August 2013: LU Rothkopf
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Lohnunternehmen: Warum sind Sie in den Pflanzenschutz eingestiegen?
Jan Rothkopf: Ich
wollte mein Unternehmen ausbauen und mein Dienstleistungsangebot um einen neuen
Bereich erweitern. Für den Pflanzenschutz habe ich mich entschieden, weil ich
denke, dass sich damit in meiner Region mit der richtigen Technik noch Geld verdienen
lässt. Ich halte die
Pflanzenschutzspritze im Vergleich zu anderer Großtechnik für relativ verschleißarm
und rechne mit vergleichsweise geringen Kosten für Wartung und Reparatur. Außerdem passt der Pflanzenschutz zeitlich gut in
meine Betriebsabläufe.
LU: Das heißt Sie haben diesen Betriebszweig komplett neu
aufgebaut, inklusive Technik, Kundenakquise und Fachwissen?
Rothkopf: Ja, das war
für mich ein Sprung ins kalte Wasser, aber ich habe mich natürlich im Vorfeld
in alle Richtungen schlau gemacht und versucht, mich bestmöglich abzusichern.
LU: Was heißt das?
Rothkopf: In unserer
Region arbeiten zwar schon andere Lohnunternehmer erfolgreich im
Pflanzenschutz, mit Spezialtechnik habe ich aber trotzdem ein lukratives
Geschäftsfeld für mich gesehen. Ich habe gezielt in einen Selbstfahrer mit
modernster Pflanzenschutztechnik und -elektronik investiert, um mich vom
Wettbewerb abzusetzen. Die Spritze besitzt ein Tankvolumen von 4000 l eine
Gestängebreite von 30 m. Ich fahre
die Spritze selbst und habe dafür den Sachkundenachweis Pflanzenschutz gemacht,
arbeite bisher aber noch so, dass ich bei einem neuen Auftrag bzw. einer neuen
Maßnahme immer einen Fachmann zu Rate ziehe. So lerne ich automatisch dazu,
sammle Erfahrung und informiere mich regelmäßig über neue Pflanzenschutzmittel.
LU: Wie kommt man
völlig unbeleckt im Pflanzenschutz an Aufträge?
Rothkopf: Durch
Mundpropaganda und aktives Marketing. Hauptsächlich sind die Landwirte auf mich
zugekommen. Aber ich habe auch Werbung gemacht über den Maschinenring, das
Bauernblatt und ich habe Flyer versendet.
LU: Warum musste es
unbedingt ein Selbstfahrer sein?
Rothkopf: Vor allem
wollte ich mich über die Technik von Wettbewerb abgrenzen. Meine Spritze
verfügt beispielsweise über GPS-gesteuerte Teilbreitenschaltung,
Vierradlenkung, automatische Dokumentation, hohe Flächenleistung und die nötige
Bodenfreiheit für eine Rapsblüten- oder Maiswurzelbohrerbehandlung. Das alles
bietet der Wettbewerb derzeit nicht.
LU: Ist Ihre Rechnung
mit dem „Zugpferd Technik" denn aufgegangen?
Rothkopf: Ja, die
Kunden springen schon gezielt darauf an.
LU: Und ist auch die
Abschlussrechnung bisher positiv?
Rothkopf: Ich hatte
mir ausgerechnet, dass ich eine Auslastung von mindestens 2500 ha/Jahr
brauche, damit ich im ersten Jahr zumindest nicht draufzahle. Mein
langfristiges Auslastungsziel sind 4000 ha jährlich. Bis jetzt sind es wie
gesagt „nur" 1000 ha, aber es kommt ja noch die Herbstsaison und das
nächste Frühjahr wird hoffentlich etwas feuchter und Pflanzenschutzintensiver.
Außerdem denke derzeit intensiv über den Selbstfahrereinsatz zur Flüssigdüngung
auf Grünland und zur kombinierten Herbizid- und Düngemaßnahme im Getreide nach.
LU: Welche langfristigen
Ziele verfolgen Sie noch mit Ihrer neuen Dienstleistung?
Rothkopf: Bis jetzt
arbeite ich im Pflanzenschutz viel auf Zuruf, d.h. der Landwirt teilt mir mit,
wann er welche Maßnahme durchgeführt haben will. Mein Ziel ist es, den
Pflanzenschutz möglichst in eigener Verantwortung und Entscheidung zu haben.
LU: Wurde das neue
Geschäftsfeld im ersten Jahr durch Kosten für Dingewie Mittellagerung oder Wassertransport zusätzlich belastet?
Rothkopf: Nein,
eigentlich nicht. Das Wasser entnehme ich an den Hydranten und die
Pflanzenschutzmittel beziehe ich just in time beim hiesigen Landhandel. Ich
muss also kein eigenes Lager vorhalten. Falls ich die Flüssigdüngung ausbaue,
würde ich in einen mobilen Tankwagen investieren, den ich hinter dem
Selbstfahrer mitführen kann.
LU: Wie erfolgt die
Abrechnung im Pflanzenschutz?
Rothkopf: Komplett
über den Maschinenring. Dazu teilen wir diesem alle relevanten Auftragsdaten
inklusive Pflanzenschutzmittel mit.
LU: Wurde Ihnen als
Neuling im Pflanzenschutz auch Skepsis seitens der Kunden entgegen gebracht?
Rothkopf: Eigentlich
nicht, denn die meisten waren bereits Kunden von mir und erwarten, dass ich den
Pflanzenschutz genauso zuverlässig erledige wie die anderen Arbeiten auch.
LU: Wie sieht Ihr
bisheriges Fazit zum Einstieg in den Pflanzenschutz aus?
Rothkopf: Grundsätzlich
denke ich, dass es die richtige Entscheidung war.
LU: Welche Tipps
würden Sie einem Neueinsteiger mit auf den Weg geben?
Rothkopf: Auf neue
Technik setzen, schlau machen und die Pflanzenschutzarbeiten als Betriebsleiter
entweder selbst durchführen oder an einen fachkundigen und verantwortungsvollen
Mitarbeiter delegieren, denn der Pflanzenschutz verlangt Fingerspitzengefühl
und Verantwortung, wenn man keinen Schaden anrichten will.
Das Gespräch führte Anne Ehnts