LU Trend-Report: Investitionen 2019

Nahezu stabil

Einem großen Teil der Lohnunternehmer hat das Trockenjahr 2018 Umsatzeinbußen beschert, teils sogar kräftige. An der Gesamtsumme der Investitionen 2019 ändert das wenig, sie ist nahezu identisch. Aber ein näherer Blick zeigt eine stärkere Polarisierung: mehr Betriebe, die nichts investieren, während andere größere Summen ausgeben.

Über die Schwierigkeiten eines extremen Trockenjahres wie 2018 für die Dienstleister hat LOHNUNTERNEHMEN wiederholt berichtet. In Einzelgesprächen, etwa während der Reportagetermine oder bei Verbandsveranstaltungen, spiegelten die Betriebsleiter dabei häufiger die Absicht, im folgenden Jahr die Investitionen zurückzufahren. Naheliegend war daher die Frage: Ist das wirklich so? Wird die Kauflaune der Lohnunternehmer 2019 deutlich gedämpfter ausfallen?

In einzelnen Regionen und Betrieben ist das zweifelsfrei der Fall. Das zeigt sich auch bei den befragten 100 Betriebsleitern für den LU Trend-Report Investitionen 2019. Addiert man jedoch die für dieses Jahr geplanten Investitionssummen unserer Umfrageteilnehmer, ergibt sich ein Betrag von 28,83 Mio. €. Das ist nur etwas weniger als beim LU-Trend-Report 2018, wo sich die Kaufpläne der 100 Befragten auf 30 Mio. € summierten. Und da ein großer Teil der Antwortenden in beiden Jahren identisch war, lässt sich als vorab formuliertes Fazit festhalten: Die Lohnunternehmer investieren 2019 auf nahezu stabilem Niveau in Technik, allerdings teilt sich das Feld stärker in „deutlich mehr“ und „deutlich weniger“.

Hatte die außergewöhnliche Trockenheit 2018 einen Einfluss auf Ihr Auftragsvolumen bzw. Ihren Umsatz?
Eine eindeutige Tendenz in den Antworten auf diese Frage zeigt Grafik 1:

Drei Viertel der 100 befragten Lohnunternehmer war von den Folgen der Dürreperiode betroffen. Von diesen 75 Lohnunternehmern gaben 28 an, bis zu 10 % weniger Umsatz verbucht zu haben. Weitere 42 ordneten sich im Bereich von 11 % bis 30 % weniger Umsatz ein. Und bei fünf Dienstleistern lagen die dürrebedingten Einbußen sogar bei mehr als 30 %. Naheliegend ist daher die Frage:

Wie werden sich Ihre Investitionen gegenüber 2018 verändern?
Die Antworten darauf stellte die größte Überraschung dieses LU Trend-Report dar, denn angesichts der genannten Umsatzeinbußen wäre eine deutliche Kaufzurückhaltung zumindest nachvollziehbar gewesen. Das trifft jedoch nicht zu, wie Grafik 2 verdeutlicht.

Gefragt hatten wir nach einer prozentualen Veränderung im Vergleich zum Vorjahr. Der Einfachheit halber sind die Einschätzungen in den beiden Gruppen „gleich viel bzw. mehr“ sowie „weniger bzw. nichts“ zusammengefasst. Und siehe da: Gemäß dieser Betrachtung ist kein Rückgang zu verzeichnen, sondern sogar ein leichtes Wachstum der Gruppe derer, die gleich viel oder sogar mehr investieren wollen. Eine differenziertere Betrachtung relativiert dies jedoch etwas:

  • 16 der 100 Betriebsleiter wollen 2019 mehr in Technik investieren. Gefragt nach der prozentualen Größenordnung dieses Zuwachses, lag dies im Mittel bei +56 %. Im Vorjahr waren es bei der entsprechenden Umfrage 22 Lohnunternehmer, die durch­schnittlich 23 % mehr investieren wollten.
  • 46 Betriebsleiter halten ihre Investitionen 2019 auf konstantem Niveau, im Vorjahr waren es 38.
  • Weniger Technik für die Saison 2019 haben bzw. wollen insgesamt 38 Lohnunternehmer kaufen (2018: 31 Betriebe).
  • 15 Betriebsleiter wollen 2019 gar keine Maschinen kaufen (2018: neun Betriebe).

Nach den Tendenz- und Prozentfragen interessierte uns im nächsten Schritt, über welche konkreten Beträge geredet wird:

Welche Summe investieren Sie 2019 in Maschinen (Neu- und Gebrauchtmaschinen)?
Der Blick auf Grafik 3 macht deutlich, dass die Zahl der Betriebe, die weniger als 50 T€ investieren wollen, größer ist als beim LU Trend-Report Investitionen 2018. Maßgeblich dafür ist die bereits erwähnte, höhere Zahl derer, die 2019 gar nichts investieren. Die nächsthöhere Kategorie „51–100 T€“ ist – gemessen an der Anzahl Betriebe – konstant, während nach oben hin die nächsten beiden Gruppen stückzahlmäßig abnehmen. Die oberste Gruppe verdient allerdings besondere Beachtung. Zwar ist hier nur ein Betrieb mehr einzuordnen als im Vorjahr, jedoch liegen die absoluten Investitionsbeträge erkennbar höher als bei der Umfrage 2018. Im Schnitt der absoluten Summen gilt das auch für die Gruppe „301–600 T€“. Kurzum: Die Verteilung der Investitionssummen hat sich im Vergleich zum Vorjahr etwas zu den Rändern verschoben. In Addition aller Betriebe ergibt sich jedoch die anfangs bereits erwähnte, nahezu stabile Gesamtsumme.

Zu den Begründungen der Betriebe, die ihre Investitionen 2019 zurückfahren, gehörte neben geringerem Umsatz bzw. Gewinn infolge der Trockenheit (zwölf Nennungen) vor allem, dass sie im Vorjahr überdurchschnittlich viel investiert haben (22 Nennungen). Insofern ist nicht alles auf fehlenden Regen zurückzuführen …
Nach den verschiedenen Fragen zu Tendenzen und Summen haben wir uns erkundigt, mit welchen Partnern die Lohnunternehmer ihre Investitionen finanzieren:

Mit welchen Dienstleistern realisieren Sie Ihre Finanzierungsvorhaben?
Bei dieser Frage wollten wir nicht wissen, mit welchen Firmen die Lohnunternehmer bei der Finanzierung ihrer Maschineninvestitionen zusammenarbeiten, sondern mit welcher Kategorie: einerseits die klassischen Hausbanken, andererseits die sogenannten Objektfinanzierer, zu denen sowohl Finanzierungspartner mit Bankstatus als auch Leasinggesellschaften gehören. Und bei den Objektfinanzierern wurde im Zuge unserer Umfrage unterschieden in „Hersteller-gebundene“ und „Unabhängige“.

Nach diesem Muster ergaben sich spannende Erkenntnisse, wie schon Grafik 4 zeigt. Zusammengefasst ist hier die Zahl der Nennungen von insgesamt 85 Lohnunternehmern. Die anderen 15 unserer Umfrage mochten sich zu diesem Punkt nicht äußern.

Den größten Anteil haben demzufolge nach wie vor die Hausbanken. Das mag auf den ersten Blick überraschen, denn zumindest in der subjektiven Wahrnehmung werden Kredite und Leasing besonders bei Großmaschinen wie Häckslern, Mähdreschern und Rodern, aber auch bei Traktoren bevorzugt über spezialisierte Finanzdienstleister abgewickelt. Schließlich verfügen sie in der Regel doch über die bessere Kenntnis der Maschinen und damit mehr Erfahrung einer Wertverlaufs- und Risikoeinschätzung. Doch klar wird anhand der Umfrage: Hausbanken haben nach wie vor einen hohen Marktanteil. Das offenbart sich auch bei einer näheren Betrachtung der Antworten:

So ist der Anteil derer, die ihre Finanzierungen zu 100 % über Partner aus einer der drei Kategorien abwickeln, ist mit 44 überraschend hoch. So gaben 21 Unternehmer an, ausschließlich über ihre jeweiligen Hausbanken zu finanzieren. 13 tun dies allein über Hersteller-gebundene und immerhin zehn ausschließlich über unabhängige Objektfinanzierer. Wohlgemerkt: zu 100 % aus einer Kategorie – was nicht gleichbedeutend ist mit einem einzigen Finanzierungspartner.

Darüber hinaus nehmen 40 Betriebe Geldhäuser aus zwei oder gar drei der Kategorien in Anspruch, und das in unterschiedlichen Gewichtungen. An erster Stelle steht dabei die Aussage „50:50“ (22 Betriebe), während acht Lohnunternehmer ihre Finanzierungen gleichmäßig dritteln. Doch auch andere Verteilungen, wie 70:30, 20:80 oder 90:10, waren zu hören.

Wer nun 44 und 40 addiert, erkennt, dass einer der Teilnehmer „fehlt“: Dieser Unternehmer gab an, gar keine Kredite beim Maschinenkauf in Anspruch zu nehmen. Auch das scheint also nicht unmöglich zu sein …

 

Jens Noordhof, Redaktion LOHNUNTERNEHMEN

Der Artikel ist in der Zeitschrift LOHNUNTERNEHMEN Ausgabe März 2019 erschienen.