DEULA-Expertentipp: Reifenwechsel

Die Montage und Demontage von Reifen können mit Gefahren verbunden sein. Wer sich darauf einlässt,sollte seine Fähigkeiten richtig einschätzen können.
Ein Reifenwechselwagen erleichtert die Montage und den Transport gerade bei schweren und großen Rädern enorm. Foto: Noordhof

Dass es verschiedene Bereifungen für einen Schlepper gibt, die über das Jahr gewechselt werden, war in vergangener Zeit weit häufiger als heute. Da Lohnunternehmen in der Regel aber eine gut ausgestattete Werkstatt besitzen, wäre es zumindest kein Problem. „Wäre“ – das zeigt, „wo der Hase im Pfeffer liegt“. Was nur selten gemacht wird, entwickelt keine Routine.

Zu Beginn soll das Rad von Schmutz und eventuell grobem Rost befreit werden. Handbremse anziehen, Schlüssel abziehen und Bremskeile einsetzen! Dann muss natürlich ein geeigneter Wagenheber zum Einsatz kommen und der muss möglichst nahe am zu wechselnden Rad an vorgesehener Position aufgestellt werden. Nachdem der Schlepper ausreichend angehoben wurde, ist ein Sicherheitsstützbock einzusetzen. Da heute Schlepperräder in der Regel viele hundert Kilo wiegen, muss das Handling vor Beginn der Arbeiten sichergestellt werden. Ein Reifenwechselwagen wäre ideal, bei einem Stapler oder Frontlader ist für Transportsicherheit zu sorgen.

Vertikaler Reifenwechsel

Vor der Montage eines Reifens ist sicherzustellen, dass Felge, Reifen und Schlauch zueinander, zu den anderen Reifen auf dem Schlepper und zum Schlepper an sich passen. Bereits Abweichungen in Nachkommastellen der Größenangaben führen zwangsläufig zum Ausschluss.

Ist der Schlepper angehoben, wird die Luft abgelassen. Für die spätere Montage wird das Ventilloch schon jetzt nach unten gedreht. Ein Lufthebekissen kann bei den weiteren Arbeiten gute Dienste leisten. Mit einem Wulstabdrücker werden erst der äußere Wulst und später der innere abgedrückt. Ein Lappen kann die Felge vor Beschädigung schützen. Mit Montierhebeln wird Stück für Stück der Wulst von der Felgenschulter weggedrückt. Zum erleichterten Heben des Reifens über das Felgenhorn werden Horn und Wulst mit einer Montagepaste (kein Fett) eingestrichen. Mit dem Lufthebekissen wird der Reifen auf angenehme Arbeitshöhe gehalten, so dass für das Abnehmen möglichst wenig Kraft erforderlich ist. Nachdem gegebenenfalls der Schlauch entfernt wurde, wird fortgefahren und der Reifen sollte sich wegrollen lassen.

Andreas Cordes ist technischer Ausbilder an der DEULA Westerstede. Foto: DEULA

Nachdem die Sicht auf die gesamte Felge frei ist, kann diese noch einmal auf Schäden oder Verformungen geprüft werden. Nur eine tadellose Felge, die auch noch nicht geschweißt wurde, kann am Schlepper verbleiben. Das Felgeninnere ist nun gründlich zu reinigen und von Rost zu befreien. Wurde der Ventilkörper bisher nicht entfernt, sollte er jetzt grundsätzlich durch einen neuen ersetzt werden. Neue wie auch gebrauchte Reifen sollten vor der Montage von innen und außen auf Beschädigungen geprüft werden. Bei Schlauchreifen sollte niemals ein alter Schlauch in einen neuen Reifen kommen.

Zur Montage wird von außen nach innen das Felgenhorn, beide -schultern und das -bett sowie der innere Reifenwulst mit Montagepaste eingestrichen. Mithilfe des Hebekissens kann der Reifen leicht in eine gute Position für die Montage gebracht werden. Mit Montierhebeln lässt sich der Wulst Stück für Stück über das Felgenhorn hebeln. Bevor mit dem äußeren Wulst fortgefahren wird, diesen mit der Paste einstreichen. Gegebenenfalls kann mit dem Abdrücker der Wulst in das Felgenbett bewegt werden. Die Montage soll immer am Ventil zum Abschluss kommen. Zum Schluss wird der Reifen auf der Felge zentriert. Auch hier kann das Hebekissen noch einmal gute Dienste leisten.

Zum Aufpumpen des Reifens wird der Ventileinsatz entfernt. Bei Schlauchreifen muss sichergestellt werden, dass dieser nicht eingeklemmt wird. Der Pumpschlauch soll so lang sein, dass der Monteur nicht neben dem Reifen stehen muss. Der Reifenfülldruck darf zum Springen der Wülste 2,5 bar nicht übersteigen. Sitzt der Reifen endlich richtig, wird der Ventileinsatz eingeschraubt und der Reifendruck nach Vorgabe des Herstellers ergänzt. Anschließend auf Dichtigkeit prüfen, Kappe aufschrauben und eine abschließende Sichtkontrolle durchführen, bevor der Schlepper auf alle vier Reifen abgelassen wird.

Die DEULA rät

Die richtige Bereifung und ein dem Anwendungsfall angepasster Reifendruck erhöhen die Traktion, aber auch die Wirtschaftlichkeit aufgrund des Einsparpotenzials an Betriebsstoffen. Jeder Betriebsleiter sollte deshalb über Maßnahmen zur Reifendruckoptimierung nachdenken. Ein erster Schritt kann ein mobiles Reifenfüllset sein. Die hohen Kosten eines Zusatzkompressors können dabei eingespart werden, wenn die Druckluftanlage des Schleppers genutzt wird. Reifenhersteller bieten Apps für das Smartphone, mit deren Hilfe der jeweils richtige bzw. optimale Reifendruck für jeden Reifen ermittelt werden kann. Darüber hinaus kann eine gute Einsatzplanung Umsetzstrecken minimieren. So lässt sich der wirtschaftliche Erfolg steigern und gleichzeitig der Klimaschutz vorantreiben.

Andreas Cordes, DEULA Westerstede