LU Trend-Report: Pflanzenschutz

Lohnunternehmer sind schon heute im Pflanzenschutz sehr aktiv. Aber ihre Bedeutung steigt weiter, nicht nur als Technik-Kunden, sondern auch im Einkauf der PS-Mittel und in der Beratung der Landwirte. Wir haben bei 100 Lohnunternehmern nachgefragt.

Der Anteil Selbstfahrer im Pflanzenschutz steigt kontinuierlich. Allerdings entfällt das Gros der von Lohnunternehmern genutzten Geräte nach wie vor auf gezogene Spritzen.

Pflanzenschutz gehört zu den wichtigen Dienstleistungen in Lohnunternehmen. Es ist allerdings eine sehr spezielle Tätigkeit, nicht nur bezüglich der eingesetzten Technik, sondern vor allem aufgrund des notwendigen Fachwissens um Pflanzenschutzmittel und Schad- bzw. Krankheitsbilder. Außerdem erfordert es hohe Flexibilität und Schlagkraft, um Behandlungen zum optimalen Zeitpunkt durchführen zu können. Deshalb ist die Zahl der Lohnunternehmen, die sich auf diesem Gebiet engagieren, spürbar kleiner als in der Futterernte oder der Güllelogistik.

Für unseren Trendreport haben wir 100 Lohnunternehmer befragt, die in diesem Spezialsegment tätig sind. Unsere erste Frage galt der Fläche, die von ihnen pro Saison behandelt wird. Einzurechnen waren alle Überfahrten pro Kultur. 28 der Befragten gaben dabei an, weniger als 500 ha pro Saison zu behandeln. 34 % ordneten sich in die Kategorie „500-2.000 ha“ ein, während 23 % zwischen 2.000 und 5.000 ha jährlich im Pflanzenschutz behandeln. Immerhin 15 der Umfrageteilnehmer gaben mehr als 5.000 ha jährlich an. Zum Vergleich: Bei unserer Umfrage zum gleichen Thema im Januar 2013 lautete die Prozent-Relation 34-29-19-18. Die Unterschiede mögen an der unterschiedlichen Teilnehmerstruktur liegen, zeigen aber dennoch einen gewissen Trend zur Mitte, also zwischen 500 und 5.000 ha.

Steigende Bedeutung
Grafik 1 zeigt das Spektrum der behandelten Kulturen. Eindeutig vorn stehen Getreide, Raps und Mais – aber dicht gefolgt von Grünland, was etwas überrascht. Verglichen mit Januar 2013, hat Getreide in der aktuellen Umfrage leicht zugenommen, Zuckerrüben und Grünland liegen etwas niedriger, aber die Sonderkulturen dafür erkennbar höher. Letzteres dürfte aber kein genereller Trend sein, sondern eher auf die regionale Verteilung der Befragten zurückzuführen sein.
Dass jedoch das Segment Pflanzenschutz für die Lohnunternehmer an Bedeutung gewinnt, zeigten die Antworten auf unsere entsprechend gestellte Frage. Demzufolge beurteilen 50 der 100 Umfrageteilnehmer das Standbein Pflanzenschutz als stabil. 8 % sehen eher einen sinkenden Umsatz, während 42 % von weiterem Wachstum ausgehen.

 

Mehr Schlagkraft
Nach der Bedeutung des Pflanzenschutzes folgte die Technik in unserer Umfrage. Grafik 2 gibt das Spektrum der Antworten wider. Eindeutig erkennbar und wenig verwunderlich: Anbau-Spritzen sind die kleinste Fraktion, die allerdings immerhin noch in 22 % der Betriebe genutzt werden. Anhängte Spritzen sind die gängigste Technik und werden es bis auf weiteres auch bleiben. Offensichtliche Gewinner sind dagegen die Selbstfahrer – im Vergleich zur 2013er Umfrage mit „nur“ 40 zwar um 3 % niedriger in der künftigen Erwartung, aber dies dürfte an der Marschrichtung nichts ändern.

Im Anschluss daran wollten wir gern wissen, ob es für das Jahr 2015 konkrete Kaufabsichten in diesem Techniksegment gibt. 81 % der befragten Lohnunternehmer planen nach heutigem Stand keinen Neukauf von Pflanzenschutzspritzen, 8 % werden eine gezogene Spritze anschaffen, und 11 % sind konkret auf der Suche nach einem Selbstfahrer. Das klingt im ersten Moment relativ wenig, aber anders formuliert, bedeutet es: 19 % oder fast ein Fünftel wollen konkret neu kaufen. Das dürfte einer gesunden Erneuerungsrate entsprechen. Allerdings fehlte uns an dieser Stelle der Vergleich, da wir die Frage dieses Mal neu in die Umfrage aufgenommen hatten.
Um mehr Schlagkraft zu erreichen, muss es jedoch nicht immer nur ein Selbstfahrer sein. Deshalb haben wir die Lohnunternehmer gefragt, auf welche Weise sie dieses Ziel erreichen wollen. Bei dieser Frage waren ausdrücklich keine Mehrfachnennungen möglich; stattdessen sollten die Teilnehmer sich für die aus ihrer Sicht sinnvollste Lösung entscheiden. Das Ergebnis war sehr eindeutig: 54 % sehen ein größeres Fassvolumen als sinnvollste Möglichkeit zu mehr Schlagkraft. 25 % würden zuerst auf größere Gestängebreiten setzen. Eine geringere Wasseraufwandsmenge pro Hektar trauen sich 17 % zu, aber lediglich 4 % würden schneller fahren. Anfang 2013 lautet die Antwortverteilung zur gleichen Frage: 49 % größeres Fass, 27 % breitere Gestänge, 21 % weniger Wasser/ha und 3 % schnelleres Fahren. Ergo: kaum Veränderung in der Einstellung der Lohnunternehmer.

Schlüsselfaktor Lohnunternehmer
Der 3. Themenblock unserer Umfrage drehte sich um die Zusammenarbeit mit den Landwirten, beginnend mit der Frage: Wer entscheidet eigentlich über die bei den Kunden vorzunehmenden PS-Maßnahmen? Grafik 3 zeigt unmissverständlich: Die Lohnunternehmer sind mehrheitlich die sprichwörtlich entscheidende Instanz. 55 Lohnunternehmer gaben an, dies allein zu entscheiden, 30 tun dies immerhin zusammen mit dem Kunden.
Ergänzend dazu wollten wir gern wissen, ob die beratende Funktion der Lohnunternehmer gegenüber den Landwirten in Zukunft zunehmen wird. 58 % der Befragten rechnen damit, 42 % tun dies nicht. Immerhin ist dies im Vergleich zur 2013er Umfrage ein leicht gestiegener Anteil derer, die von einer Zunahme ausgehen. Vor 18 Monaten waren es „nur“ 50 %.

Eindeutiger waren dagegen die Antworten auf die Frage nach dem Einkauf von PS-Mitteln. In 82 Fällen übernimmt dies der Lohnunternehmer, in 30 der Landwirt selbst. Macht zusammen 112 von 100 – und ist kein Rechenfehler, sondern zeigt, dass bei zwölf Teilnehmern beide Optionen genannt wurden. Aber: Im Einkauf geben die Lohnunternehmer die Richtung vor.
Probleme erwartet
Den Abschluss unserer Befragung bildete der Aspekt „Auswirkungen von seitens der EU geplanten Wirkstoff-Verboten“, wie etwa Neonikotinoide/Beizen im Raps oder Glyphosat. 68 % der Lohnunternehmer erwarten dadurch Probleme beim Pflanzenschutz, während 32 % dies nicht negativ bewerten. Als Konsequenzen erwarten die Befragten eine Zunahme von Resistenzen, Wirkungsverschlechterungen und steigende Aufwandmengen bzw. Zahl an Überfahrten.

Beklagt werden zudem der Mangel an brauchbaren Alternativen und der höhere Aufwand bei der Suche nach Wirkstoffalternativen. Auch Vorwürfe wie „Aktionismus der Politik“ und „zu wenig und/oder zu späte Erforschung von Alternativen“ war zu hören. Dies gilt nicht nur in Standardkulturen, sondern auch und gerade in Sonderkulturen. Nicht zu vergessen: steigende Kosten für Landwirte und Dienstleister. Kurzum: Das Thema Wirkstoffe treibt die Branche um, denn die Bewirtschaftung wird schwieriger.


Jens Noordhof, Redaktion LOHNUNTERNEHMEN
Erschienen in der LOHNUNTERNEHMEN November 2014