Dezember 2014: LU Frahm

„Lohnunternehmer können auch Freunde sein“, erzählte mir Lorenz Frahm. Hört sich an, als gäbe es das nicht allzu oft. Er ist Lohnunternehmer und arbeitet mit einem 40 km entfernten Kollegen seit nunmehr 10 Jahren stressfrei zusammen, obwohl sie gleiche Dienstleistungen anbieten.

Älterer Beitrag

Dieser Beitrag ist bereits vor mehreren Jahren erschienen und enthält möglicherweise nicht optimal dargestellte oder veraltete Inhalte.

„Lohnunternehmer können auch Freunde sein“. V.l. Tanja und Markus Gosch, Michaela und Lorenz Frahm.

Als ich am 21. Januar gegen 10 Uhr bei Frahms in Hamdorf klingele, werde ich zügig ins Wohnzimmer geführt. Dort warten nicht nur ein reichlich gedeckter Frühstückstisch, sondern auch die beiden Lohnunternehmer samt Ehefrauen und Junior Hendrick Frahm mit Freundin Maja Lühr. Das ist ja perfekt, alle an einem Tisch. „Wir dachten, beim Frühstück redet es sich besser und so treffen wir uns auch alle mal wieder“, meint Michaela Frahm. Das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden. Dagegen lässt sich nichts sagen.
Kennengelernt haben sich die beiden Lohnunternehmer im Jahr 2000. Damals wurden von LU Frahm rund 250 ha Mais gehäckselt und er suchte einen neuen Gebrauchten. Er wollte umsteigen von Mengele auf Claas und wurde fündig beim Kollegen Gosch, der weiter westlich Lohnunternehmer ist und seinen Claas Jaguar 860 verkaufen wollte. So entstand der erste Kontakt, der sich in den folgenden Jahren immer mehr intensiviert hat. Angefangen hat die Zusammenarbeit mit dem Tausch von Häckselwagen. Heute sind beide Betriebe mit jeweils drei Häckselketten ausgerüstet, und zusammen 9 Maisdrillen. Technik, die bei Bedarf auch für beide Betriebe eingesetzt wird. Acht Jahre später folgte dann auch der erste gemeinsame Urlaub der Eheleute Frahm und Gosch. Einigkeit geschäftlich wie privat.
 

Der Futterbau treibt beide

Der Futterbau treibt beide
Die beiden Betriebe Gosch und Frahm sind sich durchaus ähnlich, liegen 40 km auseinander, weit genug, um sich nicht gegenseitig Konkurrenz zu machen.  Das ist Bedingung Nummer Eins für eine dauernde Zusammenarbeit. Voraussetzung Nummer Zwei ist die Chemie. Denn die muss stimmen zwischen den Chefs und den Chefinnen. Auch das passt, seit nunmehr 10 Jahren.
Beide Betriebe haben mit wachsenden Milchviehkunden und natürlich auch mit Biogasanlagen zu tun. Familie Frahm melkt  zum Lohnbetrieb noch selbst tagtäglich 45 Kühe, Familie Gosch hat sich vor Jahren vom eigenen Milchvieh getrennt.  Der Futterbau treibt Frahm und Gosch gleichermaßen vor sich her. Dabei spielt Mais die Hauptrolle. Beide sind daher mit jeweils vier bzw. fünf Sägeräten und drei Häckselketten unterwegs. Nicht immer zur gleichen Zeit, so dass Technik wie auch Mitarbeiter mehrmals im Jahr zwischen A und B hin- und herpendeln. Sie agieren ähnlich wie ein Unternehmen auf zwei Standorten. Bei Gosch startet die Saison früher und wenn es beim Frahm auf seinem Moor zu nass wird, kann bei Gosch auf lehmigen Sandstandorten noch oder schon wieder gearbeitet werden. Entsprechend flexibel lassen sich Mensch und Maschine einsetzen. Jeder der beiden hat nach wie vor seinen eigenen Maschinenpark, aber es wird bei Neuinvestitionen schon überlegt, welche Technik für beide Betriebe Sinn macht.
 

Bei LU Frahm hat der Mais das Getreide verdrängt. Von ehemals vier Dreschern läuft noch einer.

Lorenz und Michaela Frahm
Bei Frahm wächst mehr Gras und auf dem eher knappen Acker wächst jetzt zur Hauptsache Mais.  Nicht nur für die Biogasanlagen, sondern auch für Milchviehbetriebe. „Der Standardbetrieb hier bei uns hat 100 bis 120 Kühe und 100 ha Land“, erzählt Frahm. Der Trend gehe Richtung 200 Kühe, die erste 1.000-Kuh-Anlage sei in 20 km Entfernung geplant. In der Spitze hat Lorenz Frahm Kunden mit 150 ha Gras beim ersten Schnitt. Von seinen drei Häckslern im Mais arbeiten zwei Maschinen im Gras. Von den ehemals 40 Bauern im Dorf sind heute noch 15 im Haupterwerb tätig und kräftig gewachsen.  Dieses Wachstum bringt die Familienbetriebe ans Limit. Und dann? Stellen sie Mitarbeiter ein? „Die erste Wahl ist hier der Lohnunternehmer“, stellt Lorenz Frahm selbstsicher fest. Etliche Milchviehbetriebe  in seiner Kundschaft bringen heute zwar noch ihre Gülle selbst aufs Land und mähen auch noch mit eigenem Gerät. Aber er ist sicher: das hört mit weiter wachsender Kuhzahl und zunehmendem Alter der Technik auf. Denn die wenigen Erntetage verlangen Schlagkraft und funktionierendes Gerät,  das erleben sie hier mit schöner Regelmäßigkeit. „Entweder wir saufen hier ab, oder wir vertrocknen“, wirft Michaela Frahm ein und zeigt mir Fotos von der letzten Maisernte in stehendem Wasser mit tiefen Spuren und verschlammter Technik.
 

LU Frahm sät mit drei Maschinen und LU Gosch mit fünf Maisdrillen.

Mit dem Wachstum der Maisfläche bekam Lorenz Frahm mehr Aufträge für säen und häckseln. Für einige Kunden wird der Mais von ihm komplett gemanagt, Bodenbearbeitung, Saat, Pflanzenschutz und Ernte. Vier Einzelkorndrillen laufen mit 75er und 50er Reihenweiten und drei Häckselketten mit 8 und 10 Reihen (3 x Jaguar 950). In Summe sind das rund 1.800 ha, die er jährlich sät und auch erntet. Wobei die Flächen nicht identisch sind. Seine Sätechnik besteht aus einer 6-reihigenDrille im Heck mit einem 4,5 m Frontpacker, um in einem Arbeitsgang direkt auf gepflügtem Acker säen zu können. „Das funktioniert auf der Geest gut“, schildert Lorenz Frahm. Weiter fährt er eine 8-reihige Drille in aufgelöster Form, Frontdüngertank und Drille für die 75er Reihe, eine 12-reihige Drille mit 50er Reihe und dann noch als vierte Variante das Gespann Xerion mit 6 m Kreiselgrubber, Fronttank und einer 8-reihigen Drille mit 75er Reihe. Der Anteil 75er Reihe zur 50er Reihe liegt bei etwa 70:30. Die Bodenvorbereitung erledigt auch Frahm, meist mit dem Pflug ohne Packer. Der Grubber zur Saatbettbereitung ist bei seinen Kunden auf dem Rückzug. Bei einzelnen Kunden hat er die 50er Reihe mit Fahrgassenschaltung angelegt, um später in den Spuren den Pflanzenschutz durchführen zu können. Das habe sich aber nicht bewährt und er wird in diesem Jahr seinen 700er Vario auf Pflegebereifung umrüsten für den Pflanzenschutz in der 50er und auch 75er Maisreihe.  Die Dienstleistung Pflanzenschutz entwickelte sich positiv. „Denn durch den regelmäßigen Sachkundenachweis und neue, teure Technik werden künftig die Landwirte kein Pflanzenschutz mehr selbst machen wollen“, hofft Lorenz Frahm.
 

„Entweder wir vertrocknen oder wir saufen ab“, schildert LU Frahm die Herausforderung in der Maisernte.

Alles andere als ein Hoffnungsträger ist bei den Frahms der Getreidedrusch. Von den einst vier Mähdreschern ist noch einer für gut 100 ha übrig und auch der hat beim Kollegen Gosch mehr gedroschen als zu Hause bei Frahms Kundschaft.  Häcksler frisst Mähdrescher. Aber unterm Strich geht’s mehr nach vorn als nach hinten. „Seit 10 Jahren fahren wir mit Vollgas“, erzählt er. „Gestern haben wir wieder einen neuen festen Mitarbeiter eingestellt. Das ist jetzt Nummer Vier plus Chef und Chefin. Aber durch dieses Wachstum kommen wir einfach nicht dazu, unsere Fremdkapitalwelle abzuschmelzen.“
 

 

Hans-Günter Dörpmund,
Redaktion LOHNUNTERNEHMEN

Erschienen in der LOHNUNTERNEHMEN März 2013.