Juni 2014: LU Zander
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Es ist früher Abend, doch die Sonne drückt noch gnadenlos hier in Sachsen-Anhalt nahe Halle. Stefan Zander steht schwitzend an einem abgeernteten Dinkelschlag am Rande des Städtchens Zörbig, schaut auf die Uhr und greift zum Handy. Die Zeit drängt! Noch heute soll möglichst alles Stroh auf dem 34 ha großen Feld in Ballen gepresst sein. Vorerst liegt es noch in frischen Schwaden auf den Stoppeln. Die Mähdrescher der Agrar eG Zörbig haben derweil die Straßenseite gewechselt und fressen sich nun dort durch einen neuen Weizenschlag.
Pressen bis die Feuchte blockt
„Bist du noch weit weg", fragt der junge Lohnunternehmer am Telefon seinen Mitstreiter Thomas Schönrock und blickt, als er die Antwort vernimmt, zufrieden auf: „Er ist gleich da", versichert er dem Zörbiger Produktionsleiter Andreas Schiel. „Und wie lange wollt ihr heute machen?", fragt der zurück. „Bis es dunkel ist!", antwortet Stefan Zander entschlossen. Sofern es nicht zu feucht werde, ziehe man den Schlag durch. Ob sie die Feuchte das auch exakt messen könnten, will Schiel sicherheitshalber noch wissen. „Wir haben ein Feuchtemessgerät an Bord und zudem auch ein Handmessegerät dabei, um direkt in den Ballen die Feuchte zu prüfen", erwidert er. Bis 14 % Feuchte sei alles kein Problem.
Inzwischen biegt auch Thomas Schönrock um die Ecke. Im Schlepptau seines Traktors hat er die neue Claas Quaderballenpresse Quadrant 3300 RC mit Special Cut, die neben der Kurzschnitteinrichtung noch über einen Vorbauhäcksler verfügt, erläutert Zander. Die Halme würden sehr kurz gespleißt, bevor sie in die Presse kommen. Für die Totalmischfutterrationen im Milchstall der benachbarten Agrar eG Großzöberitz, die man damit beliefere, sei das optimal, ergänzt der Produktionsleiter der Agrargenossenschaft Andreas Schiel. Dass man damit gleich noch Transportaufwand und Bergeraum spare, da die kurzfaserigen Ballen halt wesentlich dichter gepresst werden, nennt er einen „angenehmen Nebeneffekt".
Ziel heute sind 50 Ballen pro Stunde
„Die 215 Ballen in drei Stunden, die Thomas drüben in Prussendorf ohne Vorbauhäcksler geschafft hat, werden es hier natürlich nicht", sinniert Zander. Aber an die 50 Ballen pro Stunde wolle man schon herankommen.
Die Kunden sind zufrieden. „Noch hat keiner gesagt, dass wir nächstes Jahr nicht wiederkommen sollen", bemerkt er ein wenig selbstzufrieden. Vielmehr hofft er auf noch größere Nachfrage. Selbst eine große Biogasanlage in der Region zeigte mittlerweile Interesse. Drum denkt der 23-jährige schon daran, sich demnächst eine zweite Presse in dieser Spezialkombination zuzulegen. „Aber auch wieder ohne Lenkachse", sagt er. „Denn die brauchen wir im Stroh nicht, weil wir hier ja kein Vorgewende haben." Die 10.000 € könne er sich sparen.
Inzwischen hat Thomas Schönrock bereits die zweite Bahn absolviert. Alle rund hundert Meter purzelt ein Strohquader aus dem Presskanal: 90 cm hoch, 1,20 m breit und in diesem Fall 2,20 m lang. Er stoppt, steigt herunter und läuft zu einem Quader. „Zwischen 1 und 3 m Länge ist alles drin", sagt er, während er die Feuchte misst: „10 % - optimal!"
Stefan Zander registriert es zufrieden. Denn natürlich gab es vorher auch Fragen zu seinen Preisen. „Die Kurzschnittvariante plus Häcksler sei schon teurer, als Langstroh zu pressen", erzählt er. Aber rechne man alles hinein, werde es am Ende sogar preisgünstiger für den Kunden, meint er. Denn man spare beim Abtransport, beim Lagerraum und sogar einen Arbeitsgang gegenüber bisherigen Häckseltechnologien. Vorausgesetzt, der Kunde will dieses sehr kurze und gespleißte Stroh. „Das Thema Strohmühle hat sich damit für einige Betriebe hier erledigt", bekam er bereits wiederholt gesagt. Man habe dann also auch keinen Dreck mehr auf dem Hof. Die Ballen werden gleich eingelagert und müssen nicht mehr bewegt werden. Nicht zuletzt bestätigte ihm ein Futterberater, dass das Häckselstroh eben auch für die Kühe günstiger sei. Abgerechnet werde nach Metern, ergänzt er. Allerdings sei er mit der Presse nirgendwo fest vertraglich gebunden. Alles laufe „auf Zuruf und über kurzfristige Absprachen". Gerade in wetterlaunigen Sommern, wo er manchmal an drei Stellen zugleich sein müsste, wäre es auch kaum anders möglich gewesen.
Erschienen in der LOHNUNTERNEHMEN September 2012
Geschrieben von Harald Lachmann
Bilder: Redaktion Lohnunternehmen