März 2014: LU Helmcke
Älterer Beitrag
Dieser Beitrag ist bereits vor mehreren Jahren erschienen und enthält möglicherweise nicht optimal dargestellte oder veraltete Inhalte.
Sind Gülle und Gärsubstrat lästige Restprodukte, die möglichst kostengünstig von A nach B transportiert werden müssen? Oder doch wertvoller Dünger, den es bestmöglich zu nutzen gilt? Landwirte in viehstarken Regionen, denen die Gülle sprichwörtlich bis zur Oberkante Unterlippe steht, dürften eher zu der ersten Variante neigen. Angeblich werden bis zu 30 Euro pro Kubikmeter gezahlt, um die überschüssigen Mengen einfach nur loszuwerden. Dazu kommen mittlerweile nicht nur Tanklastzüge, sondern sogar Binnenschiffe zum Einsatz. „Selbst in unserer Nähe, in Uelzen, machen diese Gülleschiffe bereits fest. Von dort aus wird die Fracht dann im weiteren Umland verteilt", berichtet Ulrich Helmcke. Der Lohnunternehmer aus Tolstefanz bei Lüchow im Wendland (Niedersachsen) hat seinen Betrieb selbst relativ umfangreich auf das Thema Gülle- und Substratlogistik ausgerichtet.
Höchstmengen begrenzen
Trotzdem hält er wenig von diesem überregionalen, teilweise schon internationalen Nährstofftransfer. „Noch ist dieser Zufluss zu verkraften. Aber sollten die zulässigen Höchstmengen von derzeit 220 irgendwann auf vielleicht 180 oder gar 140 Kilogramm Stickstoff pro Hektar sinken, sind wir hier in unserer Region schon mit eigenen Mengen dicht", so seine Einschätzung.
Besagte Mengen stammen dabei nicht nur aus Gülle der Vieh haltenden Betriebe, sondern in hohem Maß aus Substrat von Biogasanlagen, die auch im Wendland während der zurückliegenden Jahre wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Dementsprechend hat Ulrich Helmcke für sein Unternehmen den Schwerpunkt auf Substratausbringung gelegt, da die Landwirte der Region ihre für den Acker bestimmte Gülle in der Regel selbst ausbringen. Das Team aus Tolstefanz transportiert allerdings derzeit jährlich rund 15.000 m3 Gülle von Ställen zu
Biogasanlagen. Zum Einsatz kommen dazu drei Gespanne, bestehend aus Traktoren und 26-m3-Sattelaufliegern mit Dolly-Achsen. Der Aktionsradius liegt bei rund 50 Kilometer rund um Tolstefanz, trotzdem übersteigt die durchschnittliche Transportentfernung zwischen Stall und Biogasanlage selten mehr als zehn Kilometer. Und auch die Wegstrecken zu den Ackerflächen der Kunden bewegen sich in dieser Größenordnung. Aus diesem Grund rechne sich Variante Traktor-Sattelauflieger durchaus, so Ulrich Helmcke. Wären dauerhaft längere Strecken zu bewältigen, würde allerdings der Lkw immer mehr ins Blickfeld rücken. „Aber mit unseren Traktorgespannen kommen wir gut zurecht, nicht nur auf der Straße, sondern vor allem auf dem Acker und Feldwegen. Die 445er-Bereifung der Auflieger ist dabei ein guter Kompromiss", meint er.
Unterfußdüngung spart Geld und Zeit
Die Gärsubstratmenge, die mit seiner Technik auf Acker und Grünland verteilt wird, beziffert er auf derzeit etwa 60.000 m3 pro Jahr. Der Transport zum Acker erfolgt ebenfalls mit den genannten Sattelaufliegern. Für die eigentliche Verteilung setzt Ulrich Helmcke auf einen Selbstfahrer mit 15-m3-Tank, in den am Feldrand umgepumpt wird. Derzeit denkt der Lohnunternehmer über die Nachrüstung mit RTK-Technik nach, die seinen Ansprüchen genügt. Diese benötigt er für sein jüngstes „Projekt": Unterfuß-Depotdüngung mit Gärsubstrat, indem etwa 15 bis 20 m3 pro Hektar als Düngestränge in etwa 20 cm Tiefe eingebracht werden und darüber im gleichen Arbeitsgang ein Erddamm geformt wird. Der Reihenabstand hängt von der Folgefrucht ab. In diese Dämme wird später Mais gesät oder werden Kartoffeln gepflanzt - wofür jedoch größtmögliche Fahrgenauigkeit erforderlich ist, daher der Wunsch nach geeigneter RTK-Unterstützung.
Zwei Gründe waren für Ulrich Helmcke ausschlaggebend, sich für diese Ausbringmethode zu entscheiden. Einer ist der arbeitswirtschaftliche Vorteil. Indem bereits im Herbst auf einem Teil der Flächen die Grundbodenbearbeitung erledigt und das Substratdepot angelegt wird, kann die für Lohnunternehmer wie Landwirte stressige Arbeitsspitze im Frühjahr entzerrt werden. Auswaschung und/oder Ausgasung vor allem des Ammonium-Stickstoffs sind dabei seines Erachtens nicht zu befürchten, zumal durch Einsatz von Stickstoffstabilisatoren wie zum Beispiel Piadin eine gute Konservierung der Nährstoffe möglich sei.
Erschienen in der Lohnunternehmen Februar 2013
Bilder: Redaktion Lohnunternehmen.