LU-Umfrage: Kommunale Dienstleistungen

Die Auflagen nehmen zu und das ist auch gut so! Das ist die Meinung von LU Dominik Ernstberger, der im kommunalen Bereich aktiv ist.
„Fakt ist, dass unser Umsatz aus den kommunalen Dienstleistungen relativ stark schwankt", sagt Lohnunternehmer Dominik Ernstberger. (Foto: LU Ernstberger)

Das Lohnunternehmen Ernstberger aus dem baden-württembergischen Sinsheim bietet landwirtschaftliche Dienstleistungen von der Saat über die Düngung und Grünfutterernte bis hin zum Drusch und der Festmist- und Kompostausbringung sowie -vermarktung an. „Im Kommunalservice haben wir den Winterdienst sowie Straßen-, Wege- und Betriebsflächenreinigung und die Grünflächenpflege inkl. Ausgleichflächen im Angebot. Ein sehr wichtiges kommunales Segment ist für uns die Landschaftspflege“, erklärt Dominik Ernstberger, der das Unternehmen 2009 gegründet hat. Heute beschäftigt er einen fest angestellten Mitarbeiter und mehreren Aushilfs- sowie Saisonarbeitskräften.

Landwirtschaft überwiegt

75 % seiner Kunden kommen aus der Landwirtschaft, 10 % aus dem Gewerbe, und die restlichen 15 % sind kommunale Auftraggeber. „Das Hauptumsatzvolumen kommt bei uns aus der Landwirtschaft und das wird auch langfristig so bleiben. Fakt ist, dass unser Umsatz aus den kommunalen Dienstleistungen relativ stark schwankt. Zum einen gibt es Jahre mit vielen oder wenigen Winterdiensttagen, zum anderen ist das Geld in den Kommunen derzeit knapp und sie halten sich gerade in der Landschaftspflege, in der wir recht stark aufgestellt, zurück“, gibt er zu bedenken.

Wenn sich die Witterung entsprechend entwickelt, steht Dominik Ernstberger um Mitternacht auf und fährt das Gebiet ab, für das er zuständig ist. (Foto: LU Ernstberger)

Momentan sieht er sich noch im Wettbewerb mit einigen Billiganbietern, er geht aber davon aus, dass diese es zukünftig schwerer haben werden, denn die Auflagen bei der Auftragsvergabe bei öffentlichen Auftraggebern steigen an: „Wenn wir uns das Beispiel Winterdienst einmal ansehen: Die Ausschreibungen der Kommunen sehen vor, dass der Auftragnehmer entsprechend versichert sein muss, die Bereifung der Maschinen und Traktoren muss mit M+S gekennzeichnet sein, die Führscheinklasse muss für gewerbliches Fahren angepasst sein. Und die Auflagen nehmen weiter zu. Das können die Billiganbieter nicht mehr leisten, was wiederum Vorteile für uns bringt.“

Der Lohnunternehmer wirft aber auch ein, dass viele Kollegen nach seiner Einschätzung den Winterdienst unterschätzen: „Das Thema ist komplexer als viele meinen. Als Dienstleister halte ich meinen Kopf dafür hin, wenn ein Unfall auf einem Abschnitt passiert, für den ich zuständig bin und wenn ich in der vertraglich vereinbarten Verkehrssicherungspflicht in den vorgeschrieben Räum- und Streuzeiten nicht nachgekommen bin.“ Das heißt, dass Dominik Ernstberger, wenn sich die Witterung entsprechend entwickelt, um Mitternacht aufsteht und seine Runde durch das Gebiet, für das er zuständig ist, abfährt. „Ich kenne die Punkte, an denen ich gucken muss. Ab 3 Grad plus und fallender Temperatur fahren wir raus und streuen vorsichtshalber“, erklärt er den Ablauf. Zum Einsatz kommen bei ihm Schlepper mit Schneeschild und Trockensalzstreuer. Das Salz bekommt er von den Kommunen gestellt. Bei seinen gewerblichen Kunden bringt er es mit. Dokumentiert wird die Streuarbeit digital mit GPS-Trackern.

Zum Dienstleistungsportfolio von LU Ernstberger zählen auch die Landschaftspflege, sowie die Rodung und Baufeldräumung. (Foto: LU Ernstberger)

Auch in anderen Bereichen, wie Landschaftspflege und Rodearbeiten, nehmen die Anforderungen an die Lohnunternehmer zu, wie er betont. „Die Billig-Dienstleister können da nicht mehr mithalten. Hinzu kommen die Kostensteigerungen durch die Inflation, die viele dieser Betriebe nicht weiter an den Kunden durchgereicht haben und jetzt ohne Rücklagen teils sogar vor dem Aus stehen“, blickt er in die Zukunft. Andersherum gesagt, sieht er deshalb für die professionellen Betriebe derzeit gute Perspektiven, wenngleich die kommunalen Auftraggeber im Moment auch eher das Geld zurückhalten und versuchen z.B. bei Landschaftspflegemaßnahmen zu sparen, wie er es beobachtet: „Hoheitliche Aufgaben, wie der Winterdienst und die Straßenreinigung werden weiterhin durchgeführt werden müssen. In der Landschaftspflege werden allerdings Aufträge zurückgestellt.“

Viel über Mundpropaganda

Um an die Aufträge zu kommen, beteiligt sich Dominik Ernstberger auch an öffentlichen Ausschreibungen. Der weitaus größere Teil der Aufträge kommt aber über die sogenannte Mundpropaganda, gerade was den gewerblichen Bereich seiner Kundschaft betrifft: „Hier hilft unser guter Name, den wir uns im Laufe der Jahre aufgebaut haben. Neben den Empfehlungen erhalten wir heute zusätzlich Anfragen über das Internet.“

Die Verträge im Winterdienst und in der Landschaftspflege laufen in der Regel zwei bis fünf Jahre. Je nach Auftrag erfolgt die Abrechnung nach Fläche oder Einsatzstunden, darüber hinaus werden im Winterdienst Einsatzpauschalen vereinbart. „Die Preise handeln und Abrechnungsmodalitäten handeln wir individuell mit den Kunden aus“, erklärt der Lohnunternehmer abschließend.

Noch mehr Umfragen mit Lohnunternehmern zu ihren kommunalen Dienstaleistungen finden Sie in der Februar-Ausgabe von unserer Zeitschrift Lohnunternehmen.

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