DEULA-Expertentipp: Einzelkornsaat in der Praxis

Mais und Rüben nehmen bei der Einzelkornsaat den größten Flächenanteil ein. Raps legt zu und teures Hybridsaatgut beim Getreide „steht in den Startlöchern“ für diese Technik.

Von der frühen Mais- oder Rübendrille bis zum modernen Einzelkornsägerät war es ein weiter Weg, ganz zu schweigen von der Zeit des Rübenverziehens. Präzise Technik lässt das Korn im rechten Moment fallen oder schießt es gar millimetergenau auf den Boden, wo es gefangen und für ideale Keimbedingungen platziert, angedrückt und mit Erde bedeckt wird. Geschwindigkeiten von 18 km/h und Flächenleistungen von 100 ha je Tag sind die Kennzahlen, die den Lohnunternehmer ansprechen.

Das Ziel der Technik ist leicht beschrieben: Jeder Pflanze die bestmöglichen Bedingungen für Aufgang und Aufwuchs zu bescheren. Das bedeutet neben dem Schaffen des idealen Saatbetts, wie es auch für jede andere Feldfrucht das Ziel ist, die Samen in vordefinierter Weise gleichmäßig auf der Fläche zu verteilen. Das Herzstück ist dabei die Technik für die Vereinzelung der Saat in der Reihe. Bei mechanischen Maschinen nehmen je Säorgan entweder ein Zellenrad, eine Lochscheibe oder ein Schaufelrad das Saatgut aus dem Vorratsbehälter und legen es am Boden ab, nachdem überzählige Körner abgestreift wurden. Sind Fahr- und Drehgeschwindigkeit gleich, spricht man von „Nullablage“. Diese ist sehr präzise, da das Korn senkrecht in die Furche fällt. Der Ablage laufen Klutenräumer und Säschar voraus und schaffen eine gleichmäßige Ablagetiefe. Im Nachgang wird das Saatgut angedrückt und zugestrichen.

Pneumatische Systeme vereinzeln das Saatgut mit Hilfe von Luftdruck. Die meisten Hersteller verwenden dazu Verfahren mit Unterdruck. Die Körner werden dafür an eine rotierende Scheibe gesaugt, im rechten Moment wird der Unterdruck durch Abstreifer unterbrochen und der Samen fällt in das Saatbett hinab. Da es sich nicht um eine „Nullablage“ handelt, wird das Korn durch die Fahrgeschwindigkeit in Fahrtrichtung beschleunigt, so dass es verrollen kann, was besonders bei verschlissenen Säscharen zu beobachten ist. Bei Systemen mit Druckluft wird der Überdruck nicht nur für die Vereinzelung genutzt, sondern auch um das Saatkorn auf dem Weg in die Furche zusätzlich zu beschleunigen. Ein Hersteller mit zentraler Vereinzelung spricht gar vom „Schießen“ des Korns.

Sensoren können die Qualität der Vereinzelung überwachen und dem Fahrer die tatsächlich ausgesäten Körner je Hektar anzeigen, sodass jederzeit nachjustiert werden kann.

Zusatzaufgaben bei der Aussaat

Neben dem exakten Abstand in der Reihe rückt auch die Ablage in definierten Mustern über die Arbeitsbreite der Maschine hinaus in den Fokus. Ein Dreiecksverband optimiert den Standraum jeder Pflanze, ein Rechteckverband ermöglicht das Hacken quer zur Aussaatrichtung. Eine Eignung der Maschinen für konventionelle Saat wie auch Mulchsaat kann besonders für den Lohnunternehmer von Interesse sein. Für eine Erhöhung der Flächenleistung stehen die Stellschrauben Arbeitsbreite und Fahrgeschwindigkeit zur Verfügung. Präzision und Leistung ist auch weiterhin der zentrale Interessenkonflikt für Maschinenentwickler.

Die DEULA rät

Aufgrund der neuen Düngeverordnung sowie der Veränderung der Gehaltsklassen der Bodenuntersuchung, besonders beim Phosphor, liegt der Fokus beim Einzelkornsägerät nicht nur beim Vereinzeln und dem Legeabstand der Körner - eine besondere Bedeutung gewinnt die exakte Einstellung und Ausbringung des Unterfußdüngers und der Mikrogranulate. Die genaue Einstellung sowie die Abdrehprobe werden durch die Düngerart, -lagerung und -zuführung erschwert.

Beim Mischdünger in Verbindung mit Fronttanks ist darauf zu achten, dass keine Entmischung stattfindet. Dies ist mit der exakten Gebläsedrehzahl zu erreichen. Bei den Zuführschnecken der Maschine ist auf Verschleiß zu achten und das „Mahlen“ des Düngers zu vermeiden. Trockene, fachgerecht gelagerte Düngemittel erleichtern die exakte Ausbringung mit der Maschine. Als Hilfe können Sensoren dienen, die in den Ablauf eingebaut werden, um die Mengen zu kontrollieren und vor allem dem Totalausfall vorzubeugen.

Um den Einsatz von organischen Düngemitteln zu erleichtern und sie besser in den aufgelaufenen Bestand zu bringen, ist der Einsatz von Fahrgassen zu empfehlen. Diese sollten in Abstimmung mit den nachfolgenden Fahrzeugen angelegt werden. Da noch keine Abschaltung des Gestänges möglich ist, ist außerdem darauf zu achten, dass Abstände (z.B. zu Gewässern) mitberücksichtigt werden. Um die Effizienz beim Einsatz von Gülle und Gärresten zu verbessern, ist die Anwendung als Unterfußdünger in Betracht zu ziehen. Das Verfahren wurde von der Landwirtschaftskammer in Feldversuchen durchgeführt. Auch das Verfahren der streifenförmigen Ausbringung oder Dammsaat führt zu einer Verbesserung der Nährstoffausnutzung aus Organischen Düngemitteln.

Jürgen Gerken, Technischer Lehrer an der DEULA Westerstede


Der LU-Tipp

DEULA macht fit

DEULA-Standorte bilden als Träger der überbetrieblichen Ausbildung im Rahmen der Berufsausbildung zum Landwirt, zur Fachkraft Agrarservice  sowie Land- und Baumaschinenmechatroniker jeden Berufseinsteiger an modernster Technik aus. Die gute Vernetzung mit den Herstellern macht es möglich, zukunftsweisende Technik zu erleben sowie altbewährte Standards zu erlernen. Spezialkurse zu verschiedensten Themen werden angeboten oder bei Bedarf geschaffen.


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