März 2012: LU Jahn sät Mais mit Teilbreitenschaltung

GPS-gesteuerte Teilbreitenschaltung im Pflanzenschutz ist bekannt. Aber klappt diese Technik auch bei der Maissaat? Verschiedene Hersteller werben für diese exakte Sätechnik über die ISOBUS-Steuerung. Danach hört sich alles logisch und einfach an. Können das Lohnunternehmer bestätigen?

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So einfach wie diese Technik funktionieren mag, so schwierig ist es, Lohnunternehmer zu finden, die damit schon Erfahrungen sammeln konnten. Denn die elektrischen Antriebe der Säaggregate sind erst bei wenigen Herstellern im Angebot. Außerdem muss die Steuerung über die offene ISOBUS-Norm mit dem Traktorterminal und deren Software funktionieren. Helmut Jahn wohnt und arbeitet gut 20 km westlich von Oldenburg am Elisabethfehnkanal in der Ortschaft Barßel. Seine Eltern haben dort Landwirtschaft mit rund 40 ha, die er mit der Aufzucht von 800 Fressern pro Jahr weiterführt. Daneben baut sich der 40jährige seit drei Jahren einen Lohnbetrieb auf. Seine Spezialität sind Pflanzenschutz und Maissaat. Beides mit GPS-gesteuerter Teilbreiten- bzw. Saatreihensteuerung über die ISOBUS-Verbindung. In den vergangenen Jahren hat er auf durchschnittlich 1200 ha Mais gesät und ca. 3000 ha Pflanzenschutz durchgeführt (ohne Kartoffeln). Die Schläge seiner Kunden haben eine Durchschnittsgröße von 4,5 ha.

Arbeiten mit einem Terminal

Als Zugmaschine läuft bei ihm der John Deere 6330 mit GPS-Emfänger (Starfire) und AutoTrac (Lenkautomatik). Er nutzt das kostenlose Korrektursignal SF 1. Die Genauigkeit des SF1 reiche ihm aus, RTK-Signale mit 2 cm Genauigkeit seien nicht nötig, so seine Erfahrungen. Als Monitor zur Gerätesteuerung, inklusive automatischer Teilbreitenschaltung, verwendet er das John Deere Touchscreen-Terminal GreenStar 2600. Softwareseitig ist auf dem Terminal installiert „SprayerPro" für die Teilbreitenschaltung der Spritze und „Universal-SeederPro" für die Teilbreitenschaltung der Maisdrille. Die Säaggregate werden einzeln und elektrisch angetrieben und daher separat schaltbar. Derzeit funktioniert Universal-SeederPro nach Auskunft von John Deere nur mit der Accord Drille.

Automatische Schlagerkennung

Bestandteil der Software ist auch eine automatische Schlagerkennung. Das System kennt Kunden, Schlagname und Schlaggröße. Aber Schlagfindung bzw. Navigation bietet die Software nicht. Damit der Schlag erkannt wird, muss Helmut Jahn die jeweiligen Geodaten eingeben bzw. aus der Schlagdateien übertragen oder aber die Feldgrenzen einmal umfahren und abspeichern. „Wir haben einmal die Arbeit, den Schlagdaten zu erfassen bzw. einzugeben, aber dann wird bei jeder nachfolgender Arbeit der Schlag automatisch erkannt", schildert der Lohnunternehmer. Auf dem Feld werden dann alle für den Auftrag notwendigen Daten von SD-Karten in den aktuellen Auftrag gezogen. „Wir schreiben nicht jeden Auftrag vorher im Büro und überspielen ihn auf die SD-Karte, sondern wir stellen auf dem Feld die schlagbezogenen Auftragsdaten im Terminal aus den hinterlegten Daten zusammen". Das dauert ca. zwei Minuten pro Schlag. Im Büro werden am Tagesende die gesammelten Daten dann mit dem Programm „Agro-Win" von Land Data Eurosoft verarbeitet bis hin zur Abrechnung. Der Kunde bekommt dann eine Auswertung für die Schlagdatei mit Datum, Schlagnamen, Schlaggröße, Körnerzahl und Sorte. Beim Pflanzenschutz kommen dann noch Parameter wie Kultur, Zweck/Schadorganismen, Pflanzenschutzmittel und Aufwandmenge hinzu. Funktioniert dieses System auch bei einer verschiedenen Traktormarke? „Die Gerätesteuerung ja, die Lenkautomatik nein", antwortet Helmut Jahn. Versuche im vergangenen Jahr haben das jedenfalls gezeigt. Die Steuerung des angehängten Gerätes über den ISOBUS Norm funktioniere, schildert Jahn. Nicht möglich sei eine Lenkautomatik über das Starfire-Signal, sehr wohl aber eine Parallelfahrhilfe beispielsweise über Leuchtdioden oder aber dem universellen „AutoTrac" (austauschbares Lenkrad).

Einmessen des Gespanns

Das Prinzip der Teilbreitenschaltung bei der Spritze ist bekannt. Die automatische Abschaltung der Säaggregate erfolgt nach dem gleichen Prinzip. Wenn die Starfire Kugel vorn am Kabinendach ein Stopp oder Go meldet, muss das Säaggregat zeitversetzt agieren. Nicht irgendwann, sondern auf den Punkt genau. Dazu werden verschiedene Traktor- bzw. Gerätemaße in einer speziellen Terminalmaske eingetragen, beispielsweise die Distanzen zwischen Position GPS-Empfänger, Boden, Koppelpunkt und Säaggregat usw. „Dadurch erkennt das System die genaue Position der Säaggregate und gibt Kommando für Ein oder Aus und ermöglicht so die Saat von Keilstücken ohne Doppelsaat. „Auch wenn rückwärts in eine Nische gestoßen wird" zeigt dieses System seine Vorteile", erzählt Jahn. Dieses Einmessen könne der Fahrer problemlos vor Saisonbeginn erledigen, meint er. Wenn dann der ISOBUS-Stecker im Heck des Traktors gekoppelt wird, erkennt der Traktor gleich, um welches Gerät es sich handelt und übernimmt die entsprechenden Maße.

Vorgewende zum Schluss

Der Vorteil dieses Säverfahrens sei die sparsame Verwendung von Saatgut und das akkurate Reihenbild durch die Möglichkeit jedes Säaggregat einzeln ein- und ausschalten zu können. Auch die Anlage von Fahrgassen im Mais sei problemlos möglich für jene Kunden, die später Gülle in den Bestand ausbringen möchten. Theoretisch könnte man auch auf dem Schlag verschiedene Saatstärken vor der Saat festlegen einprogrammieren und dann nach dieser vorgefertigten Saatkarte aussäen. Aber viel interessanter für Helmut Jahn ist die Möglichkeit, den Schlag von Innen nach Außen zu säen. Dann - so Helmut Jahn - würde das Vorgewende zum Schluss gesät, also nicht bei jedem Wendevorgang überfahren. Das sei zudem in nassen Jahren ein echter Beitrag zum Bodenschutz. Ein offener Wunsch von seiner Seite ist noch, auch die Düngermenge über das Display steuern zu können.

Kooperation angestrebt

Helmut Jahn hat erkennbar Spaß an dieser Technik, probiert gern Neues aus und klickt sich geduldig durch die Softwareseiten am Terminal. Die Kosten seiner Maschinen, wie die Ansprüche dieser Technik an den Fahrer, sind aber nicht ohne Risiko und verlangen nach hoher Auslastung und fitte Fahrer, die mitdenken. Das Potential möglicher Kunden lässt ihn hoffen, denn immer öfter bringen sich die Biogasanlagen ins Spiel. Mittlerweile würden im Umkreis von 20 km rund 30 Biogasanlagen arbeiten, meist mit 500 kW. Den Mais sieht er dabei als den Rohstoff Nummer 1. Daher könnte er sich vorstellen, mit anderen Lohnunternehmern zu kooperieren, besonders beim Pflanzenschutz, aber auch in der Maissaat. Er sieht sich als Spezialist für diese beiden Bereiche und möchte es auch bleiben.

 

Hans-Günther Dörpmund, Redaktion Lohnunternehmen