Juli 2008: LU Decker setzt eine exotische Strohkombi ein
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Und seine Fahrzeugkolonne, bestehend aus einem herkömmlichen selbstfahrenden New-Holland Feldhäcksler und einer gezogenen Quaderballenpresse 4050 von Welger (0,70 x 0,80 x 1,30), die mit einem langen Schlauch miteinander verbunden sind, bietet nicht nur in Ostfriesland einen exotischen Anblick.
Zum Einsatz kommt diese seltsame Combo in Weizen und Triticale zum Pressen von Kurzstroh. Kunden sind vor allem Milchviehbetriebe mit Boxenlaufställen und Geflügelhalter. Eben landwirtschaftliche Betriebe, die großen Wert auf fein gehäckselte, staubfreie Ware legen, erklärt Manfred Decker, der das Verfahren entwickelt und über Jahre technisch umgesetzt hat. In der Regel sitz er beim Einsatz auch selbst auf dem Feldhäcksler.
Dabei dirigiert er seine Maschine über das auf etwa 2,5 m breite zusammen geschwadete Strohschwad. Das auf weniger als 4 cm Länge gehäckselte Stroh wird über einen 4 m langen, flexiblen Klimaschlauch mit einem Durchmesser von etwa 50 cm stetig in die parallel fahrende Quaderballenpresse geblasen.
Lohnunternehmer Manfred Decker und sein 4 Mann starkes Team haben vor 10 Jahren mit dem Pressen von Kurzstroh begonnen und im Laufe der Zeit ein eigenes Pressverfahren entwickelt.
So sehen die Kurzstrohballen aus, die die besondere Kolonne vom Lohnunternehmen Decker zusammenpresst. Die Häcksellänge beträgt weniger als 4 cm.
Der Schlauch steckt etwa 50 cm tief in einem Zylinder, der an der Presse angebracht ist. Damit die Presse genügend Material für einen festen und haltbaren Ballen erhält, müssen beide Fahrzeuge, Häcksler und Schlepper, zwischen 5 und 5,5 km/h schnell fahren, betont Decker. Ansonsten reicht der Vorschub für die Presse nicht. Um insgesamt ausreichend Vorschub für die Kolonne zu haben, schwadet er meist zwei oder drei Bahnen Stroh zu einem Schwad zusammen. In der Stunde schafft die Kolonne so rund 112 Ballen. Die Ballen wiegen zwischen 100 bis 120 kg mehr als ein normaler Quaderballen. Erfahrung macht bekanntlich klug&
&.. so auch bei Lohnunternehmer Manfred Decker und seinem Team, die nicht erst seit gestern an dem System tüfteln.
Schnittlänge, Vorschub und Fahrgeschwindigkeit vom Feldhäcksler so auf die Pressenleistung abzustimmen, dass als Ergebnis ein formstabiler Strohballen aus der Presskammer rutscht, hat die Mannschaft aus Middels bis heute ganze 10 Jahre Denk- und Werkstattarbeit gekostet. 1997 sammelte man erste - allerdings ernüchternde Erfahrungen beim Pressen von Kurzstroh. Damals gab Manfred Decker sein Verfahren zunächst auf. Die Strohverluste beim Parallelfahren von Presse und Häcksler waren zu groß. Dieses Problem hat er jetzt mit einem flexiblen Schlauch aus Kunststoff technisch relativ unkompliziert gelöst. Der Schlauch puffert kleinere Abweichungen der Fahrtrichtung und -geschwindigkeit beider Fahrzeuge ab und schießt das gehäckselte Material permanent in die Presse.
Weitaus schwieriger gestaltete sich die technische Abstimmung von Häcksler- und Pressenleistung. Wir haben fast drei Jahre benötigt bis die Häckselmenge für die Presse passte. Heute wissen wir, dass die Fahrgeschwindigkeit der Kolonne das entscheidende ist. Der Häcksler muss mit voller Leistung fahren damit die Presse soviel Masse wie möglich bekommt.
Der Schlauch steckt etwa 50 cm tief in einem Zylinder, der an der Presse angebracht ist. Er puffert kleinere Abweichungen der Fahrtrichtung und -geschwindigkeit beider Fahrzeuge ab und schießt das gehäckselte Material permanent in die Presse.
Der Gutfluss darf nicht abreißen. Dadurch bekommen wir schöne feste Ballen, die auch noch zu verarbeiten sind, erläutert Decker die lange Experimentierphase.
Mit 2 bis 3 Strohbahnen als Futter für den Häcksler, einer Fahrgeschwindigkeit von 5 bis 5,5 km/h und der Wahl des kleineren Modells seiner zwei Quaderballenpressen, lag Manfred Decker schon ganz richtig. Trotzdem passierte es ihm immer wieder, dass die Ballen formschön aus der Presse rutschten und dann doch zerfielen. Das lag schlicht und einfach daran, dass wir es immer im Gerstenstroh ausprobierten. Gerstenstroh ist zu glatt für das Verfahren, aber mit Triticale- und besonders Weizenstroh klappt es problemlos, verrät Manfred Decker. Eine weitere wichtige Erfahrung machte das Pressteam an windigen Tagen: Beim Pressen von Kurzstroh entsteht viel Staub. Damit die Maschinenfilter nicht verstopfen, fährt die Kolonne bei Wind wenn möglich nur gegen die Windrichtung, auch wenn das teure Leerfahrten bedeutet.
Anne Ehnts und Hinrich Neumann