September 2005: LU Zollinger rechnet minutengenau ab
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Lohnunternehmer Willi Zollinger ist Landwirt und Lohnunternehmer. Er führt einen gemischten landwirtschaftlichen Betrieb mit Mutterkuhhaltung und 35 ha Ackerland, auf dem er Wein, Kartoffeln, Getreide und seit zwei Generationen auch Erdbeeren anbaut. Seine gesamte Ernte geht in die Direktvermarktung. Vor 25 Jahren begann er mit den ersten Dienstleistungen für seine Kollegen aus der Landwirtschaft: Häckseln mit einem zweireihigen Selbstfahrer von New Holland. ?Damals noch ohne Kabine.? Diesen Kommentar kann er sich nicht verkneifen, zumal sein Maschinenpark nie älter als drei bis vier Jahre wird.
"Die Schweiz ist teuer" Erst im März letzten Jahres hat er sich einen neuen Häcksler geleistet, den er bei seinen gut 40 Graskunden im Einsatz hatte. Er bietet die komplette Häckselkette an. ?Flächen unter einem Hektar mäht der Landwirt mit Frontmäher und Quetschwalzen-Aufbereiter meist selbst. Diese Flächen sind zu klein für die großen Maschinen. Das rentiert sich für mich nicht.? erklärt Zollinger. Gemäht wird im Stundenlohn, der zwischen 120 und 130 Schweizer Franken liegt (1 Schweizer Franken entspricht 1,54 Euro).
Beim Häckseln wird nach Minuten abgerechnet erklärt er: ?Der Grund ist, dass die Grasschnitte unterschiedlich viel Aufwuchs haben. Abgerechnet nach Fläche würde ich beim ersten Schnitt ein Minus machen, beim zweiten stünde es schon besser für mich und beim Dritten wäre das Plus auf meiner Seite. Danach pflügt und sät der Landwirt seine Felder selbst.?
Eine Trommelminute kostet den Kunden 7,20 Schweizer Franken. ?Das entspricht in etwa 280 Euro in der Stunde, weit mehr als der deutsche Lohnunternehmer nimmt, nicht wahr?? fragt Lohnunternehmer Willi Zollinger, der sich an eine Lohnunternehmerrechnung von einem befreundeten Landwirt aus Rostock erinnert.
Mit einer Häckselkolonne ist er im Einsatz. Sie besteht in der Regel aus zwei bis drei Wagen. Diese hält er entweder selbst vor, oder er greift auf die Mithilfe des Landwirts zurück. ?Mein System ist es, den Landwirt immer noch ein bisschen mitarbeiten zu lassen. Sonst ist er bei der Ernte nur noch für den Kaffee zuständig, und außerdem kann er uns so, zu meiner eigenen Absicherung, überwachen.? betont Zollinger.
Neue Häckseltechnik Bei dem neuen Häcksler handelt es sich um einen Claas Jaguar 870 Profistar mit 420 PS ?Diese Leistungsklasse genügt für uns,? meint Willi Zollinger und erklärt, warum er das Vorgängermodell, ein Claas 870, bereits nach einem Jahr durch die neue Maschine ersetzt hat: ?Ich war zufrieden mit meinem Häcksler, habe dann aber auf der Agritechnica 2003 die neue Jaguar-Generation mit integriertem Siliermitteltank und Durchsatzmessung gesehen.? Auf der Messe stellte Claas eine Durchsatzmessung für die Gras- und Maissilageernte vor. Dazu werden die Drehzahlen im Einzug erfasst und der Vorpresswalzen-Ausschlag gemessen. Über ein Terminal, den Claas-Comunicator, wird das Durchsatzvolumen um das spezifische Gewicht korrigiert, so dass Gesamtertrag, Ertrag pro ha und die Durchsatzleistung abrufbar sind. Zusätzlich ist eine Auftragsbearbeitung integriert, mit dessen Hilfe die ermittelten Werte einzelnen Kunden zugeordnet werden können. Das Terminal steuert zusätzlich die mengenabhängige Dosierung des mitgeführten Silierhilfsmittels. Aus einem integrierten 410 Liter Tank kann fertig angemischtes Silierhilfsmittel über eine direkt am Auswurfbeschleuniger eingebaute Düse eingesprüht werden, wobei die Dosiermenge über die Pumpe reguliert wird. ?Das hat mir imponiert, denn meine Kundschaft äußerte verstärkt den Wunsch nach einer Technik zur präzisen Siliermitteldosierung. Bei jedem zweiten ?Graskunden? komme ich mittlerweile mit Bakterien auf den Hof, vor allem bei sehr trockenem und sehr feuchtem Gras. Die Verwendung von Siliermitteln ist besonders bei den Hochsilos - und die meisten meiner Kunden haben traditionell solche Behälter auf dem Hof stehen ? wichtig für die Futterqualität. Außerdem bin ich der Meinung, dass man in der Landwirtschaft - und da sind wir als Lohnunternehmer besonders gefragt - das Tierfutter verbessern muss, weil der Zukauf von gutem Futter zu teuer geworden ist.
Siliermittel präzise dosieren ?Mit meiner neuen Maschine kann ich erstmals das Siliermittel direkt beim Häckseln genau dosiert einspritzen.? beschreibt Lohnunternehmer Zollinger begeistert die Vorteile der Siliertechnik. ?Für die Mischung lautet die Vorgabe: 10 g des Siliermittels pro Tonne Gras. Ein Paket kostet mich 110 Schweizer Franken und reicht für circa 25 Tonnen. Da sollte das Mittel schon relativ präzise zudosiert werden, was auch ein Grund für den Maschinenwechsel war?, begründet er seine Investition und ergänzt: ?Der Computer erlaubt weitere ?Spielereien?, wie zum Beispiel Zeiterfassung, Ertragsmessungen, Kraftstoffverbrauch/ha, Dokumentation der geernteten Fruchtart, Feuchtigkeitsmessungen und noch mehr. Das werde ich zukünftig sicherlich zur Dokumentation brauchen können, aber zunächst benötige ich die Technik vor allem für die Silagebergung bzw. die Abrechnung nach Trummelminuten und die Siliermitteldosierung.?
Der Häcksler macht bei ihm in der Gras und Maisilageernte bis zu 480 Arbeitsstunden im Jahr. Im Mais häckselt er bei ungefähr 80 Kunden; zum Teil auf Flächen unter einem ha Größe. Die größten Schläge messen 25 ha, so dass er auf eine Stundenleistung von circa einem ha kommt. Beim Maishäckseln wird nach Fläche abgerechnet. 580 Schweizer Franken je ha ist sein Preis. Auch im Mais nimmt der Einsatz von Siliermitteln zu. Allerdings kommt hier aus Kostengründen die im Vergleich zu Silierbakterien günstigere Säure zur Anwendung.
Bei seinem neuen Häcksler kann aus einem integrierten 410 Liter Tank fertig angemischtes Silierhilfsmittel über eine direkt am Auswurfbeschleuniger eingebaute Pumpe, Leitung und Düse in den Gutstrom eingesprüht werden.
Willi Zollinger hat sein Hobby zum Beruf gemacht oder vielleicht auch umgekehrt: Leistungspflügen. Er wurde 1995 sogar Weltmeister im Leistungspflügen in Kenia.
Qualität vor Quantität
Drei Mitarbeiter arbeiten durchgehend bei Zollinger, und in der Saison beschäftigt er weitere 20 bis 25 Aushilfen, aber er bedauert: ?Gutes Personal zu finden ist unser größtes Problem. Ich könnte noch viel mehr machen, wenn es nicht an guten Leuten mangeln würde. Mein Ziel jedoch ist es, den Kunden optimal zu bedienen. Das bedeutet Qualität vor Quantität, und ich lege größten Wert auf Pünktlichkeit für den Kunden! Nur dadurch habe ich meine Stammkundschaft von 120 Betrieben aufbauen können.?
Er erwirtschaftet er einen Jahresumsatz von gut 300.000 Schweizer Franken, und aus seiner eigenen Landwirtschaft kommt noch mal ungefähr der gleiche Betrag dazu. Im Mähdrusch und Press-Geschäft sieht er wenig Zukunft für sich, da der Markt bereits übersättigt sei, aber er ist zusätzlich im Winterdienst und in der Kompostausbringung tätig und pflügt und sät noch auf ca. 30 bis 40 ha.
Als Kunde von Zollinger ist man übrigens nicht schlecht beraten, seinen Acker von ihm ?schwarz machen? zu lassen, da er 1995 Weltmeister im Leistungspflügen in Kenia wurde.
Autorin: Anne Ehnts