Juli 2019: LU Hallereau

François Hallereau ist auf die Strohernte spezialisiert – und das in einer stroharmen Gegend bei Torfou in Frankreich.
François Hallereau startete mit 18 Jahren als Lohnunternehmer. Heute beschäftigt er sechs Angestellte.

François Hallereau ist auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. Im Jahr 1981 gründete der Landwirtssohn sein Lohnunternehmen in Torfou, südöstlich von Nantes in Frankreich im Département Maine et Loire. Die Gebäude seines Betriebes sind modern und großzügig angelegt, jede Maschine hat ihren Platz in den überdachten Hallen. „Das Unternehmen besteht inzwischen eigentlich aus drei Betrieben: Vor 20 Jahren habe ich ein Lohnunternehmen aus einer Insolvenz übernommen. Kürzlich konnte ich eins aufkaufen, das keinen Nachfolger hatte. Fünf meiner Mitarbeiter stammen aus diesen beiden Unternehmen“, sagt LU Hallereau.

150 km bis zum Einsatzort

„In unserer Region liegt die durchschnittliche Größe bei 50 Kühen und 50 ha Grünland“, erklärt er. Stroh sei deswegen knapp. Aus diesem Grund beschloss er mit 18 Jahren, sich seine erste Presse zu kaufen. „Damit habe ich Stroh in La Rochelle an der Atlantikküste, etwa 150 km von hier entfernt, gepresst und herbringen lassen, um es zu verkaufen“, erzählt der Lohnunternehmer. „Da ich zu der Zeit kein Geld hatte, habe ich einen Kredit mit einem Zinssatz von 23 % aufgenommen, dennoch hat es funktioniert“, sagt er stolz. Bis heute konnte er das Geschäft ausbauen und bezeichnet sich selbst als Strohspezialisten. Mit zwölf verschiedenen Pressen und Press-Wickel-Kombinationen von fünf verschiedenen Herstellern, darunter drei Großpackenpressen HDP 120/90 von Krone, kann er jeden Wunsch der Kunden umsetzen und presst damit bis zu 70.000 Ballen pro Jahr.

Der Lohnunternehmer handelt selbst kein Stroh, sondern ist ausschließlich Ernte-Dienstleister. Die Strohpreise in seiner Region beziffert er auf 10-15 €/t für Stroh im Schwad. Der vielseitige Maschinenpark spiegelt nach seiner Aussage auch die französische Mentalität wieder: sich nicht festlegen; spontan und flexibel bleiben. Dies sei auch eine Marketingstrategie: Je mehr Maschinenhändler von dem Lohnunternehmen wissen, desto mehr Mund-zu-Mund-Propaganda sei zu beobachten. „Das ist effizienter als eine Facebook-Seite“, meint er.

Guter Service ist wichtig

Zur Strohsaison setzen seine Mitarbeiter mit dem notwendigen Maschinenpark nach La Rochelle ins Département Charente-Maritime über, wo der Lohnunternehmer ein Relaisgebäude, also eine Halle für die Maschinen mit Räumen für die Mitarbeiter besitzt. Wichtig ist ihm an dem Standort ein guter Service in der stressigen Saison: „Wir haben hier sehr gute Servicemitarbeiter der Händler vor Ort“, erklärt François Hallereau. Um den Aufwand der Reparaturen so gering wie möglich zu halten, weist er seine Mitarbeiter dazu an, sich an Herstellerangaben zu halten und die Pflege ernst zu nehmen. „Die Wartungen übernehmen wir hauptsächlich selbst. Zwei Personen sind bei uns für die Pressen zuständig und zwei für die Häcksler und Drescher.“

Da es die Ausbildung „Fachkraft Agrarservice“ in Frankreich nicht gibt, mussten sich seine Mitarbeiter alles selbst beibringen. Teilweise waren sie an landwirtschaftlichen Schulen, teilweise haben sie Technik studiert. „Sachen wie ISOBUS und GPS haben uns anfangs Kopfzerbrechen bereitet, aber inzwischen möchten wir nicht mehr darauf verzichten“, sagt der Lohnunternehmer. „Wichtig ist mir ein familiärer Umgang mit meinen Mitarbeitern. Zwei von ihnen sind seit 20 Jahren dabei.“ Eine Herzensangelegenheit sei ihm auch, dass er seine Mitarbeiter möglichst jeden Morgen um 7:30 Uhr zum sogenannten „Jour fixe“, also zur aktuellen Lagebesprechung sieht. Dafür hat er einen Aufenthaltsraum auf seinem Betrieb eingerichtet.

Mit acht Großpackenpressen ist der Lohnunternehmer unterwegs, darunter drei HDP 120/90 von Krone.

90 % Milchviehkunden

Einen Großteil seines Jahresumsatzes mache François Hallereau mit der Produktion von Einstreu für Tierbetriebe. „Wir haben zu 90 % Milchviehkunden von etwa 100 Stammkunden. Diese Zahl ist sehr stabil, da wir die Erfahrungen gemacht haben, dass Milchviehkunden treuer sind als Ackerbauern“, erklärt der Lohnunternehmer. Zusätzliche Kunden kämen nur ausnahmsweise dazu, wenn ein anderes Lohnunternehmen nicht kann. „In unserer Gegend übernehmen die Kinder in der Regel noch den Milchviehbetrieb der Eltern, weshalb die Strukturen annährend bestehen bleiben“, sagt François Hallereau. Im näheren Umkreis habe er nur zwei größere Konkurrenten.

Die größten Herausforderungen sind dagegen aus seiner Sicht die „Cuma“, also private Einkaufsgemeinschaften, die ähnlich wie die deutschen Maschinenringe arbeiten. „Die Kunden sind vorausschauender geworden, und die Hektarzahlen sowie die Eigenmechanisierung steigen“, erklärt er. Im Schnitt haben seine Kunden 50 ha, der größte etwa 200 ha Fläche. „Das Problem ist, dass sich die Landwirte nur das Beste herauspicken wollen, weshalb ich meine Produkte als fertige Pakete anbiete.“ Den Transport organisieren die Milchviehbetriebe hauptsächlich selbst.

Zur ganzjährigen Auslastung bietet LU Hallereau auch Dienstleistungen im kommunalen Bereich an.

Ganzjährige Auslastung

Im Sommer und Herbst wird der Lohnunternehmer in der Ernte von bis zu 19 Aushilfskräften von Landwirtschaftsschulen unterstützt. Er ist nämlich nicht nur für das Pressen in La Rochelle zuständig, sondern auch für die Gras- und Maissilage-Ernte in einem Umkreis von 15 km um seinen Hof herum. Etwa 600 ha Gras und 600 ha Mais kommen im Jahr zusammen.

Die Organisation des Lohnunternehmens läuft komplett per Telefon oder SMS – insbesondere letztere sei wichtig geworden. „E-Mail haben die meisten meiner Kunden nicht, deshalb verwende ich auch keine Software. Hier läuft noch alles auf Papier ab. Einen Newsletter mit Angeboten verschicke ich regelmäßig per SMS.“

Bis zu acht Tage vor der Ernte weiß der Lohnunternehmer, welche Dienstleistung er bei welchem Kunden durchführen muss. Er selbst fährt ebenfalls zu 50 % seiner Arbeitszeit auf den Maschinen, den Rest verbringt er im Büro. Halbtags wird er hier von seiner Frau Brigitte unterstützt, die die Rechnungen schreibt. Zu 80 % rechnet er seine Arbeit und die seiner Mitarbeiter pro Stunde ab, der Trend gehe allerdings zu Preis pro Hektar. „Das ist fairer für die Kunden, falls es zu Reparaturen kommt“, sagt der Lohnunternehmer. Seit 2014 arbeiten außerdem seine Söhne Richard und Simon im Unternehmen mit. Durch die Integration der beiden hat François Hallereau sein Dienstleistungsspektrum für die Winter- und Frühjahrszeit um kommunale Arbeiten ergänzt. Dazu gehört u.a. das Mähen von Straßenrändern, Gräben und Banketten.

2017 war schwierig

Das letzte Jahr war schwierig für das Lohnunternehmen. Zwar seien die Preise für Milch von 28 Cent/l auf 32-33 Cent/l gestiegen, dennoch benötigten die Bauern weniger Stroh, da sie aufgrund der Hitze und Trockenheit in der Region viel einlagern konnten, weil die Tiere länger draußen stehen konnten. „Den Verlust an Verkaufsumsatz konnten wir durch die zusätzlichen Einnahmen durch das neu dazugekaufte Lohnunternehmen ausgleichen“, sagt LU Hallereau. Den Milchviehbauern ginge es im Vergleich zu 2016 zwar deutlich besser, aber es sei immer noch schwierig. „Durch die Trockenheit musste früh zugefüttert werden. Der Mais brachte in der Saison 2017 auch nur etwa 7-10 t/ha. Der Durchschnitt der letzten Jahre lag bei 13-14 t Trockenmasse/ha“, erzählt er. Üblicherweise wird der Mais in solchen Zeiten bewässert, allerdings fehlte es 2017 an Wasserreserven.

Für die Zukunft hat er sich vorgenommen, seine Söhne noch weiter in das Geschäft zu integrieren. „Die beiden haben jetzt sieben Jahre Zeit, um 48 % der Unternehmensanteile zu kaufen. Langfristig sollen sie das Unternehmen übernehmen“, erklärt er abschließend.

Nantke Lena Neumann, Redaktion LOHNUNTERNEHMEN

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Zeitschrift LOHNUNTERNEHMEN Ausgabe Juli 2018.

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