September 2017: LU Meier u. Partner

Die ersten sechs Fahrzeuge einer Agrar-Lkw-Flotte sind dem Lohnunternehmen Meier u. Partner ausgeliefert worden und haben die ersten Einsätze hinter sich. Erster Eindruck: Der passt ins System.

Burghard Meier im Gespräch mit seiner Mitarbeiterin Benita Seiler

Das Unternehmen Meier und Partner beschäftigt insgesamt 70 Festangestellte an zwei Standorten in den beiden Betriebsbereichen Spedition und Lohnunternehmen. Hinzu kommen in der Hochsaison bis zu 30 Aushilfskräfte. Das Dienstleistungsportfolio im Lohnbetrieb umfasst die Grünfutterernte mit zwei kompletten Häckselketten, die Zuckerrübenernte mit zwei Rodern, sowie die Rübenlogistik mit Überladewagen, Überlademaus und Lkw zum Abtransport. Hinzu kommen die Getreideernte mit drei Mähdreschern sowie die Gülleausbringung mit zwei Selbstfahrern.

Schnell unterwegs: Mit der Ackerbereifung dürfen die Agrar-Lkw bis zu 65 km/h fahren – natürlich nur dort, wo diese Geschwindigkeit für Lkw zugelassen ist. Vorne sind 445/65 R 22.5, hinten 600/50 R 22.5 mon-tiert.

Getreideernte extrem in 2014

Dass dieses Ziel oftmals ein Spagat ist, weiß der Sachsen-Anhaltiner: „Gerade, was den Mähdrusch betrifft, so würde ich mir manchmal wünschen, ich hätte nicht in dieses Segment investiert.“ Seine drei Maschinen ernten pro Jahr ca. 2.000 ha Getreide und Raps. Gerade in Jahren wie diesem, in dem die Abreife der einzelnen Früchte sehr dicht zusammenrückt ist, wird es allerdings schwierig, die Kundschaft zufriedenstellend zu bedienen. „Wir sind in einem Umkreis von ca. 90 km um unseren Betrieb in Westeregeln im Einsatz. In normalen Jahren zieht sich die Getreideernte von der Börde bis zu unseren Kunden im Harz über drei bis vier Wochen hin, da das Getreide unterschiedlich schnell abreift. [...]

Der Kippauflieger verfügt über ein Ladevolumen von 58 m³.

35 Lkw im Einsatz

Unter den 35 Lkw, die aktuell in der Spedition und im Lohnunternehmen laufen, sind sechs sogenannte Agrar-Lkw. „Wir haben zwei MAN neu gekauft und vier gebrauchte Mercedes-Benz umbauen lassen“, erklärt Burghard Meier. Wichtig waren ihm bei den Agrar-Lkw vor allem der permanente Allrad-Antrieb und die Möglichkeit, eine große bodenschonende Bereifung montieren zu können. „Die Fahrzeuge laufen zwar hauptsächlich auf der Straße. Zu den Feldern kommt man jedoch häufig nur über unbefestigte Wege. Hier stoßen wir mit dem Standard-Lkw mit Heckantrieb und Straßenbereifung an Grenzen. [...]

Sämtliche Lkw von Meier & Partner sind mit einem TomTom Navigationssystem ausgestattet, das online mit dem Rechner im Betrieb verbunden ist. Darüber bekommen die Fahrer, wenn nötig, die Routen direkt aus dem Büro auf ihrem Display angezeigt.

Volle Traktion an beiden Achsen

Die Fahrer sind gerne mit den Agrar-Lkw unterwegs. Zum einen lassen sie sich genauso wie die Standard-Lkw bewegen. Zum anderen verfügen sie über einige Ausstattungen, die es beim Standard-Fahrzeug nicht zu kaufen gibt. „Dazu zählt zum Beispiel der permanente und mechanische Allradantrieb. Dieser wird bei einem Straßenfahrzeug nicht benötigt – auf dem Feld hingegen oder schwierigen Wegstrecken ist dieser Gold wert“, betont der Lohnunternehmer und ergänzt: „Falls es dann einmal ganz dick kommt, kann der Fahrer zusätzlich die Differenziale an der Vorder- und Hinterachse sperren.“ Die Kupplung des Aufliegers liegt in einem optimalen Bereich beinahe im Mittelpunkt des Agrar-Lkw auf. Dadurch erreicht das Fahrzeug eine hohe Traktion, obwohl es mit ca. 8,5 t Leergewicht bei 400 PS im Vergleich zu einem Schlepper sehr leicht ist.

Rechnen wir das Leergewicht des Kippaufliegers hinzu, so liegen wir mit dem gesamten Gespann bei 14 t.

Burghard Meier, Lohnunternehmer

„Rechnen wir noch das Leergewicht des Kippaufliegers hinzu, so liegen wir mit dem gesamten Gespann bei 14 t. Somit bleibt uns eine Zuladung von 26 t. Deshalb rechnet sich für mich ein solches Gespann auch. [...]

Das Auspuffrohr wurde nach oben verlegt. Das ist zwar ein hoher Aufwand, da die Maschinen aber auch im Getreideabtransport teilweise auf Stoppeln laufen, wäre die Feuergefahr bei einem Auspuff unten zu hoch.

Höhere Auslastung als das Schleppergespann

Ein weiterer Grund nicht auf den Schlepper zu setzen, sei die fehlende Auslastung im Betrieb: „Einen Transportschlepper kann ich lediglich in der Häckselkette einsetzen. Damit sind dann vielleicht 600 bis maximal 700 Stunden pro Jahr. Der Agrar-Lkw hingegen läuft in der Häckselernte, der Güllezubringung, dem Rüben- und dem Getreidetransport. Da bekomme ich ohne Probleme eine Auslastung von 1.500 h pro Jahr zusammen.“

Burghard Meier hat die Agrar-Lkw vom TÜV Süd als lof-Zugmaschine abnehmen lassen. Sie verfügen weder über eine Anhängerkupplung im Heck, noch über eine Kugelkupplung für das Sattelfahrzeug. „Aus meiner Sicht macht es keinen Sinn, die Trailer für diese Lkw extra mit der Kugelkupplung auszustatten. Ich möchte in meinem Fuhrpark flexibel sein und die Anhänger zwischen den Lkw tauschen können – egal, ob es sich dabei um einen Standard- oder einen Agrar-Lkw handelt.“ Deshalb sind die sechs Agrar-Lkw mit Standard-Sattelkupplung ausgerüstet.

Insgesamt – so ist Burghard Meier überzeugt – liegen die Kosten pro transportierte Tonne beim Schleppergespann 40 bis 50 % höher im Vergleich zum Agrar-Lkw mit Kippauflieger: „Ich kann nur für unseren Betrieb sprechen. Der Schlepper hat im Transport bei uns keine Zukunft. Er gehört auf den Acker. Wir werden voraussichtlich schon im nächsten Jahr weitere Agrar-Lkw in Betrieb nehmen. Sie sind zwar teurer als Standard-Lkw. Dafür kann ich sie jedoch flexibler einsetzen.“

Björn Anders Lützen, Redaktion LOHNUNTERNEHMEN 

Den vollständigen Bericht lesen Sie in der Zeitschrift LOHNUNTERNEHMEN Ausgabe September 2014.