American Dream: Eine Saison in den USA

Manuel Gappmayer hat sich in diesem Jahr einen Traum erfüllt: Mähdrescher fahren in den USA. Er berichtet für uns über die Highlights und Schwierigkeiten seiner Reise von Oklahoma bis North Dakota und gibt Tipps für Interessierte.

„Der Ausblick aus dem Büro“, wie Manuel Gappmayer sagt.

Nach meiner Ankunft in Kansas im April dieses Jahres lernte ich erstmal die anderen Crew-Mitglieder kennen: einen bunter Haufen, bestehend aus einem Deutschen, einem Engländer, einem Iren, einem Dänen und einem Südafrikaner. Ein 16 m langer Wohnwagen sollte für die nächsten sieben Monate unser gemeinsames Zuhause sein. Zu sechst, später zur Maisernte zu acht, auf engstem Raum fordert natürlich auch viel Toleranz, Verständnis und Entgegenkommen, was nicht immer leicht war.

Bevor es mit der Getreideernte jedoch losging, musste der amerikanische Lkw-Führerschein gemacht werden, da die Mähdrescher per Tieflader zum nächsten Einsatzort gebracht werden mussten, und der Abtransport von geerntetem Getreide oder Mais zum nächsten Speicher auch zu unseren  Aufgabenbereich dazugehörte. Aufgewachsen in einem kleinen Bergdorf auf 1.250 m Seehöhe, in Tamsweg im Salzburger Land, war ich von den Dimensionen der Maschinen und der Ackerflächen in Amerika natürlich schwer beeindruckt. An einem Tag wurden dann schon mal 180 ha geerntet.

Die Mähdrescher, hier in North Dakota, werden jährlich getauscht.

Extreme Wetterbedingungen
Anfang Juni begannen wir in Oklahoma mit der Getreideernte. Gedroschen wurde mit drei John Deere 670s mit 40ft Schneidwerken, welche von einem 1000 Bushel Überladewagen, gezogen von einem John Deere 8245r, am Laufen gehalten wurden. Im südlichen Teil der Ernte-Route erfolgte der Abtransport des Getreides durch Trucks mit Getreide Anhängern zu den nächstgelegenen Getreidehändlern. Im Norden der Route lagern die meisten Farmer die Ernte selbst in Silos und verkaufen das Getreide anschließend im Winter. Wir arbeiteten uns von Oklahoma bis an die kanadische Grenze nach North Dakota hoch. Das schwierigste an der diesjährigen Saison waren vermutlich die Wetterbedingungen: Hagel, Tornado, Regen, Schnee und Trockenheit. Es war alles dabei. Durch den vielen Regen war das Getreide oft zu nass und konnte nicht gedroschen werden. In anderen Staaten machte die Trockenheit wiederum eine Ernte unrentabel. Dadurch lagen hin und wieder die Nerven beim Chef blank. Wir waren durch das unberechenbare Wetter immer im Stress, so viel und so schnell wie möglich zu dreschen.

Ein besonderes Highlight der Reise seien die Nordlichter gewesen.

Highlights der Reise
Durch die vom Regen verursachten Pausen, hatten wir einige Verschnaufpausen und die Möglichkeit einige Ausflüge zu unternehmen. Ein besonderes Highlight waren natürlich die Rocky Mountains. Anfang September sind wir dann, beim Saison Highlight, in Kanada angekommen. Ein unvergesslicher Moment war, als ich die Nordlichter sah. Ein wahnsinnig schönes Naturschauspiel.

Nach mittlerweile sieben Monaten harter Arbeit – mehrere Wochen durchgehend ohne freien Tag, teilweise 18 Stunden Arbeitstage und zig tausende zurück gelegte Meilen, geht dieser Traum schon langsam dem Ende zu. Derzeit, also Anfang November, sind wir in South Dakota und haben noch ca. 800 ha Mais zum Ernten. Aktuell hat jeder Mähdrescher, welche jährlich getauscht werden, ca. 3200 ha auf dem Zähler. Ende November geht es für mich zurück in die Heimat.

So sehen die Maissilos in South Dakota aus.

Tipps für „Nachmacher“
Denjenigen, die ebenfalls solch ein Abenteuer wagen wollen, würde ich raten nicht lange nachzudenken. Natürlich ist es ein Sprung in das kalte Wasser und man kommt auch öfters an die Grenzen seiner Belastbarkeit. Vermutlich muss man auch etwas verrückt sein, um so ein Abenteuer zu wagen. Neu gewonnene Freunde, wahnsinnig gastfreundliche Amerikaner kennenzulernen, in Gegenden zu kommen, wo man als Tourist vermutlich nie hinkommt und voll beladen mit unvergesslich schönen Momenten und gestärkt mit ganz viel Selbstvertrauen, macht dieses „Abenteuer“ jedoch zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Für mich hat sich ein großer Traum erfüllt!

Text und Fotos: Manuel Gappmayer

Manuel Gappmayer vor der "Oversize Ladung"

Über den Autor
Erfahrung mit großen Maschinen konnte Manuel Gappmayer beim Lohnunternehmen Peter Kircher, Neukirchen an der Vöckla, Oberösterreich, sammeln. Nach sechs Jahren Praxis und einer abgeschlossenen Lehre als Landmaschinentechniker wollte er sich einen großen Traum erfüllen und einen Sommer lang als Mähdrescherfahrer in Amerika arbeiten. Er hat im Internet nach einer geeigneten Stelle gesucht und ist auf BT Harvesting mit Sitz in Kiowa/ Kansas gestoßen. Nach einigen schriftlichen Nachrichten und Telefonaten, wurde ihm nach eigener Aussage bereits der Arbeitsvertrag gemailt. Die Beantragung des Visums sei nur mehr eine Formsache gewesen und am 21.04.2017 startete er von München aus in ein ungewisses Abenteuer.

Kommentare

  • Siegfried Muhl

    von Siegfried Muhl am 06.20.2018 8:01am

    Hallo,

    diesen Gedanken habe ich auch schon gehabt, mal in die Staaten und so etwas zu machen. Wie kommt man an die Kontakte? Wird das alles über eine Agentur gemanagt?
    Gruss S. Muhl

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