März 2004: Franko Kühl, der Press-Profi

In der Saison arbeitet Franko Kü;hl mit neun Pressen für Heu, Stroh und Silage. Dazu gehört auch seine Presse mit Vorbauhäcksler.

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Über seinen Vater, der Futtermittelberater war, stieß er auf die Dienstleistung der fahrbaren Mahl- und Mischanlagen. So wurde der Lohnbetrieb Franko Kühl 1980 geboren. Heute teilt sich der Umsatz des Lohnbetriebes zu je einem Drittel auf in Mahlen und Mischen, Ballenpressen und Stalldungstreuen. Fünf feste Mitarbeiter sind im Betrieb tätig.
Zwei fahrbare Mahl- und Mischanlagen sind durchgängig im Jahr im Einsatz in einem Radius von 35 km. Eine Maschine ist voll ausgelastet und die andere zur Hälfte. Der Preis für einer solchen Maschine liegt bei rund 200.000 Euro. Im Jahr laufen beide Fahrzeuge zusammen rund 3.500 Betriebsstunden, und seine älteste Maschine ist neun Jahre im Einsatz. Die Leistung beim Quetschen, Mahlen und Mischen liegt bie 4 bis 10 t/h.

 


Als interessantes Wintergeschäft entwickelt sich aktuell Stalldungstreuen. Das Stalldungstreuen zieht sich mittlerweile über etliche Monate im Jahr hin. Das beginnt meist nach dem GPS-Häckseln, wenn Stalldung auf das Rapsland soll und endet im Mai zur Maislanddüngung. Auch auf Grünland wird zum zweiten Schnitt Stalldung hauchdünn gestreut. Derzeit hat Franko Kühl drei Tebbe-Streuer mit Tellerstreuwerk laufen, die vom Radlader bedient werden. "Ohne sehr gut arbeitende Tellerstreuwerke am Streuer bekommen wir keine Aufträge fürs Grünland mehr. Das Streuaggregat ist Priorität Nummer 1," betont Franko Kühl. Abgerechnet wird diese Leistung nach Stunden. "Ich bin zwar ein Freund der Stückzahlabrechnungen," erzählt er, "aber beim Stalldungstreuen bekomme ich damit keine zufriedene Regelung hin. In dem Moment, wo wir nach Kubikmeter abrechnen, schicken uns die Landwirte zu Flächen, die schlecht oder langwierig zu erreichen sind. Wenn wir nach Stunden abrechnen, sucht er schon Flächen aus, die dichter am Hof liegen bzw. er beachtet die ganze Logistik viel besser und bringt auch seine Überfahrten in Ordnung."

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Standbein Drei ist die Ballensilage. In der Saison arbeiten im Betrieb vier Rundballenpressen und fünf Großpackenpressen. Mit seinen fünf Welger Großpackenpressen presst er das Stroh in weiten Teilen der Elbmarsch im Radius von 30 km. Von dort wandert das Stroh zum Großteil in die Viehbetriebe auf den Geestrücken. Franko Kühl bekommt den Pressauftrag vom kaufenden Geestlandwirt und rechnet mit dem auch nach Ballen ab. Diese ganze Organisation wird erschwert durch die Tatsache, dass 70% der Strohernte aus Weizenstroh besteht, das schnell vom Stoppel muss. Meist stehen nur 6 bis 10 Tage für die Bergung des Weizenstrohs zur Verfügung.

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Die Strohbergung läuft bei Franko Kühl fast ausschließlich mit seinen fünf Packenpressen. Zwei Pressen laufen mit Ballenmaßen 70 x 80 cm und drei mit den Maßen 70 x 120 cm. Bei einer der Pressen mit den großen Ballenmaßen wird das Stroh seit der Ernte 2002 gehäckselt und zwar nach dem dänischen Prinzip mit einem Vorbauhäcksler. Unter der Deichsel der Presse befindet sich dieser Vorbauhäcksler und bläst das gehäckselte Stroh in die Pick up der Presse, wo es im Kanal zu Ballen gepresst wird. Allerdings werde eine hohe Zapfwellenleistung verlangt. Allein gut 100 PS brauche der Häcksler. Nahezu 300 PS seien also für das Gespann Pflicht, denn wenn nicht genug Vorschub vorhanden ist, also zu wenig Stroh in den Kanal kommt, kommt kein guter Ballen zustande. Gebunden wird mit normalem Garn. Franko Kühl betont aber, dass ein defekter Ballen nicht noch mal durch die Presse geschickt werden kann. Der sei verloren und könne nur breit auf dem Stoppel verteilt werden. Das gehäckselte und gepresste Stroh wird zunehmend von Milchviehbetrieben mit Liegeboxen verlangt; bei Pferdebetrieben lediglich von den Betrieben, in denen die Inhaber nicht selbst ausmisten. Denn diese Betriebe brauchen erheblich weniger Stroh, wenn sie gehäckselte Ware verwenden.