Wachsamkeit ja, Panik nein

Experten prognostizieren hohen Weltmarktanteil für „kultiviertes Fleisch“ bis zum Jahr 2040.
Experten gehen davon aus, dass Fleisch aus konventioneller Tierhaltung bis 2040 weltweit einen Anteil am Fleischkonsum von nur noch 40 % Anteil haben könnte. Die komplette Studie (englisch) ist abrufbar unter: https://kurzelinks.de/Zukunft-des-Fleischmarktes

Liebe Leser:innen,

kennen Sie kultiviertes Fleisch? Dabei handelt es sich nicht um eine besonders stilvolle Weise, sein Steak zu essen. Vielmehr bezeichnet dieser Begriff ein Produkt, das in sogenannten Bioreaktoren erzeugt wird. Stammzellen in die Petrischale, Nährlösung dazu, optimale Wachstumsbedingungen sicherstellen – fertig. Zugegeben, diese Beschreibung ist sehr verkürzt, denn ganz so einfach ist es natürlich nicht, diese Fleischart zu produzieren. Aber eines ist es garantiert: Realität, also keine Spinnerei. Wenn die Expertenerwartungen zutreffen, wird in den kommenden zwei bis drei Jahren marktreif und im Handel zu kaufen sein. Mehr noch: Wie die Grafik zeigt, gehen Schätzungen davon aus, dass diese Form des „Fleisch ohne Tierhaltung“ bis zum Jahr 2040 weltweit einen Marktanteil von über 35 % haben könnte. Das stellt somit eine in der Landwirtschaft nie gekannte disruptive Entwicklung dar, die unsere gesamte bisherige Form der Land- und Fleischwirtschaft in Frage stellt.

Rückblick: Digitaler BLU-Empfang

Na klasse, denken Sie jetzt vielleicht, reicht‘s noch nicht? ASP, Schweinestau vor den Schlachthöfen, Düngeverordnung, Umweltauflagen, Veganer-Welle – und jetzt noch Retortenfleisch? Kein Wunder, dass immer mehr Bauern der Tierhaltung den Rücken kehren – und damit auch ein Dienstleistungsbereich der Lohnunternehmer zunehmend unter Druck gerät. Deshalb war es gut und richtig, dass der Bundesverband Lohnunternehmen u.a. dieses Thema mit seinem digitalen BLU-Empfang in den Fokus rückte und als Gastredner Prof. Dr. Nick Lin-Hi von der Uni Vechta einzuladen. Er erläuterte den Trend des kultivierten Fleisches, zeigte sehr anschaulich auf, welche Dynamik das Thema seines Erachtens bekommen wird und warum es so wichtig ist, dass Deutschland den Anschluss nicht verpasst. Denn es nützt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken und zu hoffen, dass alles Unerwünschte vorüberziehen möge. Als Unternehmer ist es wichtig, sich mit Trends – und seien sie noch so unerfreulich – auseinanderzusetzen und auf Veränderungen eigene Antworten zu finden.

Jens Noordhof, Chefredakteur

Chancen und Trends erkennen

Man muss also kein Hellseher sein, um zu ahnen: So wie bisher geht es auf Dauer nicht weiter. Trotzdem bin ich überzeugt, dass für Lohnunternehmer kein Grund zu Panik besteht. Huhn, Schwein & Co. werden nicht von heute auf morgen aus Deutschland verschwinden. Und es gibt sicher auch neue Chancen, die sich aus der Entwicklung ergeben. Wichtig ist jedoch, diesen und ähnliche Trends (Stichwort Biogas) zu verfolgen, das Marktumfeld regelmäßig zu analysieren und Strategien zu entwickeln, wie das eigene Lohnunternehmen bei Bedarf anders aufgestellt werden kann. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen weiterhin ein gutes Gespür, Zeit zum Nach- sowie Überdenken und Zuversicht – denn Dienstleistung im ländlichen Raum bleibt eine Zukunftsperspektive.

Jens Noordhof, Redaktion LOHNUNTERNEHMEN