August 2005: LU Schwanke preßt Qualität in Rollen und Quader

Lohnunternehmer Bernhard Schwanke presst jährlich ca. 50.000 Ballen, davon sind ca. 2500 Ballen Silage und 5000 bis 6000 Heuballen. Das Gros ist Stroh. Quaderballen machen ca. 70 % aus, und die verbleibenden 30 % werden in Rundballen gepresst.

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In der Region rund um Osnabrück herrscht eine erhebliche Lohnunternehmerdichte, viele Unternehmen bieten zudem ein sehr breit gefächertes Spektrum von Agrardienstleistungen an. Um in einem so intensiven Wettbewerb als Dienstleistungsanbieter nicht in die Dumpingfalle zu geraten, ist Spezialisierung eine gute Alternative. ?Nur wer einen Markt genau kennt hat eine gute Position im Wettkampf um Kunden und Abnehmer?, so LU Bernhard Schwanke.

Die Qualität muss stimmen Traditionell wurde in der Region unweit der niederländischen Grenze schon immer mit Stroh gehandelt. Die landwirtschaftlichen Betriebe verkauften ihr überschüssiges Stroh an niederländische Händler. Durch den beschleunigten Strukturwandel in der Landwirtschaft, insbesondere die Spezialisierung auf Ackerbau oder Viehhaltung, und die damit verbundene strohlose Haltung in der Mast, verblieb das Stroh als ?Abfall? auf den Flächen.

Hier erkannte Bernhard Schwanke seine Chance. Denn parallel zum Nachfrageeinbruch an Stroh in der Landwirtschaft, stieg die Nachfrage im nachgelagerten Bereich und in der Freizeittierhaltung, wie zum Beispiel auf den Reiterhöfen. Für diese Kunden sind jedoch bestimmte Kriterien von Bedeutung. Zuverlässige Lieferung von gleichbleibender Qualität und das in ausreichenden Mengen. Diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist auch im Stroh nicht einfach.

Vom Feld direkt ins Lager Gut 50 % der gepressten Ballen kauft Schwanke direkt bei den Landwirten. Die zweiten 50 % werden im Lohn gepresst und bei Bedarf von den Landwirten gekauft. Bei der Frage nach dem Mähdrescher lacht Schwanke, ?ich könnte mich so intensiv nicht um das Stroh kümmern, wenn ich das Dreschen anbieten würde. Sicherlich könnte die Presse direkt hinter dem Mähdrescher herfahren, aber damit ist es ja nicht getan. Das Stroh muss möglichst schnell vom Acker, damit der Landwirt mit der Stoppelbearbeitung beginnen kann, und bei unbeständigem Wetter haben wir mit dem Stroh ebenso enge Zeitfenster, wie bei der Ernte des Korns.? Hier arbeitet Bernhard Schwanke schon von Anfang an sehr eng mit seinem Nachbarn, dem Lohnunternehmer Andreas Lührmann aus Neuenkirchen zusammen.

Während der Hauptsaison von Mitte Juli bis Ende August arbeitet ein festes Team von ca. zehn Saisonkräften auf dem Betrieb. Die Mitarbeiter sind seit mehreren Jahren während der sechswöchigen Saison im Einsatz.
Möglichst zeitnah nach dem Getreidedrusch beginnt bereits ein Mitarbeiter mit dem Pressen. Sobald die ersten Ballen liegen, sammelt ein zweites Gespann die Ballen vom Feld. Das Balleneinsammeln wird professionell mit einem Ballensammelwagen von Arcusin E 2200 erledigt. Mit einer mittleren Bergegeschwindigkeit von ca. 12 km/h und knapp drei Minuten Ladezeit pro Ballen ist dieser Arbeitsschritt nicht nur ziemlich schnell, sondern schont auch die Technik und den Acker, denn es kann in Spurrichtung gearbeitet werden. Auf diese Weise können bis zu 19 Tonnen Stroh pro Stunde geborgen und am Feldrand gelagert werden. Parallel belädt einer der beiden Teleskoplader, ein Claas K60 oder ein John Deere 3020 die beiden Transportwagen von Frost. ?Bis zur vorletzten Saison haben wir das Stroh mit alten Lkw-Anhängern vom Feld geholt. Die Teleskoplader sind mit einem Kombigerät von Delger, einer Kombination von Zange und Gabel, ausgestattet. Sicherlich ist das nicht die teuerste Lösung, zumindest nicht auf den ersten Blick.

Wenn ich einen Lkw-Anhänger gekonnt belade finden 32 Ballen Platz, auf den Transportwagen von Frost gehen bis zu 53 Ballen. Die Rechnung ist einfach: Wenn jeder Fahrer zweimal fährt habe ich 212 Ballen vom Feld. Um dieselbe Menge mit Lkw-Anhängern zu transportieren sind fast 7 Fahrten notwendig. Durch die größere Transportkapazität lässt sich faktisch ein Gespann einsparen. Das rechnet sich weil ich einen Fahrer weniger brauche und ein Traktor zum Pressen frei bleibt, sofern ich nicht einen weiteren Traktor kaufen wollte. Sollte dem so sein, läuft der Traktor vor einer Presse!? rechnet LU Schwanke vor. Die Ballen werden zentral gelagert in zwei Hallen, die beide eine Grundfläche von ca. 3600 m² haben. Eine Halle ist angemietet, die andere gerade fertiggestellt und steht auf dem Betriebsgelände von Schwanke. Die zentrale Hallenlagerung erhält nicht nur die Strohqualität der Ballen, sondern gewährleistet auch eine exakte Bestandsübersicht, die nicht weniger wichtig ist, um den Kunden mit ihren unterschiedlichen Anfragen gerecht zu werden. Pressen mit Profis Gepresst wird sowohl in Rund- als auch in Quaderballen. Die Rundballen werden ausschließlich mit Krone-Pressen gepresst. Die Quaderballen werden mit drei Claas 2200 und einer Krone ?in Form gebracht?. Von Anfang an hat Bernhard Schwanke mit Claas-Pressen gearbeitet. ?Mit unseren Claas-Pressen sind wir hier beinahe alle verwachsen. Jeder Mitarbeiter hört ob sich die Presse wohlfühlt oder nicht,? meint Bernhard Schwanke lachend. Das Einstellen und die Bedienung der Geräte ist für die Mitarbeiter absolute Routine. Nichtsdestotrotz ist der Unternehmer auch technischen Neuerungen und Alternativen aufgeschlossen. Aus diesem Grund ist auch die Krone auf dem Hof. Auf unsere Frage, wo denn der Unterschied zwischen der Claas- und der Krone-Presse läge, überlegt Schwanke keinen Moment und meint verschmitzt: ?Die Krone mag das dickere Schwad.?

Alle Pressen sind mit einem Schneidwerk ausgestattet und können sowohl im Gras als auch im Stroh laufen. Eine besondere Ausstattung ist die Feuchtigkeitsmessung. Für den Strohspezialisten sind weitere wichtige Anforderungen die exakte Einstellungsmöglichkeit der Ballengröße und Ballengewichte. Zudem müssen handelsfähige Ballen nicht nur durch die Strohqualität überzeugen, sondern auch durch die Formstabilität, denn sie werden mehr als einmal bewegt.

Autor: Kai Hasse