März 2017: LU Hoge

„Wir spritzen unsere eigenen Kartoffeln, übernehmen aber auch den Pflanzenschutz für die Kartoffel-Anbauer in der Region. Zu den Kartoffeln kommt dann noch der Pflanzenschutz im Mais hinzu, weil hier die Kunden mit der zum Teil vorhandenen eigenen Technik nicht in den gewünschten Fahrgassenabständen arbeiten können. In den letzten beiden Jahren gab es gewaltige Unterschiede was die Witterungsbedingungen und damit auch den Krankheitsdruck angeht“, beschreibt Seniorchef Erwin Hoge die Arbeiten im Pflanzenschutz. Die Kartoffel ist dabei die wichtigste Kultur für das Lohnunternehmen, welches sich auf das Kartoffellegen und das Roden spezialisiert hat. Die Fruchtfolge bestehe üblicherweise aus Kartoffel sowie Getreide und Mais. Der Mais als Vorfrucht zur Kartoffel sei allerdings nicht optimal.
„Neben den landwirtschaftlichen Dienstleistungen Legen, Roden und Pflanzenschutz spielt die Kartoffel für uns auch im Transportwesen eine wichtige Rolle“, gibt Erwin Hoge einen Überblick. Im Pflanzenschutz arbeitet das Lohnunternehmen mit einer gezogenen 27-m-Spritze von Rauch. Diese wird außerdem im Mais genutzt, allerdings – wie der Lohnunternehmer sagt – in kleinerem Maßstab und dann zumeist für Kunden, für die man auch im Kartoffelanbau tätig sei.
Die Dienstleistungen im Kartoffelanbau finden meist im Umkreis von 25 km statt, da die Kunden überwiegend arrondiert liegen. Es gibt aber auch Ausnahmen, wie Sven Hoge erklärt: „Wir haben auch größere Kunden, die Ackerflächen in 70 bis 80 km Entfernung pachten und deren Flächen wir dann auch bestellen. Damit fahren wir durchaus für diese größeren Flächen schon einmal knapp 100 km.“

Spezialisierung und Konzentration
„Ungefähr in den letzten zehn Jahren ist zu beobachten, dass sich die Landwirte entweder aus dem Kartoffelanbau zurückgezogen haben oder aber in die Spezialisierung gegangen sind. In der Folge sind sowohl die kartoffelanbauenden Betriebe als auch die Flächenstrukturen gewachsen“, so Erwin Hoge. Damit sei auch ein gewisser Grad an Eigenmechanisierung einhergegangen: „Die Technik ist so gesehen nicht das Problem für unsere Kunden, sondern vielmehr das Personal. Es ist als Landwirt nicht möglich, für die sehr kurzen Arbeitsspitzen gute Mitarbeiter vorzuhalten. Damit wird dann beispielsweise das Kartoffellegen oder in Spitzenzeiten der Pflanzenschutz an den Dienstleister abgegeben“, beschreibt Erwin Hoge die Entwicklungen in der Kundenstruktur. Die größeren spezialisierten Betriebe arbeiten mit etwa 300 bis 500 ha Kartoffeln. „Unsere Legemaschinen arbeiten vierreihig, das bedeutet, – je nach Boden und Witterungsverhältnissen – dass wir in einer Stunde zwischen 4 und 10 ha bestellen können. Bei den Rodern arbeiten wir mit vier Grimme SE 150-60, um auch die Arbeitsspitzen größerer Kunden abfangen zu können. Die Konzentrationsentwicklung in der Kundschaft hat somit dazu geführt, dass von uns als Lohnunternehmer noch mehr Schlagkraft und damit noch mehr Technik vorgehalten werden muss“, beschreibt der Lohnunternehmer.
Auch in der Bestandsführung sei die Kartoffel aufwendig und pflegeintensiv, dabei haben aber die Landwirte meist die Planungshoheit: „Der Erfahrung nach holen sich die Landwirte die Informationen, die sie für die Bestandsführung und insbesondere für den Pflanzenschutz brauchen, entweder von den Herstellern oder aber vonseiten der Beratung. Wir als Lohnunternehmer sind dann meist lediglich für die Applikation zuständig“, beschreibt Sven Hoge.

Flüssige Beizung
Nachdem in früherer Zeit die Kartoffeln bepudert bzw. gebeizt wurden, beginnt der Pflanzenschutz im Kartoffelanbau nun mit dem Pflanzen der Saatkartoffeln: „Wir starten mit der Furchenbehandlung mit flüssigem Monzaren. Diese Behandlung ist auch deutlich anwenderfreundlicher als das Puder vergangener Tage, da wir als Anwender kaum noch mit dem Mittel in Berührung kommen. Auch bezogen auf die Umweltwirkung schätze ich diese Behandlung als schonend ein, da das Mittel genau dorthin kommt, wo es wirken soll und entsprechend geringe Aufwandmengen notwendig sind, um gute Ergebnisse zu erreichen“, sagt Erwin Hoge und Sven Hoge ergänzt: „Bei den angebauten Legegeräten ist der Flüssigbehälter für das Mittel vorne angebaut. Bei den gezogenen hingegen sitzen zwei Behälter direkt auf der Maschine. An der Legeeinheit wird die Kartoffel im freien Fall durch zwei Düsen benetzt und erreicht erst danach den Boden. Die Furche selber wird in diesem Falle nicht benetzt, sondern nur die Kartoffel.“ Es gebe auch die Möglichkeit, die Furche zu behandeln, ohne das Pflanzgut selber zu benetzen: „Diese Technik wird insbesondere in der Pflanzgutproduktion nachgefragt. Sie spielt aber in unserer Region keine große Rolle und wir bieten diese Technik daher auch nicht an.“

All-in-one
Das Pflanzen der Kartoffeln geschieht heute quasi „All-in-one“ in einer Überfahrt: „Das bedeutet, sowohl die Bodenbearbeitung als auch die Beizung, das Legen, Anhäufeln und die Dammformung werden während einer Überfahrt erledigt.“ Damit benötige die Kartoffel heute einen wesentlich längeren Zeitraum, um an die Oberfläche zu gelangen. Das habe Vorteile hinsichtlich des Pflanzenschutzes: „Seit wir mit dieser Technik arbeiten, haben sich der Herbizidaufwand und auch die Probleme mit verschiedenen Unkräutern relativiert. Früher war der Zeitraum zwischen dem letzten Anhäufeln und dem Durchstoßen der Kartoffel zu kurz, um noch eine vertretbare Behandlung durchzuführen“, so Erwin Hoge.
Die frühe Dammformung und der dadurch etwas hinausgezögerte Auflauftermin ermögliche nun eine Herbizidbehandlung mit Mitteln wie Quick Down, Boxer oder Mistral, kurz bevor die Kartoffeln durchstoßen. Diese Mittelkombination habe sich die letzten Jahre in der Region gut bewährt: „Wenn diese Behandlung zu früh stattfindet, ist der Zeitraum für eine Folgeverunkrautung vor Reihenschluss länger beziehungsweise die Wahrscheinlichkeit eines Spritzschadens an den Kartoffeln höher. Eine Herbizidbehandlung in der Kultur hat auch immer eine leichte Schädigung der Kartoffeln zur Folge“, beschreibt der Kartoffelspezialist.
Die erste Unkrautbehandlung nach dem Legen erfolge in etwa nach vier bis fünf Wochen. Im letzten Jahr sei dieser Zeitraum etwas kürzer gewesen, weil das Jahr recht kühl gewesen sei und spät gepflanzt wurde. Unkräuter, die immer wieder behandlungswürdig seien, sind die Klette, Melde oder auch Hirse und die Quecke in der Spätverunkrautung. Vor allem die Queckenbehandlung erfolge punktuell und nesterweise, da die Depression der Kartoffeln sonst recht intensiv sei und meist auch nicht alle Flächen betroffen seien. Die Hirse habe sich durch den Maisanbau in der Fläche verbreitet, sei aber mittlerweile durch die besseren Maisherbizide wieder unter Kontrolle.
Flexibel Arbeiten
Die zweite Herbizidbehandlung, also diejenige gegen Spätverunkrautung vor Reihenschluss, erfolge meist im selben Zeitraum wie die erste Fungizidbehandlung, also bei einem normalen Saattermin meist Anfang Mai. Diese Fungizidbehandlung wird dann alle 10 Tage wiederholt. Damit komme man im Jahr auf durchschnittlich zehn Behandlungen. Die Fungizidbehandlung ist dabei hauptsächlich von den Witterungsbedingungen und dem daraus folgenden Krautfäuledruck abhängig: „Es kann bei feucht-warmer Witterung durchaus sein, dass wir schon nach sieben bis acht Tagen wieder in die Fläche müssen“, erklärt Erwin Hoge. Um den besten Spritztermin zu treffen, würden zum einen die Warndienste zu Rate gezogen, aber auch die Bestände in kurzen Abständen kontrolliert. Außerdem würden je nach Anwendung und Wetter die Spritzwassermengen angepasst: „Wir arbeiten mit Wassermengen von 350 bis 400 l in der Herbizidbehandlung und in der Fungizidbehandlung je nach Wetter mit etwa 250 l.“
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Johannes Rohmann, Redaktion LOHNUNTERNEHMEN
Den vollständigen Bericht lesen Sie in der Zeitschrift LOHNUNTERNEHMEN Ausgabe März 2016.