Diskussion Winterdienst

Einige Lohnunternehmer haben eine Pauschalregelung für den Winterdienst eingeführt. Wir haben mit ihnen über die Situation in ihren Regionen gesprochen.

LOHNUNTERNHEMEN: In Niedersachsen ist die Vergütung der Dienstleistung Winterdienst schlecht kalkulierbar. Welches Problem gibt es derzeit konkret?

Gernot Schünemann: Ich arbeite schon seit über 20 Jahren als Lohnunternehmer im Winterdienst. Die Nachfrage nach Winterdienstleistungen war noch nie so gut wie jetzt - ich erhalte sehr viel Anfragen von Firmen, insbesondere Supermarktbetreibern, die meine Leistung in Anspruch nehmen würden. Eine durchgehende Vergütung wäre daher besonders wichtig. Trotzdem sind viele Auftraggeber nicht bereit mehr zu zahlen.

Jens Faulhaber: Bei uns sieht es ganz anders aus. Im Raum Göttingen kaufen sich, bedingt durch die Universität, sehr viele angehende Land- und Forstwirte ein Schneeschild, um sich im Studium etwas dazu zu verdienen. Der Konkurrenzdruck ist dadurch enorm, was sich leider auf die Preise auswirkt. Das bedeutet für uns ein unkalkulierbares Risiko, denn Maschinen und Personal müssen wir natürlich trotzdem vorhalten, wenn wir die Dienstleistung anbieten wollen.

LU: Was hat sich in den letzten Jahren, abgesehen von der stetigen Nachfrage, verändert?

Schünemann: Die Regelmäßigkeit mit der man Winterdienst durchführen kann, hat sich aufgrund der milderen Winter stark verändert. In meinem Gebiet streue ich fast ausschließlich. Das klassische Schneeschieben kommt kaum noch vor. Leider gibt es viele Dienstleister, die preislich keinen Aufschlag für Schieben und Streuen verlangen.

Faulhaber: Das sehe ich ähnlich. Für mich muss das Schieben mindestens doppelt so hoch vergütet werden, wie das Streuen. Dies liegt auch an der Technik - die Arbeitsbreite zum Räumen liegt bei uns bei ca. 3 m. Streuen können wir auf bis zu 7 m.

Jan-Georg Franz: Wir werden für unsere Einsätze, ebenfalls bei privaten Unternehmen, nach Anzahl bezahlt. Wir erreichen unsere Kostendeckung über die Häufigkeit, denn einmaliges Streuen reicht oft nicht aus. Schwierig ist es natürlich, wenn wir statt 40 Einsätzen nur zu fünf Streufahrten ausrücken müssen. Dies kam in den letzten Jahren immer häufiger vor. Die Planungssicherheit fehlt.

Gernot Schünemann
LU Gernot Schünemann betreibt ein Lohnunternehmen in der Nähe von Hildesheim. Der Betrieb mit sieben Mitarbeitern ist unter anderem auf die Pflege von Friedhöfen spezialisiert.

Ich wünsche mir eine angemessene Vergütung für unsere Arbeit.

Gernot Schünemann, Lohnunternehmer

LU: Welche Rolle spielt das Thema Mitarbeiter?

Schünemann: Das ist ein großes Problem. Ich finde in meiner Region keine Mitarbeiter mehr. Hilfskräfte könnte ich haben, aber das hilft langfristig nicht. Ich brauche gut ausgebildetes Fachpersonal. Ich könnte sofort bis zu zehn weitere Personen gebrauchen. Natürlich wirkt sich auch das auf die Durchführung des Winterdienstes aus - diese anstrengende Tätigkeit möchten nur wenige machen.

LU: Wie könnte für Sie eine passendere Lösung aussehen?

Schünemann: Ich kenne ein Beispiel aus Bayern. Dort wird eine gewisse Vorhaltesumme pro Monat veranschlagt. Übersteigt die Anzahl der Einsätze diese Summe, dann kostet jeder weitere Einsatz zusätzlich. Mit der Veranschlagung einer solchen Pauschale könnte deutlich besser kalkuliert werden.

Faulhaber: Wir haben diese Art der Abrechnung bei einem unserer Kunden in den letzten Jahren durchgeführt. Dies veranlasste das den Kunden dazu, seine Pauschale voll auszunutzen. Selbst bei 3 Grad Plus wurden wir gerufen und sollten streuen. Häufig wird dadurch Salz unnötigerweise in großen Mengen ausgebracht.

 

Jens Faulhaber
LU Jens Faulhaber beschäftigt zwölf Mitarbeiter in der Nähe von Göttingen und führt neben landwirtschaftlichen Dienstleistungen auch kommunale Arbeiten aus. Dazu gehören der Winterdienst, Mäharbeiten oder die Abfuhr auf Baustellen.

LU: Betrifft das Privatkunden, oder kommunale Auftraggeber?

Faulhaber: Diesen Fall hatten wir bei einem kommunalen Auftraggeber, für den wir Rufbereitschaft hatten. Bei gewerblichen Kunden streuen wir eigenverantwortlich, aber ohne Pauschale.

Sebastian Persinski: Das veranschlagen einer gewissen monatlichen Summe ist in Regionen mit zuverlässigen Wintern sicherlich einfacher. Wie hoch die Bereitstellungspauschale ausfällt, ist Verhandlungssache. Jedoch kann man in normalen Wintern davon ausgehen, dass sie, weil es auch wirklich erforderlich ist, abgearbeitet wird.

Uwe Weddige: Das ist richtig. Wenn es hier große Engpässe im Winter geben würde, dann würden wir hier nicht sitzen. Doch wie gehen Sie damit um, wenn es zu einem wirklichen Engpass im Winter kommt?

Faulhaber: Im Raum Göttingen fragen dann viele Unternehmen an - derartige Aufträge lehne ich aber konsequent ab.

Schünemann: Das ist genau das Problem. Regelmäßiges Streuen am Morgen ist kein Problem. Dann können wir zuverlässig eine gute Leistung erbringen. Aber in Ausnahmesituationen gelingt das nicht mehr. Dies schadet unserem Image, denn wir wollen als Lohnunternehmer schließlich die besten und zuverlässigsten Partner sein.

Franz: Das ist bei uns auch so - sobald es schneit wird es problematisch, die Dienstleistung ordnungsgemäß zu erfüllen.

 

Jan-Georg Franz
Der Lohnbetrieb von Jan-Georg Franz wird gemeinsam mit der Familie in der dritten Generation geführt. Der Betrieb mit 28 Angestellten bedient bis zu 300 Privatkunden im Winterdienst und ist außerdem auf die Pflege von Friedhöfen spezialisiert.

Wir erreichen unsere Kostendeckung über die Häufigkeit.

Jan-Georg Franz, Lohnunternehmer

LU: Woran scheitert die Durchsetzung einer Pauschale?

Schünemann: Ich kann nur von einem Beispiel aus meiner Praxis berichten. Ich habe von einem Markt die Anfrage bekommen, ob ich den Winterdienst wieder übernehmen könnte. Ich habe angekündigt, dass ich eine Pauschale für die gesamte Saison verlangen werde und möchte zusätzlich Geld für Einsätze, die darüber hinausgehen. Ich konnte es jedoch nicht durchsetzen, die Kunden für eine monatliche Pauschale zu gewinnen. Der Druck ist anscheinend nicht hoch genug bzw. findet sich immer jemand, der es billiger macht.

Franz: Für einen unserer Märkte fahren wir bis zu 23 Einsätze. Alles was darüber hinausgeht, muss bezahlt werden. Aber auch dort habe ich es schon erlebt, dass es zu Diskussionen beim 24. Einsatz kam. Bei der Unterstützung einer Straßenmeisterei gibt es dagegen gar keine Probleme, denn die Mannschaften sind ohnehin deutlich häufiger unterwegs.

Faulhaber: Das kann aber auch so aussehen, dass pünktlich zum 01. Oktober Salz gestreut wird, egal wie die Temperatur aussieht. Wir haben uns daher mittlerweile von fast allen Märkten als Kunden verabschiedet - dies lohnt sich nicht mehr für uns.

Uwe Weddige
Uwe Weddige ist Geschäftsführer des Maschinenrings Niedersachen, dessen Mitgliedsbetriebe sich häufig für die Durchführung des Winterdienstes zusammenschließen.

Bester Dienstleister heißt für mich niemals der billigste.

Uwe Weddige, Geschäftsführer Maschinenringe

Schünemann: Das ist ein wichtiger Punkt - wir Lohnunternehmer sollten uns nicht unter Wert verkaufen.

Weddige: Es ist in der Tat so, dass der Kunde langfristig zum besten Dienstleister geht. Vielleicht nicht beim ersten Mal, aber am Ende zahlt sich gute Leistung aus. Jedes Angebot muss vermarktbar sein, das müssen Sie als Lohnunternehmer im Hinterkopf haben. Häufig vergessen die Auftraggeber leider, dass sich schlecht bezahlte Dienstleister nicht lange am Markt halten können und sich somit das Angebot ausdünnt - dies führt langfristig wieder zum Anstieg der Preise. Bester Dienstleister heißt für mich niemals der billigste. Das andere, worauf ich Wert lege: Man muss nicht mit jedem Kunden ein Geschäft machen. Leider erlebe ich es viel zu oft, dass manche angebotene Dienstleistung durch andere Arbeiten des Betriebs mitfinanziert wird. Das kann es eigentlich nicht sein. Vieles wird immer teurer, wie zum Beispiel Maschinen. Doch um wie viel ist der Preis für das Maishäckseln in den letzten Jahren gestiegen?

 

LU: Wenn Sie sich für die Zukunft etwas wünschen könnten, was wäre es?

Schünemann: Ich würde mir einerseits eine angemessene Vergütung für unsere Arbeit wünschen. Andererseits wäre eine Anerkennung der Arbeit, also zunehmende Wertschätzung wünschenswert.

Franz: Wirtschaftlich kann ich mich im Moment nicht beschweren, da wir genügend Auftraggeber haben, die gut zahlen. Trotzdem wäre auch für uns eine monatliche Pauschale eine gute Absicherung.

Faulhaber: Ich sehe das ähnlich und schätze, dass wir in Zukunft nicht um eine monatliche Grundpauschale herumkommen werden. Dafür ist das Wetter zu unsicher geworden. Außerdem kann ein monatliches Grundgehalt als Anreiz zur Mitarbeitergewinnung dienen. Auch in Monaten ohne Winterdiensteinsätze wollen diese schließlich bezahlt werden. 

Weddige: Für mich ist es wichtig, dass in Zukunft der Leistungsaspekt noch stärker in den Vordergrund gerückt wird und man sich dazu Verbündete in den eigenen Reihen sucht. Wenn alle an einem Strang ziehen, sind die Chancen am besten etwas zu verändern.

Das Gespräch führte Maren Vaupel, Redaktion LOHNUNTERNEHMEN

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