April 2018: LU Schröder

Wie muss ein Bonussystem gestrickt sein, um die gewünschte Motivation zu erreichen? Andrea Goldmann, Geschäftsführerin des Lohnunternehmens Schröder in Blockwinkel, hat uns ihr Konzept erläutert.

Große Motivation ist eine der entscheidenden Triebfedern für engagierte Mitarbeiter.

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Motivation durch Bonus

Maximale Transparenz, objektive Maßstäbe und die reelle Chance auf einen Bonus als Zusatzentlohnung waren im Lohnunternehmen Schröder in Scholen-Blockwinkel bei Diepholz die Eckpunkte bei der Definition des eingeführten Prämiensystems. Das Unternehmen agiert in mehreren Dienstleistungssparten. Dazu gehören landwirtschaftliche Lohnarbeiten, Tiefbau und Abbruch genauso wie Grüngutaufbereitung für Kommunen und Lkw-Transporte. Letztere erstrecken sich auf eine große Bandbreite sehr unterschiedlicher Güter, von Getreide und Zuckerrüben über Grünfutter bis hin zu klassischen Speditionstransporten im Fernverkehr. Nicht zu vergessen sind der eigene landwirtschaftliche Betrieb sowie zwei Biogasanlagen mit zusammen 490 kW Leistung.

Die Art der Arbeiten ist bei uns in den jeweiligen Sparten zu unterschiedlich, um ein einheitliches System zu definieren.

Andrea Goldmann, Geschäftsführerin LU Schröder

Der Anstoß, sich über ein Prämiensystem Gedanken zu machen, kam von den Lkw-Fahrern, wie Andrea Goldmann berichtet. Sie leitet das Unternehmen als Geschäftsführerin und hat es vor sechs Jahren von ihren Eltern übernommen. Die ersten Gedanken in Sachen Bonussystem gingen in die Richtung, über die einzelnen Sparten hinweg dem ganzen Schröder-Goldmann-Team einen leistungsabhängigen Lohnanteil zugutekommen zu lassen. „Aber die Art der Arbeiten ist bei uns in den jeweiligen Sparten zu unterschiedlich, um ein einheitliches System zu definieren, das transparent wäre, genügend Anreiz böte und doch den einzelnen Anforderungen gerecht würde“, berichtet sie. [...]

Andrea Goldmann, Geschäftsführerin LU Schröder, beschäftigt rund 80 Mitarbeiter davon 27 im Bereich Lkw-Transporte.

Eigenverantwortung fördern

Kernaspekt des Prämiensystems war und ist die Senkung der Betriebskosten – was jedoch nicht nur den Dieselverbrauch und den Materialverschleiß beinhaltet, sondern u.a. auch Schäden durch Unachtsamkeit. Als erstes und „klassisches“ Beispiel nennt Andrea Goldmann den Auflieger, der freitags mit defektem Rücklicht auf dem Betriebshof abgestellt wird, ohne dem Werkstattteam Bescheid zu geben. „Das muss gar nicht mal absichtlich geschehen sein. Aber sicher ist, dass der nächste Kollege am darauffolgenden Montagmorgen ein Problem hat, wenn er den Defekt entdeckt und deshalb nicht pünktlich losfahren kann“, so die Unternehmerin.

Abhilfe schafft inzwischen ein so genannter Mängelbogen – übrigens die Idee eines Mitarbeiters. Darauf tragen die Fahrer freitags ein, was am Fahrzeug oder dem Auflieger repariert oder gewartet werden muss, mit entsprechender Priorisierung nach einem vorgegebenen Schema. Auf diese Weise kann das Werkstattteam bei Bedarf zügig tätig werden, weniger Dringliches aber genauso gut etwas später erledigen.

Der Effekt des Bonussystems ist eine umsichtige Arbeitsweise mit hoher Eigenverantwortung.

Andrea Goldmann, Geschäftsführerin LU Schröder

„Indem jeder Fahrer diese Bögen unterschreibt, dokumentiert er den ordnungsgemäßen Zustand des Fahrzeugs – den er hoffentlich zuvor auch kontrolliert hat. Der Effekt ist eine umsichtige Arbeitsweise mit hoher Eigenverantwortung“, freut sich Andrea Goldmann. So sind die Mitarbeiter zum Beispiel mehr als früher dazu übergegangen, beim Rangieren lieber einen Kollegen als Einweiser zu holen, bevor man Gefahr läuft, irgendwo anzuecken und so das Fahrzeug zu beschädigen. Lohn dieser Sorgfalt ist die sogenannte Schadensfreiheitsprämie in Höhe von 60 € pro Fahrer und Monat. [...]

Transparenz ist für den Erfolg eines Bonussystems wichtig. Deshalb bespricht Andrea Goldmann die Ergebnisse regelmäßig mit den Fahrern (im Bild Oliver Grübmeyer).

Telematik-Noten

Noch deutlicher wirkt sich die zweite Prämie aus, die sich die Fahrer verdienen können. Dreh- und Angelpunkt ist hier die Fahrweise – in der durchaus beachtliche Reserven stecken, was die Kosten angeht, wie Andrea Goldmann unterstreicht. Schon allein „Leerlauf im Stand“ des Motors schlägt zu Buche, so die Unternehmerin. „Wir lagen vorher im Schnitt bei 97 l pro Lkw und Monat. Es ist uns gelungen, diesen Wert auf 82 l zu reduzieren. Das mag vergleichsweise wenig erscheinen, aber über die gesamte Lkw-Flotte mit 24 Fahrzeugen gerechnet, summiert sich das zu beachtlicher Größe“, erklärt sie.

Wir lagen vorher im Schnitt bei 97 l pro Lkw und Monat. Es ist uns gelungen, diesen Wert auf 82 l zu reduzieren.

Andrea Goldmann, Geschäftsführerin LU Schröder

Doch das eigentliche Einsparpotenzial liegt natürlich „laufenden Betrieb“, was in erster Instanz den vorausschauenden Umgang mit Gas- und Bremspedal betrifft. Hierzu bietet das seitens Schröder genutzte Telematiksystem FleetBoard u.a. bei der Verbrauchs- und Verschleißoptimierung eine technische Unterstützung. Das System misst und dokumentiert nach Darstellung von Andrea Goldmann verschiedene Parameter, wie z.B. die Geschwindigkeit, den Kraftstoffverbrauch bei Fahrt bzw. sowie das Bremsverhalten. Auf Basis der vorhandenen Daten errechnet das Programm Noten für den Fahrer, wobei „1“ die schlechteste und „10“ die beste Note ist. [...]

Die Lkw der Schröder-Flotte fahren im Schnitt etwa 160.000 km pro Monat.

Richtig interpretieren

Sehr wichtig war ihr allerdings, die von der Telematik errechneten Noten nicht einfach in ein Raster zu stecken und darauf aufbauend Boni zu definieren. „Selbst innerhalb unserer Transportsparte gibt es sehr viele Fahrzeugtypen und Einsatzzwecke, vom Hakenlifter über Kipper bis hin zu Sattelaufliegern, von Kurzstrecke im innerörtlichen Verkehr bis hin zur Langstrecke. Das muss detaillierter interpretiert werden, um zu einem fairen Ergebnis für die Mitarbeitern zu kommen. Und das können die allgemeinen Telematiksysteme der Fahrzeughersteller nur begrenzt“, ist die Unternehmerin überzeugt.

Unabdingbar war für sie deshalb, Fahrzeuggruppen zu bilden und innerhalb dessen die jeweils passenden Anforderungen festzulegen. Passend zu dieser Idee entdeckte sie 2012 „fuhrparker.de®“ von Hubertus Lodes, der Schulungskonzepte für eine effektivere Fahrweise, Telematikanalysen, Konfigurationsberatung für Nutzfahrzeuge und ein Prämienlohnsystem anbietet. Letzteres basiert auf den bereits angesprochenen FleetBoard-Daten. [...]