August 2014: LU Uwe Gottdang
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Uwe Gottdang wurde die Landwirtschaft nicht in die Wiege gelegt, kein Großvater, der noch mit bloßen Händen eine Kuh gemolken hätte, kein Vater mit einem Herz für große Schlepper, keine Hofstelle und keine Kindheit zwischen Heu- und Strohballen. Trotzdem hat er sich entschlossen, Agrarwissenschaften zu studieren. Danach, so sagt er selber, sei er auf "die schiefe Bahn geraten", als er 1996 sein Lohnunternehmen in Merzig-Mondorf gegründet hat.
Harter Konkurrenzdruck
Die nordsaarländische Kreisstadt Merzig liegt in einer Talaue der Saar, umrahmt von den ansteigenden Höhen des Saargaus. Ein paradiesisches Fleckchen Erde für Touristen, für Lohnunternehmer manchmal nah am Tor zur Hölle. "Wir wirtschaften hier im Dreiländereck mit Blick auf Frankreich und Luxemburg", beschreibt Uwe Gottdang die Grenzsituation. "Die Kollegen im benachbarten Ausland arbeiten unter wesentlich günstigeren Bedingungen. Diesel ist in Frankreich und Luxemburg deutlich billiger als bei uns. Maschineninvestitionen werden in Luxemburg bis zu 30 Prozent gefördert". Die Umsatzrenditen liegen laut Gottdang im Saarland bei rund sechs Prozent, in Luxemburg erreichen sie auch schon mal 30 Prozent.
"Über den Preis kannst du bei uns keine Kunden gewinnen", meint er weiter. Das halte keiner langfristig durch. Besser sei es dann: sein Lohnunternehmen abmelden, Hartz IV beantragen und in Luxemburg um wirtschaftliches Asyl bitten. An Uwe Gottdangs Argumentationen muss man sich gewöhnen.
Problemlöser gesucht
Gottdangs Taten sprechen eine andere Sprache: Rückzug in die Nische, der beste, nicht der billigste sein, ein unverkennbares Dienstleistungsprofil entwickeln - das ist seine Unternehmensphilosophie fürs wirtschaftliche Überleben. Das setzt einen langen Atem, eine starke Spezialisierung und ein hohes Maß an Zuverlässigkeit voraus.
Die Nischen für Uwe Gottdang sind der Pflanzenschutz inklusive Einkauf und Beratung sowie die Komplettbewirtschaftung ganzer Betriebe. "Pflanzenschutz biete ich bereits seit 1997 an", erläutert der Lohnunternehmer. "Seit 2012 erledige ich die Arbeiten mit einer neuen Inuma-Spritze Typ Professional 5027" mit 24 und 27 Meter Arbeitsbreite und einem 5.000 Liter Tank". Das besondere Highlight der Spritze ist die kontinuierliche Innenreinigung. Eine hervorragende Sache, meint Uwe Gottdang. "Wir haben zwar relativ große und flächenstarke Betriebe, die einzelnen Flurstücke selber sind aber häufig klein und somit arbeitsintensiv". Das bedeutet für Gottdang häufig wechselnde Einsatzorte mit häufig wechselnden Kulturarten. Die peinlich genaue Säuberung der Spritze ist dann Voraussetzung für optimale Spritzergebnisse. Die kontinuierliche Innenreinigung bringt aber auch zeitliche Ersparnisse. Beim kontinuierlichen Verfahren wird ständig Klarwasser nachgefüllt und gleichzeitig gespritzt. Im Gegensatz zum absetzigen Verfahren wird weniger Wasser und weniger Zeit benötigt.
Uwe Gottdang erledigt zwischen 1.600 und 1.800 Hektar Pflanzenschutzarbeiten in den Hauptkulturen Getreide, Raps und Mais. Er muss dabei mit wechselnden klimatischen Verhältnissen, sehr unterschiedlichen Bodenbedingungen und wechselnden Anbaubedingungen auf kleinstem Raum zurechtkommen.
Mit der Inuma bringt er auch AHL aus, das er an seiner Maschinenhalle lagert. Damit erzielt er eine zusätzliche Auslastung für seine Technik. "Die Kombination von AHL und Pflanzenschutzmitteln ist ein häufig praktiziertes Verfahren mit guten Ergebnissen", urteilt der Lohnunternehmer. Für die Betriebe versteht sich Gottdang als Problemlöser, vor allem die Veredlungsbetriebe suchen verstärkt nach geeigneten Partnern, um sich voll auf die Belange der Tierhaltung konzentrieren zu können. Zu seinen Kunden zählen aber auch viele Nebenerwerbslandwirte, die den komplizierten Pflanzenschutz gerne in kompetente Hände legen.
Neue Wege bei der Logistik
Seit dem vergangenen Jahr bietet Gottdang für eine Biogasanlage, die vom Energieversorger Eon betrieben wird, Transportarbeiten bei der Mais- und GPS-Ernte an. Dafür hat er in einen T-Rex Shuttle Überladewagen investiert. Der hat ein Fassungsvermögen von 30,5 m³. Geladen wird auf einen LKW. Ein normaler 60 m³ -Lastwagen kann mit zwei T-Rex Shuttle-Ladungen gefüllt werden. Die 3- stufige, hydraulisch angetriebene doppelte Kratzbodenkette garantiert eine kurze Umladezeit von circa zwei Minuten. Einen zweiten Überladewagen setzt Gottdang bei der Getreide- und Rapsernte ein. Mit dem Claas Lexion 600 verfügt er darüber hinaus laut eigener Aussage über die leistungsfähigste Druschtechnik im Saarland. "Mit dem Getreideüberlader konnte ich die Tagesproduktivität beim Mähdrusch noch einmal steigern. Auch bei guten Hektarerträgen um die die 80 dt schaffe ich bis zu 70 Hektar pro Tag. Ein überzeugendes Argument bei immer kürzer werdenden Erntezeitfenstern".(Mehr zu seiner Logistiklösung auf Seite 48 in diesem Heft)
Landwirt und Lohnunternehmer in einer Person
Komplettbewirtschaftungsverträge sind ein weiteres Standbein des Lohnunternehmens. Für etwa ein Viertel der Betriebe, die bei ihm den Pflanzenschutz ordern, übernimmt es auch alle anderen Feldarbeiten. "Häufig sind Nebenerwerbsbetriebe meine Kunden. Abgerechnet wird am Ende des Jahres über eine Ertragsbeteiligung". Einer dieser Kunden ist Rudolf Moos aus dem Nachbarort Wellingen. "Ich habe alle Arbeiten an Uwe übergeben", erläutert der Ex-Landwirt, der heute sein Geld mit der Lebensmittelentsorgung verdient. "Ich habe keine Zeit mehr, um mich um jedes Detail selber zu kümmern", so Moos weiter. "Das Lohnunternehmen Gottdang bietet mir nicht nur die Technik, sondern auch das nötige Know How, angefangen beim Betriebsmitteleinkauf bis hin zur Vermarktung. Und ich bin durch Uwe nahe dran an den Trends der Zeit. So habe ich mich beispielsweise entschlossen, in diesem Jahr erstmals auch Mais für die Biogasanlage anzubauen. Alles weitere regelt Uwe Gottdang".
Gemeinsames Ziel
Zwischen den beiden besteht ein enges Vertrauensverhältnis. "Es gibt keine Absprachen, sondern nur Gespräche", erklärt Gottdang. "Da erfolgsabhängig honoriert wird, kann mein Kunde sich voll und ganz darauf verlassen, dass die Arbeiten zum Vorteil beider Partner zügig erledigt werden." Während der Lohnunternehmer draußen alles auf dem Laufenden hält, arbeitet Moos lieber daran, seine Betriebsstrukturen zu verbessern. "Inzwischen ist es mir gelungen, durch Verhandeln und Flächentausch mit Kollegen meine Flächenstruktur ins Optimum zu bringen. 22 Hektar auf nur sechs Schlägen, das ist für unsere Region schon erwähnenswert". Solche Partner wie Rudolf Moos sind es, die Uwe Gottdang immer wieder motivieren, weiter nach vorn zu schauen.
Kompetenz in der Sache, ein kritischer Geist, gewürzt mit einem unerschütterlichen Optimismus und einem Schuss Humor - das sind die Zutaten für erfolgreiches Wirtschaften im Saarland. "Ein Standortwechsel kommt für mich nicht in Frage", eine klare Sache für Uwe Gottdang. Und Hartz IV natürlich auch nicht.
Friederike Krick
Erschienen in der LOHNUNTERNEHMEN September 2012.