„Das war Elend mit Ansage.“

Die Probleme der Zuckerwirtschaft sind vielfältig – aber zum Teil hausgemacht, meint LU-Chefredakteur Jens Noordhof. Konzertiertes Handeln ist nötig.

Der Zuckerrübenanbau in Deutschland steckt in einer existenziellen Krise. Er wird von Experten zwar als wettbewerbsfähig bewertet, doch politische Wettbewerbsverzerrungen bedrohen Anbau und Verarbeitung existenziell, so die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ). Subventionen in Drittländern, Sonderprämien für Anbauer in anderen EU-Ländern sowie Diskriminierungen beim Pflanzenschutz würden zu massiver Ungleichheit führen, hieß es. Verständlicherweise protestieren Landwirte und Anbauerverbände, denn die Rübe ist ein ökonomischer Faktor – auch für zahlreiche Lohnunternehmen – und ein wertvoller Fruchtfolgebestandteil. Mit der „Aktion Rübenkampagne“ forderten Land- und Zuckerwirtschaft im Herbst „Fair Play für heimische Zuckerrüben“. Und dies aus gutem Grund, denn die ersten der bisher 20 Zuckerfabriken wurden für immer geschlossen, und an der Zuckerwirtschaft inklusive vor- und nachgelagertem Bereich hängen nicht nur 25.000 Landwirte, sondern schätzungsweise 80.000 Arbeitsplätze.

„Das war Elend mit Ansage.“

Bei allem nachvollziehbaren Ärger der Landwirte kann ich mir ein kleines „aber“ nicht verkneifen. Denn die aktuelle Situation ist sozusagen ein Elend mit Ansage, kommt also nicht wirklich überraschend. Marktliberalisierung führt nun mal zu massiver Angebotsausweitung – das war lange bekannt. Dass die heimische Landwirtschaft weder bei Fleisch noch bei Zucker mit brasilianischen Kostenstrukturen und „Umweltstandards“ mithalten kann, ist auch nicht überraschend. Zudem erinnere ich mich noch gut an die Aussagen seitens eines namhaften Zuckerrübenverarbeiters im LU-Interview kurz vor Wegfall der Zuckerquoten. Darin wurde die Ausweitung der Anbaufläche in Deutschland und der bewusst in Kauf genommene (!) Preisverfall damit begründet, die Randbezirke der Union aus der Zuckerproduktion drängen zu wollen.

Dieser Schuss ist eindeutig nach hinten losgegangen. Denn offensichtlich ließen sich die EU-Kollegen nicht widerstandslos von deutschen Ambitionen verdrängen. Und Preisdumping als Hebel der Marktbereinigung beherrschen Nicht-EU-Länder offensichtlich noch besser. Hier war – auch seitens der Verarbeiter und Anbauerverbände – wohl etwas zu viel Selbstüberschätzung und/oder politische Naivität im Spiel. Bleibt nur zu hoffen, dass jetzt alles darangesetzt wird, wenigstens die Probleme der EU-internen Zuckersubventionen und der ungleichen Pflanzenschutzauflagen in den Griff zu bekommen. Hier muss gelten: entweder für alle oder keinen.

Jens Noordhof, Redaktion LOHNUNTERNEHMEN