LU Brormann: 25 % mehr Stoppeln zerstört

Bisher bekämpfte LU Brormann den Maiszünsler mit Messerwalze und Scheibenegge. Neu ist jetzt ein Maispflücker mit integrierter Stoppelbearbeitung.
Martin Brormann (li.) und sein Kunde Ludger Großekathöfer begutachten das Arbeitsergebnis des neuen Maispflückers mit integrierter Stoppelbearbeitung. Beide sind überzeugt vom neuen Verfahren.

Das Lohnunternehmen M.Brormann GmbH in Langenberg, Nordrhein-Westfalen, ist seit Jahren in der Maisernte zu Hause. Mit der Kooperation eines Lohnbetriebes im 16 km entfernten Delbrück-Schöning Anfang des Jahres kam ein zweiter Standort, die FK Agrar GmbH, mit weiteren Maiskunden und weiterer Maistechnik hinzu. Martin Brormann arbeitet mit Häcksel- und Druschtechnik aus dem nur 30 km entfernten Harsewinkel. Egal ob für den Milchviehbetrieb, die Biogasanlage oder den Schweinemäster geerntet wird: Die mechanische Maiszünslerbekämpfung ist aus seiner Sicht für alle Kunden ein Muss. „Vor allem bei CCM und Körnermais, denn hier sitzt die Zünslerlarve zum Erntetermin oftmals schon unterhalb des ersten Knotens der Pflanze“, erklärt er. Circa 550 ha CCM und Körnermais erntet er jährlich für seine Kunden. Beim Silomais würde wegen des früheren Erntetermins ein Großteil der Larven durch den Häcksler zerstört.

Bisher rückte er dem Schädling mit der nachträglichen Stoppelbearbeitung zu Leibe und setzte dabei eine 5,25 m breite Carrier Scheibenegge mit vorgeschalteter Messerwalze ein. „Das funktioniert zwar, liefert aber je nach Bodenelastizität sehr unterschiedliche Arbeitsergebnisse. Gerade in den letzten zwei trockenen Jahren zeigte diese Maßnahme kaum Effekte. Aber es gab eben keine echte Alternative dazu“, erklärt er.

Als Fahrer und Mitarbeiter in der Werkstatt hat Daniel Südhoff das Thema Verschleiß und Kinderkrankheiten des Vorserienmodells genau im Blick und hält engen Kontakt zum Hersteller.

Integrierte  Stoppelbearbeitung

Mit der Markteinführung des ersten Maisgebisses mit integrierter Stoppelbearbeitung für die Silomaisernte im Jahr 2019 änderte sich das. „Ich habe mir den „Stalkbuster“ damals genau angeschaut, sehe den größeren Handlungsdruck aber wie gesagt bei CCM und Körnermais“, sagt er. Als dann auf der Agritechnica 2019 ein Maispflücker mit ähnlicher Zusatzfunktion präsentiert wurde, stieg sein Interesse und auch das seiner Kunden. „Die Landwirte sprachen mich verstärkt auf die neue Pflückertechnik an und wir wollten die ersten in unserer Region sein, die Ernte und Stoppelbearbeitung in einem Arbeitsgang anbieten“, verrät er.

Das ist ihm gelungen. Anfang September dieses Jahres wurde der neue Vorsatz von Geringhoff, eine Vorserie des „Horizon Star* III“ mit 8 Reihen und 75 cm Reihenabstand, geliefert. Die Teams der M.Brormann GmbH und der FK Agrar GmbH nutzten das Zeitfenster bis zur CCM-Ernte für Kundenabende. Sie luden bekannte und neue Kunden an beiden Unternehmensstandorten zu einer Vorführung der neuen Technik im Feld ein.

Circa drei Wochen später begann die CCM-Ernte und Landwirt Ludger Großekathöfer aus Langenberg war einer der ersten Kunden, die das Team Brormann mit dem neuen Pflücker, Überladewagen und CCM-Mühle bestellten. „Seit 15 Jahren bekämpfen wir den Maiszünsler mit der Stoppelbearbeitung, aber so schlimm wie dieses Jahr war der Zünslerbefall noch nie“, berichtet er. Bereits zur Vorführung beim Lohnunternehmen Brormann Anfang September seien die Larven ganz unten im Maisstängel zu finden gewesen. „Das hat mich wirklich erstaunt. Zu dem Zeitpunkt waren schätzungsweise schon 10 % der Pflanzen abgeknickt, und zwar unterhalb des Kolbens“, erklärt er. Auch das sei neu. Früher seien die Pflanzen bei einem Zünslerschaden oberhalb des Kolbens abgeknickt, was nicht ganz so ertragsrelevant sei. „In der Maisstoppelbearbeitung zur Zünslerbekämpfung haben wir über die letzten Jahre diverse mechanische Arbeitswerkzeuge ausprobiert. An das Arbeitsbild des neuen Pflückers reichen sie aber alle nicht heran. Damit können wir den Maiszünsler wirklich kontrollieren und das ist mir das Geld wert“, sagt er zufrieden. 30 €/ha hat ihn dieses Jahr der Einsatz der neuen Technik gekostet und damit sogar 7 €/ha weniger als mit der Scheibenegge von Lohnunternehmer Brormann.

Nach nur 70 Arbeitsstunden sahen die Hybridmesser so aus. Ein Stein, die Kante schlägt ab und der komplette Messersatz muss getauscht werden.

Neue Technik überzeugt

„Bei den Messern muss Geringhoff noch nacharbeiten. Den Verschleiß hatte ich in dem Ausmaß nicht erwartet und muss mir das nochmal genau in Zahlen anschauen“, sagt Martin Brormann, ist von den Vorteilen des neuen Systems insgesamt aber überzeugt: „Wir zerstören mindestens 25 % mehr Stoppeln im Vergleich mit einem Mulcher oder einer Scheibenegge. Das entspricht dem Flächenanteil, der eben nicht mehr durch den Mähdrescher überfahren wird. Wenn ich außerdem einen Überladewagen einsetze, erhöht sich dieser Anteil sogar noch. Und die Tatsache, dass ich auf den Arbeitsgang mit dem Mulcher verzichten kann, spart ja auch wieder Technik, Personal, Kraftstoff und Verschleiß ein.“

Letztlich sei dies ein reines Rechenexempel. Mehr Kopfzerbrechen bereite ihm die geringere Flächenleistung: „Unsere CCM-Kunden sind meistens große Schweinebetriebe, deren Terminkalender mit Dingen wie Abferkeln und Absetzen für 12 Monate komplett durchgetaktet sind. Da waren wir für die CCM-Ernte von 30 ha bisher mit einem Tag eingeplant. Wenn wir mit dem neuen Pflücker jetzt länger brauchen, bringt das die Betriebsabläufe beim Kunden durcheinander. Wir müssten also theoretisch unsere Schlagkraft erhöhen, sprich einen Mähdrescher und Überladewagen inklusive Personal mehr einsetzen oder es muss eine vorherige Absprache über eine Aufteilung der Ernte auf mehrere Tage mit dem Kunden erfolgen. Eine zweite Maschine konnten wir in dieser Saison sogar kurzfristig anbieten, weil Geringhoff uns einen Versuchs-Pflücker für unseren zweiten Maisdrescher zur Verfügung stellte, die Frage ist aber, wie wir uns diesbezüglich langfristig aufstellen.“

In der CCM-Ernte arbeitet das Lohnunternehmen Brormann mit Überladewagen und einer 500 PS starken Mahlanlage.

Schlussfolgerungen

Bei diesen Überlegungen spielt es für ihn natürlich auch eine Rolle, dass ein Gerät wie seine Scheibenegge zwischen 42.000 und 54.000 € kostet, während er für das System mit der mechanischen Stoppelbearbeitung am Pflücker einen Aufpreis von 10.000 € zahlt. Zudem ließe sich der „Horizon Star* III“ für den Ernteeinsatz in sehr nassen Jahren zum Standardpflücker umrüsten, indem einfach die Messer getauscht würden. Einen herkömmlichen Maispflücker mit den neuen Messern nachzurüsten ist hingegen nicht möglich.

Das Unternehmen Geringhoff arbeitet bereits an einer 12-reihigen Variante. Das kommt für Martin Brormann aber nicht in Frage: „Unsere Kundenflächen sind sehr zersiedelt und durchschnittlich nur 5 ha groß. Wir legen den Mais 8-reihig auf 75 cm mit Section Control und wollen ihn deshalb auch so ernten.“ So läuft es im Optimalfall. Dann könne er über ein ebenes Saatbett auch den Verschleiß und das Arbeitsergebnis des Pflückers positiv beeinflussen.

Bezüglich der Nachfrage nach der neuen Technik sieht er gar kein Problem. „Fast alle Landwirte in unserer Region kümmern sich bereits in der ein oder anderen Form um die Zünslerbekämpfung. Dem gegenüber bietet das neue Verfahren deutliche Vorteile. Die Stoppeln direkt bei der Beerntung der Fläche zu zerstören, halte ich für den besten Ansatz. Der neue Pflücker wird definitiv Bestandteil in unserem Fuhrpark bleiben, da er ein sehr gutes Arbeitsergebnis liefert.“ Martin Brormann beobachtet zudem, dass die Akzeptanz und die Notwendigkeit der Zünslerbekämpfung durch die Entwicklung der Technik in diesem Bereich an Stellenwert gewonnen haben. „Die Zünslerbekämpfung ist essenziell damit die Maisernte auch in Zukunft noch wirtschaftlich ist. Deshalb müssen wir als Lohnunternehmer die Zünslerbekämpfung unterstützen. Das erwarten auch unsere Kunden von uns. Soweit es die technische Entwicklung zulässt, möchten wir für die Silomaisernte im nächsten Jahr ein Maisgebiss mit ähnlicher Technik anbieten“, verrät Martin Brormann abschließend.

Anne Ehnts, Redaktion LOHNUNTERNEHMEN

Den ungekürzten Bericht lesen Sie in Ausgabe 12/2020.