September 2006: LU Peter Stähli baut sich seine Bunkerhäcksler selbst.
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Bereits seit 10 Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema Bunkerhäcksler. Damals hat er mit dem Bau seiner ersten Bunker-Maschine begonnen, die er vor zwei Jahren verkauft hat. Das Trägerfahrzeug war damals ein Häcksler von New Holland. Aktuell hat er einen 8-reihigen Bunkerhäcksler mit einem Claas Jaguar als Trägerfahrzeug und einen Standardhäcksler Claas 860 im Einsatz. ?Die Aufträge für den Bunkerhäcksler bzw. die Fläche haben für diese Maisernte wieder derart zugenommen, dass ich eigentlich schon fast einen zweiten Häcksler dieser Bauart auslasten könnte.? meint er zufrieden.
Im letzten Jahr hat er mit seiner Bunkermaschine 500 h gehäckselt, hauptsächlich im Mais. Die Maisflächen häckselt er zu drei Vierteln mit dem Bunkerhäcksler und zu einem Viertel mit der Standardmaschine.
Mit dem Bunker in den Hang ?In der Schweiz laufen sicherlich an die 10 Bunkerhäcksler. Davon neben meinen Maschinen 3 Fieldshuttle von Claas und vielleicht 5 New-Holland-Bunkerhäcksler aus Frankreich.? Schätzt Peter Stähli grob. ?Das Fieldshuttle arbeitet in unseren Hanglagen nicht so wie ich will.? antwortet er auf die Frage, warum er sich seinen Bunkerhäcksler selbst zusammengebaut hat. Sicherlich liegt der Hauptgrund darin, dass er einfach ein Technikfanatiker und Tüftler ist. ?Als Maschine für die ebenen Flächen könnte ich mir ein Claas Shuttle vorstellen, wobei ein Bunkerhäcksler ja gerade in den Hanglagen seine Vorteile ausspielen kann.? rechtfertigt er seine Meinung.
Und wo genau liegen die Vorteile des Bunkers am Hang? ?Beim Überladen im Hang verursacht man mit den Abfuhrfahrzeugen große Strukturschäden, vor allem mit kleinen Traktoren, die hier viele Landwirte fahren. Mit einem Bunker kann am Feldrand übergeladen werden, und zusätzlich trage ich dann mit den Transportfahrzeugen weniger Schmutz ins Fahrsilo.? Peter Stähli arbeitet so, dass er wenn der Bunker voll ist, an den Feldrand fährt und mit dem Rollbunker auf Schlepper ? Anhänger-Gespanne, Lkw oder Lkw mit Mulde überlädt. Die Transportgespanne fahren also fast ausschließlich auf der Straße, sodass grundsätzlich auf dem Silo abgekippt wird ? ausgenommen die Lkw mit Mulde. Hier wird vor dem Silo abgekippt und das Häckselgut mit einem Teleskoplader hochgeschoben. ?Ich spare obendrein noch einen Mann in der Abfuhr, und die Überladeverluste sind geringer.? zählt Stähli auf und räumt ein: ?Heute hat zwar schon fast jeder Kunde einen großen Schlepper, aber der wichtigste Vorteil ist, dass ich mich mit dieser Spezialtechnik vom Mitbewerber absetze.?
Und die Nachteile? ?Mit dem Bunkerhäcksler benötige ich heute im Vergleich zum herkömmlichen Häcksler auf jeden Fall mehr Zeit. Das liegt daran, dass mein Häcksler beim Überladevorgang steht. Entscheidend ist aber die Parzellengröße. Die Leistung meiner Maschine sinkt mit steigender Flächengröße, und auch bei uns in der Schweiz geben kleinere Betriebe zum Teil auf, sodass die Kundenflächen im Schnitt größer geworden sind und stellenweise bis zu 10 ha groß sind. Vor 5 Jahren noch genoss ich mit meiner Bunkermaschine ausschließlich Vorteile. Da waren die Maisparzellen im Schnitt nur 80 a ?groß? und wir waren schneller als Kollegen mit dem Standardverfahren. Man kann sagen, dass uns der Standardhäcksler ab einer Parzellengröße von 5 ha überholt.
Durchschnittlich schafft die Bunkermaschine 0,8 ha/Std., egal ob im Hang oder Flachland. Der Standardhäcksler schafft zum Vergleich 1 ha/Std.? spricht Stähli aus Erfahrung. Im Preis/ha, ausschließlich fürs Häckseln, liegen beide Häcksler, Standard- und Bunkerhäcksler, bei 600 CHF (1,55 CHF = 1 EUR) inkl. 2,4 % MwSt., aber mit dem Standardhäcksler gibt Stähli bis zu 40% Rabatt auf die Fläche: bis 1 ha 0%, ab 1 ha 5 % , ab 2 ha 10%,... ab 8 ha 40%. Das Rabattsystem gilt pro Anfahrt und Rechnungsstellung. Wer sich also zusammenschließt, kann von diesem System profitieren. Allerdings liegt diesem System ein Arbeitsaufwand von 1,5 Std./ha zugrunde. Entsteht durch Verschulden des Kunden ein Mehraufwand berechnet Stähli 100 CHF/Std.. ?Mit zunehmender Flächengröße bezahlt der Kunde mit dem Standardhäcksler also weniger. Auf diesem Weg versuche ich meine Kunden dazu zu bewegen, auch mal auf den Bunker zu verzichten, wenn er unwirtschaftlich ist.? rechnet Stähli vor.
Technische Details zum Bunkerhäcksler Beim Trägerfahrzeug handelt es sich um einen Claas Jaguar 880 mit 480 PS, den er sich 1999 gekauft hat. 2000 war er mit dem Umbau fertig. Ein Vorbild gab es nicht: ?Wir haben sogar die zwei Achsen und das Drehgelenk (45° Schwenkradius) komplett selbst gebaut.? meint er stolz. Vom eigentlichen Claas-Häcksler ist nur noch das Häckselaggregat, der Motor (Daimler) und die Kabine geblieben. Selbst der Antrieb ist nicht mehr original und der Motor sitzt hinten. ?Ich kenne keine vergleichbare Maschine.? so Peter Stähli. Der Rollbunker fasst 26 m³ und ist komplett trennbar vom Chassis. Er wird seitlich in nur 20 Sekunden entleert.
Der Bunkerhäcksler wiegt insgesamt leer 22 t. Der Jaguar als Standard-Häcksler kommt auf 14 t. Durch eine 1050er Bereifung und den Hundegang ist der Bodendruck trotz des hohes Gewichts nicht größer und das Wichtigste für Stähli: ?Diese Breitbereifung hat keiner meiner Kollegen und das ist entscheidend, denn dann muss ich nicht nur über den Preis gehen. Bei Kunden, bei denen nur der Preis entscheidet, kommen wir mit dem normalen Häcksler.? meint er selbstbewusst.
Die maximale Achslast pro angetriebener Achse liegt in der Schweiz bei 12 t, sodass Straßenfahrten erlaubt sind. Auch eine Sondergenehmigung für die Fahrzeugbreite von 3,50 m zu bekommen war laut LU Stähli kein Problem.
Die Bedienung des Häckslers soll sehr einfach sein, da der Fahrer nicht auf den Überladevorgang achten muss. Er muss lediglich den Füllstand des Bunkers im Auge behalten. Vier seiner Mitarbeiter können das Geschütz fahren.
Bisher hat die Maschine keinen Durchsatzmesser, Stähli überlegt aber, ob es technisch möglich ist, über die Hydraulik der Hangausgleichs-Achse eine Wiegung vorzunehmen.
Eigenbauknicklenkung
Hydraulische angetriebene Häckseltrommel setzt Grenzen ?Der Bunker-Häcksler ist komplett hydraulisch angetrieben. Das setzt Grenzen bei der Leistung der Häckseltrommel. Der Wirkungsgrad ist schlechter. Die Hydraulik mit den vielen Pumpen und Antrieben wird aufgrund der hohen Belastung wahrscheinlich auch als Erstes kaputt gehen. Die Maschine ist aber auch für mehr gedacht als nur das Häckseln. In 10 Minuten ist der Bunker dank einer Schnellkupplung auf 4 Stützen abmontiert und kann theoretisch auch als selbstfahrende Quaderpresse genutzt werden. Der Preiskampf ist zu groß, als das ich solche oder ähnliche Ideen umsetzen würde.? Der Bunker hat bisher, seit dem Jahr 2000, ?erst? knapp 2000 Betriebsstunden gemacht. Grund ist, dass im ersten Jahr zusätzlich noch der erste Bunkerhäcksler mit New Holland-Vorbau im Einsatz war. Trotzdem möchte er sein jetziges ?Schmuckstück? schonen: ?Eine neue Maschine würde sehr viel einfacher aufgebaut sein. Der Bunker würde gleich bleiben, aber für alles andere habe ich neue Ideen. Wahrscheinlich würde ich als Trägerfahrzeug wieder eine Claas-Maschine wählen, aber der BigX von Krone ist auch eine interessante Maschine. Ich könnte mir vorstellen, einen Bunkerhäcksler dann auch für die Mitbewerber zu bauen.?
Kosten und Abrechnung Der Umbau der jetzigen Maschine hat Stähli ca. 600?000 SF gekostet, und das Fahrzeug ist im Betrieb beim Kraftstoffverbrauch sehr teuer. In der Schweiz liegt der Preis bei 1,60 SF/l Diesel. ?Das müssen die Landwirte mir natürlich auch bezahlen, aber die Konkurrenz in der Region ist was die Häckselkette betrifft recht groß. Die Abfuhr berechne ich der Kundschaft extra, aber meistens fahren wir nur mit einem Gespann oder einem Lkw ab, da die Trocknungsanlagen häufig in der Nähe sind.? Wenn er allerdings die Komplettleistung erbringt, d.h. bis in die Trocknungsanlage liefert, lässt er sich pro 100 kg Würfel bezahlen. 100 kg Trockenwürfel kosten ca. 6 SF. Der Bunker wird mit einem entsprechenden Pflückervorsatz auch für die Ernte von Kolbenschrot eingesetzt. Hier gibt es für 100 kg Würfel 8 SF. ?Bei dieser Art der Bezahlung findet die Fläche keine Berücksichtigung. Wenn also der Ertrag schlecht ausfällt, wird unsere Dienstleistung günstiger.? erklärt Peter Stähli.Trotz der genannten Nachteile seines Bunkerverfahrens will er auf keinen Fall auf diese Technik verzichten: ?Das wäre unmöglich. Die meisten unserer Kunden wollen nur diese Maschine! Wir setzen den Bunker auch im Chinaschilf und im Gras ein, aber bei der Grassilage genießen wir keine Vorteile gegenüber dem Standardhäcksler, weil im Gras das Anmähen entfällt.? Auch die Grasflächen häckselt er zu drei Vierteln mit dem Bunkerhäcksler und zu einem Viertel mit der Standardmaschine.
Anne Ehnts und Hans Günter Dörpmund