Februar 2012: LU Reinold ist stark im kommunalen Einsatz

Das Lohnunternehmen Reinold aus Ampen, Nordrhein-Westfalen, feiert in diesem Jahr sein 100jähriges Bestehen.

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Gerd Reinold und seine Ehefrau Maria führen die Geschäfte seit 1977. Zwei Jahre zuvor stieg er gemeinsam mit seinem Vater in das Dienstleistungsfeld Mäharbeiten für kommunale Auftraggeber ein. Heute machen die kommunalen Dienstleistungen mehr als 50 % des Jahresumsatzes aus.  „Wir wollten unsere Maschinen und Mitarbeiter auch in den arbeitsärmeren Zeiten in der Landwirtschaft besser auslasten", begründet Gerd Reinold den damaligen Einstieg in das kommunale Geschäft. „Begonnen haben wir 1975 mit dem Ausmähen von Gräben. Unsere Spezialität war das gleichzeitige Absaugen des Schnittgutes. Noch im selben Jahr haben wir in die erste gezogene Bankettfräse investiert", erinnert er sich weiter. In einem weiteren Geschäftsbereich arbeitet das Lohnunternehmen im Auftrag der öffentlichen Hand - 1991 erfolgte der Einstieg in die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung und Ausbringung von Kompost und anderen Feststoffdüngern. Heute gehören zum kommunalen Fuhrpark des Lohnunternehmens Reinold eine selbstfahrende Bankettfräse, ein kleiner Holzhacker, zwei Bagger mit Mähkorb, Astschere und Astkneifer sowie fünf Unimog mit einer Kombination aus Randstreifenmäher und Mähausleger (8 m) mit saugenden und nichtsaugenden Geräten. Die Auftraggeber sind, neben Gemeinden und Städten, Wasser- und Bodenverbände sowie Straßenmeistereien.
Im Unternehmen arbeiten neben Gerd und Maria Reinold Tochter Christina sowie fünf feste Mitarbeiter. In der Erntezeit kommen noch Aushilfsfahrer hinzu. Um das kommunale Geschäft kümmert sich der Chef persönlich. Regelmäßig durchflöht er Print- und Onlinemedien auf potentielle neue sowie „alte" Aufträge. Für die Bewerbung an Ausschreibungen muss er Kosten recherchieren, diverse Nachweise zusammentragen, Preise kalkulieren und die Abgabefrist im Auge behalten. Bei einem erfolgten Auftrag stehen neben der eigentlichen Ausführung gemeinsame Ortsbegehungen mit dem Auftraggeber vor und nach Auftragsausführung an.

Das Vergabeverfahren
Die beschränkte Ausschreibung sei leider rückläufig, so der Lohnunternehmer. Meistens handele es sich heute um öffentliche Ausschreibungen, wobei das Auftragsvolumen in diesem Bereich relativ konstant sei. Das Ausschreibungsverfahren biete dem Dienstleister zwar eine gewisse Auftragssicherheit, sofern der Auftrag für eine Dauer von mehreren Jahren ausgeschrieben sei, der damit verbundene bürokratische Aufwand und das unternehmerische Risiko seien aber auch höher als bei einer freihändigen Vergabe. „Auch wenn wir eine Arbeit schon seit zig Jahren erfolgreich für einen kommunalen Auftraggeber ausführen, müssen wir uns für diesen Auftrag immer wieder fristgerecht neu bewerben und jedes Mal bangen, dass uns jemand unterbietet und wir den Auftrag verlieren", verdeutlicht Gerd Reinold den Aufwand und damit verbunden psychischen Druck. „Kurz vor dem Auslaufen der Bewerbungsfrist kann es sein, dass ich mitten in der Nacht aufstehe und mein Angebot nochmal überarbeite."
In der Regel beginnt es damit, dass er täglich den Submissionsanzeiger und das Internet nach möglichen öffentlichen Aufträgen durchflöht. Um beurteilen zu können, ob ein Auftrag für das eigene Unternehmen wirklich von Interesse ist, lässt man sich die Ausschreibungsunterlagen postalisch zuschicken. An dieser Stelle fallen auch die ersten Gebühren an. „Je nach Art des Auftrages ist dieser mit einem unterschiedlich hohen Risiko behaftet. Soll beispielsweise die Bankette gefräst werden, inklusive der Bodenentsorgung, müssen wir für unsere Kostenkalkulation wissen, ob und wie stark der Boden belastet ist. Mit dieser Info erfragen wir die Entsorgungskosten bei der ansässigen Deponie. Dies ist eine entscheidende Größe. Die Bodenentsorgung macht bei solch einem Auftrag bis zu 2/3 der Kosten aus. Fällt also mehr belasteter Boden als erwartet an, kann solch ein Auftrag schnell unlukrativ werden", verdeutlicht Gerd Reinold sein unternehmerisches Risiko. Bei einem Großauftrag mache es also Sinn, zusätzlich selbst Bodenproben zu ziehen.

Schlechter Wettbewerb schadet doppelt
Der Bewerbung müssen außerdem diverse Nachweise beiliegen: ein Auszug des Bundeszentralregisters, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Finanzamt, Krankenkassennachweise für die Mitarbeiter, Nachweise der Berufsgenossenschaft, zur Haftpflichtversicherung und zu den notwendigen Verkehrssicherungsschulungen der Mitarbeiter, eine Güterkraftverkehrsgenehmigung für gewerbliche Transportarbeiten, eine Maschinen- sowie Referenzliste als Beleg der fachlichen Qualifikation des Dienstleistungsunternehmens.
Alle Angebote werden zum Submissionstermin, an dem auch alle Anbieter anwesend sein können, geöffnet und auf fristgerechten Eingang und Vollständigkeit geprüft. An einer öffentlichen Ausschreibung nehmen im Schnitt 20 Anbieter teil. Bei Vollständigkeit der Unterlagen wird der günstigste Bieter vom Rechnungsprüfungsamt ausgesucht und dem Vergabeausschuss zur Vergabe vorgeschlagen. „Geht eine öffentliche Ausschreibung an ein Wettbewerbsunternehmen, erhalten alle anderen Bewerber eine Auflistung der angebotenen Preise. Das dient uns bei der Orientierung und eigenen Positionierung im Markt, aber der Verlust eines großen Auftrages bedeutet für uns ein finanzielles Loch, das wir so schnell nicht schließen können", bedauert Reinold.
„Bei den kommunalen Großaufträgen, die in der Regel öffentlich ausgeschrieben werden, ist der Wettbewerb erfahrungsgemäß groß und wir kennen ihn meistens nicht. Das erschwert uns die Zusammenstellung unserer Bewerbung", erklärt Gerd Reinold und kritisiert: „Teilweise bewerben sich auch Unternehmen, die dem Auftrag gar nicht gewachsen sind. Der preiswerteste Bieter ist nicht immer auch der beste, auf ihn trifft aber oftmals die Wahl. Schlechter Wettbewerb schadet der gesamten kommunalen Dienstleisterbranche. Aufgrund solcher Negativerfahrungen gehen die Kommunen nämlich zurück in die Eigenmechanisierung."

Anne Ehnts