ist Ende April, Anfang Mai. Dann treffen der erste Grasschnitt und die Maissaat aufeinander. „In drei bis fünf Tagen wird der erste Schnitt im Allgäu abgeräumt. Wer nicht mähen kann, ist raus. Hier wartet keiner mehr“, betont Frener Senior. Sohn Markus sieht die Kehrseite der Medaille. Die Auslastung wird schlechter. Wie reagieren? Schlepper und Häcksler sind in der Stückzahl mehr geworden, werden nun aber mit weniger Jahresstunden dafür aber länger gefahren.

Vater Reinhold und Sohn Markus Frener sind Lohnunternehmer im württembergischen Allgäu, nahe Leutkirch.

Gras am Tage, Mais nachts
Wie gesagt, bei Markus Frener und seiner Familie ist Anfang Mai die stressigste Zeit im Jahr, denn dann kommt zum ersten Grasschnitt die Maissaat. Und die passiert neuerdings öfter auch nachts. Markus Frener hat in der Maissaat letztes Jahr erste Erfahrungen gemacht mit der Spurführung an seinem neuen JD 6R mit AutoTrac. „Wir haben wegen des zeitgleichen ersten Grasschnittes oft nachts Mais gesät. Man muss dem Spurführungssystem vertrauen, aber es klappt super“, schildert er. Gesät wird der Mais entweder 12-reihig mit 50 cm Abstand oder 8-reihig mit 75er Reihe. Die 50er Reihe hat bei LU Frener folgenden Hintergrund: „Wasserprobleme haben wir im Allgäu nicht. So können wir mit 50er Reihenabstand 11 bis 12 Pflanzen pro Quadratmeter säen, also mehr Pflanzen/m² als bei der 75er Reihe mit gleichstarker Kolbenausbildung. Bei dieser Engsaat beobachtet er einen um 15 % höheren TM-Ertrag, allerdings bei gleicher Energiedichte. Daher werde die 50er Reihe eher von den Biogasanlagen gefordert, die 75er Reihe von den Milchviehbetrieben. Den Durchschnittsertrag beim Silomais beziffert er mit 55-60 t Frischmasse pro Hektar. Das Klima im Allgäu, also genug Wasser und Wärme, lässt Gras und Mais gleichsam kräftig wachsen. Untersaaten in Mais funktionieren, werden aber meist nur von den Biogasanlagen gefordert.

Thomas Fehr, Ehefrau Andrea und Bruder Wolfgang betreiben ein Lohnunternehmen im bayerischen Allgäu nahe Memmingen.

Die wollen häckseln
Thomas und Wolfgang Fehr von der bayerischen Seite  des Allgäus bieten für die Grassilage Häcksler, Ladewagen und die Rundballenpresse an. Aber verlangt werde vorwiegend der Häcksler, nicht nur für die ersten starken Schnitte im Jahr. „Gern würden wir ab September mehr den Ladewagen im Gras einsetzen, damit die drei Häcksler im Mais fahren können. Aber das klappt nicht und wir müssen einen Häcksler mit Pickup im Gras lassen“, erzählt Wolfgang Fehr. Zu 95 % wird beim Häckseln die komplette Kette, also abfahren und walzen, durchgeführt. Meist reichen zwei ihrer klassischen Häckselwagen pro Häcksler. Fehrs fahren mit 45-m³-Tandemwagen und 200-PS-Traktor davor, weil dieses Gespann ihrer Meinung nach die kostengünstigste Transporteinheit ist und zudem vom Gewicht her zum Grünland passen. Die Traktoren werden immer als Neumaschinen und in Vollausstattung gekauft. In der Regel geht der Traktor mit 10.000 h vom Hof und ist dann rund zehn Jahre alt. Die Traktormiete ist für die Fehr-Brüder keine Alternative. Sie geben allerdings zu, dass die großen Traktoren mittlerweile mehr Probleme beim Verkauf machen.

Hans Günter Dörpmund, Redaktion LOHNUNTERNEHMEN

Lohnunternehmen arbeiten hier bei 80 % Grünland in erster Linie für die Kuh und deren Futtertrog. War der Milchpreiseinbruch 2016 ein Schock mit Zahlungs- und Auftragsausfall? Wie die beiden Lohnunternehmer diese Frage beantworten und was sie im puncto Auftrag und Preis in diesem Jahr erwarten, lesen Sie in der Maiausgabe von LOHNUNTERNEHMEN.