April 2006: LU von Otte ist Kartoffelspezialist
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„Wir fahren fast das ganze Jahr über, von Mitte Juni bis Mitte Mai des nächsten Jahres, Kartoffeln. Dadurch kann ich auch meine zwei festen Mitarbeiter durchgehend beschäftigen.“ verrät er.
Für rund 450 Kunden ist er das Jahr über im Einsatz. 26 davon sind feste Kartoffelkunden. Er arbeitet auf 25 landwirtschaftlichen Betrieben, die der Erzeugergemeinschaft Badbergen angehören. Der größte Kartoffelkunde von Gerd von Otte ist ein Abpackbetrieb, der auf etwa 120 ha Fläche eigenen Kartoffelanbau inklusive eigener Vermehrung betreibt. Das Unternehmen besitzt eigene Lagerkapazitäten und verkauft abgepackte Ware unter anderem an einen großen Lebensmittel-Discounter. „Wir haben dort 100 ha unter Komplettbewirtschaftung, erledigen also alles: Die Pflanzbettbereitung, das Legen, die Pflege, den Pflanzenschutz, die Ernte und den Abtransport der Rodeware ins Lager. Bei Bedarf springen meine Leute auch beim Abladen und Einlagern ein. Schließlich liegt es auch in meinem Interesse, dass meine Roder keine Leerzeiten verursachen.“ begründet von Otte.
Transport
Die Kartoffeln der EZG werden zum Teil von einem Sortierbetrieb aufbereitet. Der damalige Spediteur dieser Firma sprang ab, so dass Gerd von Otte gemeinsam mit einem seiner Nachbarn, der ebenfalls ein Lohnunternehmen führt, relativ kurzfristig den Transport übernahm.
Als Gerd von Otte 1991 in den elterlichen Lohnbetrieb einstieg, brachte er den Dienstleistungsbereich Kartoffelbau mit ins Unternehmen, der bis heute kontinuierlich ausgebaut werden konnte.
Im Lohnunternehmen Otte wird mit Flüssigbeiztechnik gearbeitet: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass flüssig gebeizte Ware einen besseren und gleichmäßigeren Auflauf zeigt als trocken oder nicht gebeizte Ware.“
„Innerhalb von nur zwei Tagen mussten wir, um den Auftrag zu bekommen, drei Züge a zwei 18-Tonnen-Anhänger, plus Schlepper und Arbeitskräfte bereitstellen.“ berichtet er Gerd von Otte. Er und sein Kollege kauften sich jeder einen Schlepper und einen Zug, der dritte Zug wurde zunächst gemietet und später gemeinsam übernommen. Heute transportieren sie schon im vierten Jahr für den Sortierbetrieb. „Wir arbeiten immer so, dass ein Zug gerade beladen wird und zwei unterwegs sind. In der Saison fahren wir bis zu sechs Touren am Tag, wobei die Liefertermine zwischen 4.30 Uhr und 19.00 Uhr liegen“, schildert von Otte den Ablauf. Die transportierte Ware wird über die EZG für die Kartoffelverarbeitungsunternehmen Wernsing Feinkost GmbH im 14 km entfernten Essen-Addrup und Schne-Frost Ernst Schnetkamp GmbH & Co im 25,5 km entfernten Löningen angebaut. Die Kooperation zwischen den zwei Lohnunternehmern intensivierte sich dann weiter durch einen zusätzlichen gemeinsamen Auftraggeber, ein Kartoffelanbauer der Region mit über 200 ha Anbaufläche. „Im ersten Jahr waren es insgesamt 70 ha, also 35 ha für jeden. Mittlerweile haben wir den Auftrag für zusammen 170 ha, wobei wir heute pflanzen, häufeln, düngen, roden und teilweise auch abtransportieren.“ meint von Otte zufrieden.
Pflanzen
Gepflanzt wird mit einer GL 34 KG und einer VL 20 KLS, beide von Grimme, die jeweils hinter einem John Deere 140 PS Schlepper mit jeweils einer Kreiselegge in der Frontanhängung laufen. Vorm Pflanzen wird mit den Anbauberatern die Sorte für jede einzelne Fläche besprochen. Für die Kunden werden Kartoffeln im frühen, mittelfrühen und späten Segment gepflanzt. Die beiden Pflanzmaschinen sind somit kontinuierlich in Einsatz.
Pflegemaßnahmen Kurz nach dem Pflanzen werden die verschiedenen Düngersorten ausgebracht und dann mit den Häufelfräsen angehäufelt. „Seit der letzen Saison arbeiten wir verstärkt mit Fahrgassen, so dass die Pflanzmaschinen und Häufelfräsen umgerüstet wurden. Der folgende Pflanzenschutz kann nun mit breiteren Reifen vorgenommen werden. Dadurch versucht man die Qualität der Kartoffeln im Bereich der Fahrgassen zu verbessern. Diese Maßnahme lohnt sich aber erst bei Arbeitsbreiten ab 27 Meter.“ erklärt von Otte.
Bei manchen Kunden pflanzt und häufelt Gerd von Otte, rodet aber nicht, und bei anderen wird nur gerodet und abgefahren. „In letzterem Fall liegt es wahrscheinlich daran,“ so mutmaßt er „dass der Kunde Pflanzen und Häufeln in einem Arbeitsgang für besser hält.“ Er selbst ist kein Verfechter dieser Arbeitsweise: „Laut einigen Fachberatern setzen die Kartoffeln unter Umständen nicht so viele Stolonen an, wenn sie direkt in einen gehäufelten Damm gelegt werden. So sind viele unserer Kunden ebenfalls der Meinung, dass man erst kurz vor dem Durchstoßen der Pflanzen häufeln sollte. Befürworter der kombinierten Arbeitsweise wiederum behaupten, dass man bei anschließendem Häufeln die Stolonenansätze beschädigen würde. Ich sehe aber vor allem auch das Problem, dass ich in dem Fall zum Spritztermin keinen ausreichend abgesetzten Damm habe, denn nach meiner Erfahrung wirken die Bodenherbizide bei einem abgesetzten Damm besser.“ Von Otte bringt das Herbizid gemeinsam mit AHL aus, da dann eine bessere Herbizidwirkung zu erwarten ist. „Das machen wir jetzt seit drei Jahren so und fahren bisher ganz gut damit.“ resümiert er.
Gerodet wird mit zwei SE 150-60, beide von Grimme, mit einer Auslastung von knapp 400 ha pro Saison.
Roden Gerodet wird mit zwei SE 150-60, beide von Grimme. Gezogen werden die Geräte mit den Schleppern, die auch vor den Pflanzmaschinen laufen. Durch einen relativ hohen Anteil von frühen und mittelfrühen Kartoffeln sind die Roder schon ab Anfang Juli unterwegs. Somit kann eine Auslastung von knapp 400 ha pro Saison ermöglicht werden. Für eine schnelle und reibungslose Einlagerung hat Lohnunternehmer von Otte den Abtransport bei einigen Kunden komplett übernommen: „So kann ich die Wartezeiten der Roder verringern. Auch hier ist die Zusammenarbeit mit meinem Nachbarn bei dem Kartoffelanbauer mit zusammen 170 ha ist eine super Sache. Es kommt schon mal vor, dass kurzfristig Ware geliefert werden muss, dann ruft der Kunde einfach einen von uns beiden an. Wir organisieren den Rode- oder Transportauftrag dann untereinander – je nachdem wer grad Kapazitäten frei machen kann. Derjenige meldet sich dann wieder beim Kunden und spricht die weiteren Einzelheiten ab.“
Abrechnung Bei Gerd von Otte bezahlt jeder Kunde den gleichen Preis, egal ob für 100 ha und 4 ha. Alle Dienstleistungen bis auf den Pflanzenschutz werden nach ha abgerechnet. Für dieses Jahr hat von Otte wegen der gestiegenen Dieselkosten seinen Rodepreis erhöht. Für Anfahrt und Rüstzeit berechnet er zusätzlich 10 Euro pro Fläche. Beim Pflanzenschutz wird ein Grundbetrag pro ha plus ein Aufpreis von 5 Euro pro Fläche in Rechnung gestellt. „Die kleineren Landwirte haben dadurch einen Nachteil, aber ich muss mehr Geld nehmen wenn ich 5 ha Weizen auf 6 Flächen anstatt auf einer Fläche zu spritzen habe.“ so seine Begründung.
Lückenlose Dokumentation Dokumentation wird immer wichtiger. Der Meinung ist auch Lohnunternehmer Gerd von Otte, der nach den Richtlinien der sogenannten EurepGAP dokumentiert. Er sieht seine Aufgabe zunächst in der Unterstützung seiner Kundschaft: „Im Zuge der GAP Reform muss in Zukunft der Anbau lückenlos dokumentiert werden, dadurch sitzen Landwirt und Lohnunternehmer in einem Boot.“
EurepGAP (Euro-Retailer-Produce-Working Group) ist eine Partnerschaft von Produzenten landwirtschaftlicher Erzeugnisse und deren Handelspartnern, dessen Anliegen es ist, akzeptierte Standards und Verfahren für die internationale Zertifizierung von Guter Agrarpraxis (GAP) zu entwickeln.
Aber was bedeutet das für den Lohnunternehmer?
„Auf mich wird einiges an Mehrarbeit zukommen. Für uns lief es im vergangenem Jahr mit der EZG so ab, dass wir Formblätter erhielten, in die wir die für die Dokumentation relevanten Daten eingetragen haben. Diese Unterlagen gingen dann per Fax an den Landwirt, der wiederum seine Daten eingeben musste und das ganze dann an die EZG weitergeschickt hat. Vergleichbar lief das auch mit Entrup. EZG und Entrup haben diese Daten dann in ihre digitale Ackerschlagkartei übertragen. Im nächsten oder übernächsten Jahr werde ich die Daten sicherlich auch nicht mehr per Fax sondern digital liefern. Wer in Zukunft Kartoffeln anbauen und vermarkten möchte, muss die Anforderungen nach EurepGAP erfüllen. Sorge bereitet uns Lohnunternehmern die wegfallende Dieselrückvergütung. Beim Kartoffelanbau bedeutet dies, ca. 40-55 Euro pro Hektar Mehrkosten für den Landwirt.“ gibt von Otte zu bedenken.