LU Trend-Report: Investitionen 2015

Die Landtechnikindustrie rechnet 2015 mit prozentual zweistelligem Umsatzrückgang. Doch schalten auch die Lohnunternehmer einen Gang herunter? Wir haben 100 Betriebsleiter befragt. Ergebnis: In einigen Betrieben und Techniksegmenten wird es ruhiger, anderen bleiben aber auf hohem Niveau. Von Investitionsflaute kann also keine Rede sein.

Beim Maschinenkauf ist es in der Landwirtschaft häufig wie beim Wetter: Es gibt die von Wetterfröschen gern genannten „gefühlten" und es gibt die tatsächlich gemessene Werte. Nicht selten sind besagte Gefühle allerdings drastischer als die Fakten. Wer in Sachen Nachfrageentwicklung derzeit zum Beispiel die Hersteller befragt, erhält Antworten, die sich irgendwo zwischen „Abkühlung auf Normalmaß" und „drastischer Rückgang" bewegen. Tendenz: gefühlt schlechter. Wobei hierbei oft die Entwicklung auf Exportmärkten dominiert, etwa mit Blick auf Frankreich oder Rußland. Konkretisiert man die Frage aber auf den deutschen Markt, pendelt sich die geäußerte Schätzung auf „-8 % bis -10 %" ein - also eher leichter Rückgang. Angesichts der anhaltend schlechten Schlachtviehpreise bei Schweinen und Rindern, fallenden Milchpreisen, und angesichts der Tatsache, dass sich vor allem die Landwirte in den zurückliegenden vier Jahren überproportional mit neuer Technik eingedeckt haben (der Bedarf also eher gesättigt ist), erscheint die genannte Prognose somit noch sehr moderat.
Aber gilt das auch für die Lohnunternehmer? Schließlich investieren sie im Gegensatz zu vielen Landwirten in größerem Umfang und regelmäßig(er). Andererseits berichten viele Dienstleister nach wie vor von steigendem Konkurrenzdruck und (bei steigendem Umsatz) von tendenziell schlechterer Ertragslage. Wir wollten es genauer wissen. Deshalb hat unsere Umfrage-Fachfrau Elke Rogers wieder 100 Lohnunternehmer zum Thema Maschineninvestitionen befragt - ebenso wie auch 2014.

Nicht nur Ersatzbeschaffung
Doch wofür wird das Geld eigentlich ausgegeben? Die in Grafik 3 gebündelten Antworten auf diese Frage zeichnen ein erkennbar anderes Bild als bei unserer Umfrage 2014. In allen von uns abgefragten Techniksegmenten wird weniger eingekauft, wenngleich der Rückgang insgesamt eher moderat ausfällt. Wichtig bei der Beurteilung: dargestellt ist die An­zahl Lohnunternehmer, die in dem jeweiligen Segment investieren wollen, nicht die Zahl der beabsichtigten Maschinen!
Überproportional gesunken sind jedoch die Absichten in Richtung der 2014er „shooting stars" Gülle- und Transporttechnik. Dies verwundert nicht wirklich, da die Novelle der Düngeverordnung seitens der Politik immer noch nicht verbindlich beschlossen wurde (Stand Redaktionsschluss dieser Ausgabe). Zweifelsfrei dürfte sein, dass auf die Lohnunternehmer eine große Herausforderung in Sachen Gülle- bzw. Substrat-Ausbringung und -Logistik zukommt. Aber solange keine Klarheit darüber herrscht, wohin der sprichwörtliche Hase rennt, halten sich viele doch erst mal zurück. Zumal - leider - von immer mehr Lohnunternehmern Klagen über Wettbewerber kommen, die sich auch in diesem Segment mit Billigpreisen unterbieten. Mähdrescher und Häcksler lassen grüßen.
Neu war in diesem Jahr unsere Frage an die Lohnunternehmer, inwieweit die Investitionen der Ersatzbeschaffung oder der Erweiterung des Maschinenbestandes dienen (Grafik 4). Gut 39 % der investierenden Betriebe ersetzen tatsächlich vorhandene Technik. Für rund ein Viertel der Befragten ist beides relevant, wobei hiervon das Gros „50-50" antwortete. Aber immerhin gut ein Drittel der Lohnunternehmer investiert 2015 überwiegend bzw. ausschließlich, um den Maschinen- und Gerätebestand zu erweitern.

Auslastung nimmt zu
Interessiert hat uns außerdem die Auslastung der Fahrzeuge und Maschinen bzw. die Veränderung dieser Auslastung zwischen 2010 und 2014. Diese Frage ist ausdrücklich unabhängig von den für 2015 geplanten Neuinvestitionen zu sehen, sondern bezieht sich auf den vorhandenen Gesamtbestand. Die Auswertung dieser Antworten fiel relativ schwer, da die Angaben in Teilbereichen wie z.B. Häckslern nicht einheitlich gemacht wurden (Flächen- oder Stundenleistung). Deshalb ist es nicht möglich, hier Durchschnittszahlen wiederzugeben, sondern nur „von-bis"-Angaben.
Exemplarisch sei dazu der Häcksler herausgegriffen. Für 2014 gaben 58 Lohnunternehmer an, Häcksler einzusetzen. Bei 35 davon arbeiteten die Maschinen in jener Kampagne 600 ha oder mehr. Bei 23 Lohnunternehmern ernteten der oder die Häcksler weniger als 600 ha. Die gleiche Auswertung haben wir für 2010 vorgenommen. Damals setzten 52 Lohnunternehmer Häcksler ein. In 27 Betrieben liefen die Maschinen 600 ha oder mehr, bei 25 waren es weniger als 600 ha. Fazit dessen: Die Zahl der Lohnunternehmen mit Häckslern ist zwischen 2010 und 2014 leicht gestiegen. Gleiches gilt tendenziell für die Auslastung der Maschinen. Insgesamt bewegten sich übrigens die Schwankungsbreite der Angaben zwischen 220 als Minimum und 3.500 ha als Maximum - also eine enorme Bandbreite. Doch das Gros der Nennungen bewegte sich zwischen 500 und 900 ha.

Ähnlich stellte sich die Situation bei den Mähdreschern dar. 2010 setzten 47 der 100 Befragten diese Maschinen ein. Davon erreichten 31 eine Auslastung unterhalb der Marke von 500 ha, während in 16 Betrieben die Leistungen darüber lagen. 2014 waren es absolut 49, davon ebenfalls 33 mit weniger als 500 ha pro Saison und Maschine. Bei 28 Unternehmern blieb die Auslastung konstant, bei zehn sank sie, während neun mehr dreschen konnten. Nicht zu vergessen: Zwei Unternehmer sind 2014 im Vergleich zu 2010 „neu" in die Dienstleistung Mähdrusch eingestiegen.
Für die anderen Technikgruppen soll an dieser Stelle nur die Schwankungsbreite dargestellt werden. Diese reichte bei Traktoren von 500 h bis 2.000 h jährlich, wobei die überwiegende Zahl zwischen 700 und 1.200 lag. Bei Güllefässern waren Angaben zwischen 10.000 m3 und 150.000 m3 pro Stück zu hören. Für alle gilt aber gleichermaßen: In der Tendenz ist die Auslastung gleichbleibend bis leicht steigend, aber nur selten fallend.

Eigenkapital steigt
Wenig verwundern dürfte, dass wir bei dieser Umfrage in Sachen Geld noch ein wenig neugieriger waren. So interessierte uns auch, ob Frühbezugskonditionen für Lohnunternehmer interessant sind (Grafik 5). Ergebnis: Für 56 % spielt dies keine Rolle (Vorjahr 59 %). 18 % nutzen in diesem Jahr derartige Angebote zumindest für ein Fünftel ihrer Investitionen (2014: 18 %). 16 % der Unternehmer kaufen 2015 in diesem Kontext zwischen 21 und 40 ihrer Maschinen ein (2014: 9 %). Bei 10 % gilt dies 2015 sogar für über 40 ihrer Technikinvestitionssumme (2014: 14 %). Fazit: Der Mehrheit der Lohnunternehmer sind Frühbezugsangebote nach wie vor egal, aber der Anteil derer, die es zumindest teilweise nutzen, steigt.
Erneut beschäftigte uns das Thema Maschinenmiete. Immerhin 44 % der Lohnunternehmer bestätigten, dieses zu nutzen, mehrheitlich bei Traktoren (36 LU), gefolgt von Häckslern (5). Andere Produkte wie Güllefahrzeuge, Transporttechnik, Lkw und Pressen wurden nur vereinzelt genannt.

Spannend fanden wir auch die Frage, inwieweit der Zinssatz bei der Investitionsfreudigkeit eine Bedeutung hat (Grafik 6). Hierbei könnte man vermuten, dass die historisch niedrigen Kreditzinsen stimulieren. Und tatsächlich: Für 70 % der Lohnunternehmer ist der Zinssatz wichtig. Aber zwei Drittel gaben an, in den zurückliegenden vier Jahren deswegen nicht überdurchschnittlich viel investiert zu haben. Dies spricht dafür, dass bei derartigen Planungen mehr die betriebswirtschaftliche „Denke" überwiegt.
Stichwort Betriebswirtschaft: An dieser Stelle brachte unsere Umfrage die - für uns - überraschendste Erkenntnis: Wir hatten gefragt, wie sich der Eigenkapitalanteil der Lohnunternehmer im Vergleich zu 2012 verändert hat. „Gefühlt" hätte man erwarten können, dass hier die Mehrheit ein Absinken signalisiert. Aber weit gefehlt! In 54 % der Lohnunternehmen ist der Eigenkapitalanteil gestiegen, bei 35 % konstant geblieben und nur bei 10 % gesunken. Dies sagt natürlich nichts aus über die absolute Höhe des Eigenkapitals und auch nichts über die Umsatzrendite. Aber die Tendenz ist erkennbar positiv!

Jens Noordhof,
Redaktion LOHNUNTERNEHMEN