Juli 2009: LU Deutschbauer setzt eine riesige Mähdrescherflotte ein.

Als wir Willi Deutschbauer in der letzen Maiwoche auf seinem Betrieb treffen, sind er und einer seiner Mitarbeiter dabei, die Rundballenpresse zum Einsatz zu bringen. Heupressen ist heute angesagt. Das Wetter stimmt, Sonnenschein und frischer Wind lassen das Gras schnell trocknen. Da muss jede Presse raus. Eigentlich passt unser Besuch jetzt nicht so richtig.

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Als wir Willi Deutschbauer in der letzen Maiwoche auf seinem Betrieb treffen, sind er und einer seiner Mitarbeiter dabei, die Rundballenpresse zum Einsatz zu bringen. Heupressen ist heute angesagt. Das Wetter stimmt, Sonnenschein und frischer Wind lassen das Gras schnell trocknen. Da muss jede Presse raus. Eigentlich passt unser Besuch jetzt nicht so richtig. Aber der Chef nimmt sich trotzdem Zeit, wäscht schnell mal Öl und Schmiere von den Fingern und lotst uns in seine Küche. Dort unterbricht ebenso spontan Ehefrau Maria den Mittags-Abwasch und versorgt uns mit Saft und Wasser. Ja, die Österreicher sind auch wegen Ihrer Gastfreundschaft bekannt.
Willi Deutschbauer, gelernter Landmaschinenmechaniker, hat sich spezialisiert auf Erntearbeit. Sein Vater hat1984 mit dem Lohndreschen begonnen. Sohn Willi hat dies weiterentwickelt. An seinem Auto klebt ein Schild "Lohndruschbetrieb". Und das beschreibt sein Kerngeschäft. Er läßt heute in Getreide und Mais 27 Mähdrescher arbeiten. Das größte Problem sei nicht die Fläche für diese stolze Maschinenzahl zu bekommen, sondern die verlässlichen und guten Fahrer, erzählt Maria Deutschbauer. "Wir brauchen diese fitten Fahrer von Mitte Juni bis Ende Oktober. Aber fitte Fachkräfte haben heute meist einen festen Job, bei dem sie sich kaum über diese lange Saison auf den Mähdrescher setzen können." Fest angestellte Kräfte in der nötigen Zahl seien für ihn völlig illusorisch und nicht zu bezahlen, stellt er fest. Auch in Österreich haben gute Facharbeiter derzeit überall beste Chancen in Industrie und Handwerk.


Vor seiner Werkstatt und Maschinenhalle steht ein Teil seiner Mähdrescher- und Häckslerflotte. ?Ich brauche eine zweite Halle, damit alle Maschinen trocken stehen können?, erzählt er. Erst kürzlich hat er das Geschäft eines Kollegen übernommen mit Kundenstamm und 7 Mähdreschern.


Willi Deutschbauer und Ehefrau Maria

Bis zum vergangenen Jahr hatte Willi Deutschbauer noch 20 Mähdrescher im Einsatz. "Heuer sind 2008 Maschinen dazu gekommen", erzählt er. "Ich habe einen anderen Lohnbetrieb mit Maschinen und Kundenstamm übernommen."
Neben den Mähdreschern laufen bei ihm 3 selbstfahrende Häcksler (Jaguar) in Gras, Grünroggen und Mais sowie 3 Rundballenpressen. Für Heu, Silage und Stroh.

200 km unterwegs mit den Dreschern

Um ausreichend Futter für seine 27 Mähdrescher zu bekommen, reicht das Gebiet vor seiner Haustür schon lang nicht mehr.  Er beginnt im Burgenland, dann folgt Nieder- und Oberösterreich sowie die Steiermark. Aber auch jenseits der Landesgrenzen, in der Tschechischen Republik, erntet er Getreide und Mais. Das alles bewegt sich im Umkreis von rund 200 km. Der Tross zieht von Früh- in Spätdruschgebiete. Er hat in seinem Arbeitsbereich verschiedene Stützpunkte, an denen die Drescher mit Fahrer für eine gewisse Zeit Posten beziehen. Einige Mähdrescher zum Beispiel bleiben in Oberösterreich und bedienen von dort auch die Kunden in der Tschechischen Republik. Die Druschgebiete in der Tschechischen Republik sind seine nördlichsten Druschgebiete und daher oft zum Schluss an der Reihe. Der Transport läuft ausschließlich per Achse Ab 3 m Breite muss eine Sondergenehmigung beantragt werden, die jeweils nur für ein Bundesland gilt.

In weit entfernten Gebieten bleiben die Fahrer bei ihren Dreschern. Getankt wird beim Kunden oder an der Tankstelle. Die Fahrer werden bezahlt nach Betriebststunden, Kost und Logis sind frei.
Willi Deutschbauer fährt reinfarbig Claas bei den Mähdreschern die Typen Lexion, Dominator und Mega. Die Schneidwerke variieren von 3,90 m bis 9 m. Das 9 m Schneidwerk ist an einem Lexion im Einsatz, der bei einem Kunden in Ost-Österreich rund 500 ha Getreide drischt. Dieser Drescher fährt danach über die Grenze und drischt in Tschechien weitere 300 bis 400 ha. Große Kunden haben Interesse an der Ertragskartierung, die er beim Lexion bietet. Aber das sei Service für diese Kunden und nicht in Rechnung zu stellen. In normalen Jahren beginnt die Getreideernte am 15. Juni mit der Wintergerste.
Die Getreide und Rapsernte ziehen sich über 6 Wochen, dann geht es im Mais weiter. Im Mais ist Willi Deutschbauer dann noch mit 12 oder 13 Dreschern im Einsatz. Meist bei Kunden in seiner Region und in der Steiermark. "In Ostösterreich und in der Tschechischen Republik gibt es leider kaum Körnermais", klagt er. Etwa die Hälfte des Strohs wird gehäckselt, bzw. ins Schwad gelegt. Hangmähdrescher braucht er nicht. Allrad sei wichtiger und der Siebkastenausgleich reiche aus. Abrechnung nach Tonnen lohn nicht

Die Disposition und Einteilung erledigt er mit seiner Frau. In der Saison sitzt der Chef nicht auf dem Drescher. Der gelernte Landmaschinenmechaniker Willi Deutschbauer ist dann vor Ort, wenn es Reparaturen erfordern, die der Fahrer selbst nicht erledigen kann. Dafür steht im Betrieb ein Werkstattwagen zur Verfügung.


So sieht sie aus, die Heimat von LU Deutschbauer, südöstlich von Linz, zwischen A1 und Donau. Er und seine landwirtschaftlichen Kunden arbeiten in einer reizvollen, leicht hügeligen Landschaft mit einer bunten Mischung aus Ackerbau und Grasland.


Der Lexion 460 hat in der letzen Saison 900 ha nur in Getreide gedroschen.

Die Ersatzteilversorgung und die hochspeziellen Reparaturen erfolgt über den Claas Importeur. Es erntet fast ausschließlich bei Stammkunden. "Beim Abrechnen der geernteten Flächen wird der Auftrag für die kommende Saison abgesprochen und dann ist Funkstille bis kurz vor der neuen Ernte", schildert er. Mit einigen wenigen größeren Betrieben werden von Jahr zu Jahr schriftliche Verträge geschlossen. Ansonsten gilt das Handschlagsgeschäft.
Mit einer kleinen Maschine (Mega) bringt er es im Mittel auf 300 ha im Jahr und mit den großen Maschine (Lexion) bis zu 700 bis 800 ha pro Jahr und Maschine. Dazu kommt dann der Mais, den er in der Regel mit den größeren Maschinen sechsreihig erntet.
Abgerechnet wird nach Hektar. Lediglich in einem Gebiet mit kleiner Flächenstruktur verlangt er Stundenpreise. nach Stunden. Durch den steigenden Dieselpreis sei aber sein Abrechnungsmodell mit Diesel inklusive reformbedürftig, meint er. Also Diesel exklusiv ausweisen. Die Abrechnung nach Tonnen mache wenig Sinn, meint er, da sie viel in Trockengebieten unterwegs seien und dort erreichten die Erträge in den letzen Jahren beim Weizen oft genug gerade 4 to/ha. Ansonsten liegen die Durchschnittserträge bei rund 7 bis 8 to/ha Weizen. Rechnungen schreiben ist bei Deutschbauer`s ein klassisches Nacherntegeschäft. "Im November/Dezember gehen die Rechnungen der Saison raus", erzählt er. Zahlungsausfälle kennt er so gut wir gar nicht. Drei Ernten für den Häcksler

Deutschbauer hat seit fünf Jahren auch Häcksler im Einsatz in Gras und Mais. Seit einem Jahr häckselt er auch Grünroggen als GPS mit dem Direct Disc für zwei Biogasanlagen. Beides Landwirts-Anlagen mit Leistungen von 1 MW und 600 kW. Diese Anlagen lassen Grünroggen häckseln als GPS. Danach wird dann auf dieser geräumten Fläche Hirse und Sudangras gesät. Die zweite Ernte häckselt Deutschbauer dann im Oktober. Zwei Varianten werden gefahren. Entweder den Bestand mähen und das Schwad mit der Pick up aufnehmen oder mit dem Direct Disk häckseln. Mähen, schwaden und abfahren machen die Landwirte bei ihm grundsätzlich selbst. Komplette Kette durch den Lohnunternehmer wird in seiner Kundschaft jedenfalls nicht verlangt.
Die Milchviehbauern machen in der Regel bis zu 4 Gras-Schnitte. Der erste Schnitt geht komplett ins Silo. Hier wird fast ausschließlich das Gras in Flachsilos gefahren. Hochsilos, wie in der benachbarten Schweiz sind hier kein Thema. Der zweite Schnitt wird oft als Heu in Rundballen gepresst. Da kommen dann seine Rundballenpressen zum Einsatz. In diesem Jahr kam der 1.Schnitt schon Ende April ins Silo. Der Ertrag war überdurchschnittlich gut, erzählt er.
Nicht ohne Stolz schildert er uns, dass er den Zuschlag erhalten habe für eine Förderung der österreichischen Bundesregierung. Einer seiner Häcksler wird im Winter mit einem speziellen Holzhäckselvorsatz in Pappel- und Weidenplantagen unterwegs sein. Dieser Vorsatz stammt aus italienischer Fertigung und wurde landesweit als Einziger aus der Staatskasse zu 50% gefördert im Rahmen eines Energieholzprojektes. Erste Häckselversuche anlässlich eines Feldtages haben Deutschbauer und sein Jaguar erfolgreich hinter sich.

Hans-Günter Dörpmund, Redaktion Lohnunternehmen


Weiden bis zu einer Stärke von 13 cm kann mit dem Vorsatz gehäckselt werden.