Online auf den Punkt

Mitte März fand die erste Online-Fachtagung des Bundesverbandes Lohnunternehmen statt. Es ging um Digitalisierung, Strukturwandel und Förderung.
Fotos: Lützen

Es war mal wieder eine Premiere, denn bis 2020 waren die Fachtagungen Nord, West und Süd als Präsenzveranstaltungen das Maß der Dinge. Aus bekanntem Grund ließ sich das Konzept in diesem Jahr nicht umsetzen und so entschied sich die BLU-Geschäftsstelle, aus drei Veranstaltungen ein Online-Meeting für die Mitglieder des Verbandes anzubieten. Vier spannende Vorträge standen auf dem Programm, durch das BLU Geschäftsführer Dr. Hartmut Matthes souverän führte.

Den Anfang machten betriko-Geschäftsführer Torben Calenberg sowie Martin Schönberg, 365 FarmNet, die eine neue digitale Schnittstelle dieser beiden Managementlösungen vorstellten. Dadurch können sich Lohnunternehmer, die mit der betriko-Software Agrarmonitor arbeiten, Auftragsdaten online von Landwirten zusenden lassen, die 365 FarmNet nutzen. Andersherum soll es möglich sein, dass der Kunde des LU die Dokumentation des Auftragserledigung quasi in Echtzeit über sein Managementsystem einsehen kann. Aus Sicht der beiden Softwareunternehmen würde diese Vereinfachung bzw. Automatisierung des Auftrags- und Dokumentationsmanagements zu Effizienzsteigerungen und Fehlerminimierung führen.

Wandel in der Landwirtschaft

Im zweiten Part der Fachtagung stellte Sven Häuser, DLG-Fachzentrum Landwirtschaft, Daten zum aktuellen Strukturwandel bei den viehhaltenden Betrieben vor. Anhand dessen erläuterte er, welche Risiken und Chancen sich daraus zukünftig für die Lohnunternehmer ergeben. Die Tierhaltung in Deutschland stehe derzeit von vielen Seiten unter Druck: Corona, Klimawandel und Emissionen aus der Landwirtschaft, ASP sowie Vogelgrippe, Fleischalternativen, die Düngeverordnung, das Image der Landwirtschaft – das waren Punkte, die Sven Häuser unter diesem Punkt zusammenfasste.

Die Zahl tierhaltenden Betriebe hat in den letzten zehn Jahren deshalb abgenommen. Bei den Milchviehhalter haben beispielsweise jährlich 3 bis 5,5 % die Produktion aufgegeben, die Tierzahlen pro Betrieb hingegen sind gewachsen. Die Landwirte sehen wachsende Anforderungen vor allem im Tier- und auch im Nährstoffmanagement. Eine professionelle Zusammenarbeit mit dem Dienstleister kann und sollte hier für Entlastung bei den Tierhaltern sorgen, erklärte Sven Häuser. Gemeinsam mit den Lohnunternehmern sei es möglich, weniger Verluste zu erzeugen, präziser und somit insgesamt effizienter zu arbeiten.

Ein ähnliches Bild zeichnete im Dr. Carl-Christian Meyer, Gesellschafter der Ackerbaubetriebsberatung BB Göttingen GmbH. Die Auswertung der Betriebe habe in den letzten zwei Jahrzehnten gezeigt, dass die Kostenseite kaum noch zu senken sei. Der Reinertrag pro Hektar hätte sich von 1983 bis heute kaum geändert und liege im Schnitt bei etwa 600 €/ha. Die Ackerbaubetriebe hätte Probleme, die Arbeitserledigungskosten zu senken. Der technische Fortschritt führe zwar dazu, dass eine Person im Stande ist, mehr zu leisten als von zehn Jahren. Durch steigende Löhne und höhere Anschaffungskosten für die Technik werde dieser Fortschritt aber wieder egalisiert. Der Einsatz von Lohnunternehmern zur Senkung der Maschinenkosten sei aber immer noch für viele Ackerbauern keine echte Alternative. Ein Dienstleister müsse deshalb heute mehr als eine technische Tätigkeit anbieten. Vielmehr müsse der Lohnunternehmer mit geschultem Personal eine perfekte Arbeit abliefern und im Optimalfall die Dokumentation sowie die fachliche Beratung für den Ackerbauer mit übernehmen, erklärte Dr. Carl-Christian Meyer. Viele Betriebe, die die BB Göttingen berät, wollen sich bisher allerdings die Möglichkeit offenhalten, mit dem eigenen Maschinenpark reagieren zu können, da sie sich nach eigener Einschätzung nicht immer zu 100 % auf die Lohnunternehmer verlassen können. Dabei werde immer noch Technik gekauft, die falsch kalkuliert und nicht ausgelastet wird.

Verteilung der Bauernmilliarde

Die Förderung des Kaufs umweltschonender Dünge- und Pflanzenschutztechnik durch die sogenannte „Bauernmilliarde“ war das abschließende Thema der Fachtagung. Dr. Klaus Hollenberg von der Landwirtschaftlichen Rentenbank in Frankfurt, die die Verteilung der Fördergelder prüft und abwickelt, gab Einblicke in die aktuelle Beschlusslage. Nachdem der erste Antragstermin gelaufen ist und zum Teil für Chaos gesorgt hat, da z.B. Server überlastet waren, hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, in dessen Auftrag die Rentenbank handelt, ein neues Antragsverfahren ausgearbeitet. Alle Antragsteller sollen sich nun ohne Zeitdruck registrieren und ihre Formulare bearbeiten können. Bei der nächsten Ausschüttung Ende April wird dann das Los entscheiden, wer eine Förderung bekommt. Weiterhin werden auch Lohnunternehmer bei diesem Programm berücksichtigt. Die genauen Bedingungen können hier nachgelesen werden: www.kurzelinks.de/bauernmilliarde

BLU-Präsident Klaus Pentzlin erklärte dazu, dass der Verband glücklich sei, dass die Lohnunternehmer bei der Vergabe der Bauernmilliarde Berücksichtigung finden. Wenngleich er sich als Präsident der Dienstleister immer dafür ausgesprochen habe, von Techniksubventionen abzusehen. Diese würden innovative Betriebe, zu denen er viele Lohnunternehmer zählt, die neue Technik und Verfahren marktfähig machen, bestrafen. Außerdem würde diese Förderung landwirtschaftliche Betriebe dazu verleiten, in Technik investieren, die einzelbetrieblich nicht sinnvoll ausgelastet werden kann. Das Geld der „Bauernmilliarde“ hätte nach Meinung Klaus Pentzlins sehr viel effektiver auf die notwendige Weiterentwicklung der Landwirtschaft gewirkt, wenn Maßnahmen wie die Arbeitserledigung gefördert worden wäre. So aber würde ein Status Quo in der Landwirtschaft über Jahre zementiert und die Umsetzung der viel diskutierten „Farm-to-Fork-Strategie“ der EU mit durchgängigen digitalen Dokumentationsketten von der Produktion bis auf den Teller des Verbrauchers ausgebremst. Der Einsatz der Lohnunternehmer hätte sich hier als Teil der Dokumentationskette mit ihrer fortschrittlichen Technik angeboten.

Nach zweieinhalb Stunden war die kurzweilige Online-Fachtagung beendet. Schade, dass man im Anschluss nur den Rechner runterfahren und zum Abendbrot gehen konnte. Wäre dies eine Präsenzveranstaltung gewesen, hätte es mit Sicherheit noch sehr viele Diskussionen und Gespräche im informellen Teil der Tagung gegeben.

Björn Anders Lützen,
Redaktion LOHNUNTERNEHMEN

 

LU Tipp:

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Die gesamte LU-Fachtagung wurde aufgezeichnet und kann kostenlos auf dem YouTube-Kanal des Bundesverbandes Lohnunternehmen abgerufen werden: www.kurzelinks.de/blu-fachtagung

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