Controlling: Engpässe frühzeitig erkennen

Wohl dem, der Krisenstadien früh genug im Blick hat und so eine Insolvenz vermeidet. Unsere Autoren geben Hinweise, worauf Sie achten sollten.
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Kontoüberziehungen, nicht erbrachte Kapitaldienste oder mehrfach in der Buchführung ausgewiesene Verluste sind das untrüglichste Zeichen, dass etwas nicht stimmt und eine Unternehmenskrise vorliegt. Spätestens jetzt muss gehandelt werden. Was ist die Ursache und was ist die Wirkung? Auch wenn dies ein sehr unangenehmes und gerne ausgeblendetes Thema ist, erscheint es umso wichtiger, hierüber zu informieren. Denn Unternehmenskrisen fallen in den meisten Fällen nicht einfach vom Himmel. Sie kommen zwar häufig überraschend, doch sie haben fast immer eine Vorgeschichte – zumindest, wenn die Gründe interner Natur sind. Krisenstadien sind oftmals voneinander abhängig und entwickeln sich häufig aufeinander aufbauend. Fehlerhafte Strukturen im Unternehmen werden in guten Konjunkturphasen meist überdeckt, in ungünstigen Marktphasen werden sie aber meist rasch und schonungslos aufgedeckt.

In der Betriebswirtschaftslehre werden verschiedene, nachstehend beschriebene Krisenarten definiert, die gleichzeitig als Krisenstadium den Grad der Bedrohung des Unternehmens kennzeichnen (siehe auch Grafik 1). Das klingt zunächst sehr theoretisch, ist aber sehr real. Je nach Stadium wächst der Handlungsdruck und sinkt der Handlungsspielraum. Ist die Palette der Krisenstadien bis zur Insolvenzfrage fortgeschritten, wird die Sache sehr ernst.

Grafik 1: BDO Deutsche Warentreuhand AG, Handlungsoptionen in der Unternehmenskrise, Dr. Heinrich Schimpf,2012, S. 5

Krisenursachen

Die Ursachen für Unternehmenskrisen können sowohl interner als auch externer Natur sein. Interne Krisenursachen sind in verschiedenen Bereichen immer wieder zu beobachten:

• Starres Festhalten an früheren erfolgreichen Geschäftsmodellen;

• Entscheidungsschwäche oder umgekehrt überhastete Entscheidungen;

• Investitionshektik und Aufbau von Überkapazitäten;

• Fehlen eines durchdachten Dienstleistungsportfolios;

• getriebenes Streben nach Umsatzerhöhung oder Marktanteilsausweitung;

• falsche Niedrigpreispolitik;

• falsche Sparsamkeit bei leistungsfähigen Mitarbeitern;

• Konflikte mit Arbeitnehmern;

• zu kurze Finanzierungslaufzeiten (fehlende Fristenkongruenz);

• mangelnde Kostenrechnung und Kalkulation;

• fehlende Finanzplanung sowie

• fehlende Kontrolle und fehlende Zahlenkenntnis.

Externe Krisenursachen beinhalten häufig:

• Branchenüberkapazitäten,

• Billigpreiskonkurrenz,

• Betriebsmittelverknappung und -verteuerung,

• politische und rechtliche Rahmenbedingungen,

• Forderungsausfälle sowie

• Schwäche der Branche auf Kundenseite.

Das Versicherungsunternehmen Euler Hermes, heute Allianz Trade, hat die Ursachen für Insolvenzen in Deutschland untersucht. Insolvenzen dokumentieren, dass es Unternehmen offensichtlich nicht gelungen ist, vorliegende Krisen zu überwinden. Im Bereich der intern bedingten Unternehmenskrisen wurden u. a. folgende Insolvenzursachen genannt (Euler Hermes: Wirtschaft Konkret Nr. 414, Ursachen von Insolvenzen, S. 20):

• fehlendes Controlling: 79 %,

• Finanzierungslücken: 76 %,

• unzureichendes Forderungsmanagement: 64 %,

• autoritäre Führung: 57 %,

• mangelhafte Transparenz und Kommunikation: 44 % sowie

• Investitionsfehler: 42 %.

[...] Den kompletten Artikel lesen Sie in der LOHNUNTERNEHMEN 12/2022 ab S. 34.

Hier können Sie die Printausgabe bestellen oder hier ab 01.12.2022 online lesen.

Christoph Refrath und Torsten Müller,
Treurat und Partner Unternehmensberatungsgesellschaft


 

Jens Noordhof, Redaktion LOHNUNTERNEHMEN

„Wer die Hundehaufen früh genug entdeckt, muss hinterher nichts mühselig abkratzen.“

Kommentar von Jens Noordhof, Redaktion LOHNUNTERNEHMEN

Zugegeben – das Thema Unternehmenskrise ist erstens extrem „trocken“ und zweitens mindestens so unangenehm. Niemand befasst sich gern mit der eventuellen Tatsache, dass es finanziell um den eigenen Betrieb schlecht(er) bestellt ist. Und die Ursachenfindung ist in der Regel mit schmerzhaften Erkenntnissen verbunden. Doch nach weit über zehn Jahren extremer Niedrigzinsphase steuern wir alle mit Macht und Wumms auf stark steigende Zinsen und damit Kapitalkosten zu. Höchste Zeit also für eine selbstkritische Bestandsaufnahme. Die Aussage unserer Autoren, dass fehlerhafte Strukturen im Unternehmen in guten Konjunkturphasen meist überdeckt, in ungünstigen Marktphasen sie aber meist rasch und schonungslos aufgedeckt werden, kann ich nur unterstreichen.

Eine dieser Strukturen sind für mich die Finanzierungen im Lohnunternehmen. Ich bin mir bewusst, dass ich darauf nicht zum ersten Mal „herumreite“, aber ich sehe darin eine der hinterhältigsten Tretminen, denn wie bei Hundesch… am Schuh riecht man auch beim Fremdkapital erst mit Zeitverzögerung, was man da am Hacken hat. Widmen Sie dem Thema Finanzierung deshalb bitte verstärkte Aufmerksamkeit, genauso wie den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen Ihres Unternehmens. Und noch einen Rat unserer Autoren möchte ich ausdrücklich herausgreifen: Holen Sie sich frühzeitig fachkundigen Rat von außen. Es ist kein Zeichen von Schwäche, die eigene betriebliche Situation durch eine externe Brille betrachten zu lassen, im Gegenteil. Wer die Hundehaufen früh genug entdeckt, muss hinterher nichts mühselig abkratzen.

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