Kommentar: "Deutschland erstickt im Kontrollwahn!"

Vorschriften, Genehmigungs- und Kontrollinstanzen sind inzwischen das täglich Brot der Lohnunternehmer. Jens Noordhof sagt seine Meinung dazu.
Jens Noordhof, Chefredakteur LOHNUNTERNEHMEN

Liebe Leserinnen und Leser,

vor einiger Zeit kursierte in der Tagespresse die Meldung, dass sich bei der bundeseigenen Autobahn GmbH allein im Nordwesten 15.000 Anträge auf Transport von Segmenten für Windkraftanlagen stauen. Unterschwelliger Tenor dabei: So etwas sei doch ein Unding, das müsse doch schneller bearbeitet werden! Wo doch diese Technik der Energiewende diene …

Willkommen in der deutschen Verwaltungsrealität, war mein erster Gedanke. Lohnunternehmern ist dies nichts Neues. Wer mit einer „überbreiten“ Maschine von A nach B will, kennt den Krampf des Behördenmarathons, bei dem selbst  eine Kreisgrenze zu einer schwer überwindbaren Hürde werden kann. Was früher in der Regel in den Amtsstuben pragmatisch gehandhabt wurde, scheint mir heute eine schwierige Gemengelage aus Entscheidungsangst und Übergenauigkeit zu sein, ergänzt um – wie sich kürzlich im Gespräch zu dem Thema mit einer Gruppe Lohnunternehmer ergab – die Vermutung, daraus eine willkommene Einnahmequelle generieren zu können.

Vorbereitet sein

Deutschland erstickt in Vorschriften, Genehmigungs- und Kontrollinstanzen, verteilt auf alle Ebenen von EU über Bund und Länder bis auf Kreisebene. Wer in der Wirtschaft einfach nur einen guten Job machen will, verbringt mittlerweile Unmengen an Zeit mit Anträgen und Betriebsprüfungen. Einen besonderen Kalauer dazu berichtete mir kürzlich ein Lohnunternehmer aus dem westlichen Niedersachsen. Er hatte Besuch von einer Kreis-Veterinärin bekommen. Anlass waren nicht Hund & Katz des Betriebes, sondern die Tatsache, dass besagter Betrieb Gülle transportiert. Von 9-16 Uhr zog sie alle Register des Kontroll-Daseins inklusive Befragung der Mitarbeiter. Das allein wäre ja schon Blutdruck-fördernd genug. Aber jeder Lohnbetrieb werde jetzt vom Kreis zu diesem Thema möglichst jährlich, spätestens aber alle drei Jahre kontrolliert, so ihre Aussage. Was dem Fass jedoch den Boden ausschlug, waren u.a. diverse Forderungen und Änderungswünsche bezüglich des Betriebsablaufes, wie etwa Waschen der Güllefässer nach jedem Wechsel des Kunden. Die „Wunschliste“ wurde lang. Auf die Frage des Lohnunternehmers, in welchen Vorschriften dieses oder jenes denn zu finden sei, lautete die lapidare Antwort der Veterinärin dem Vernehmen nach: In keinen. Sie halte das aber für notwendig.

Dabei ruhig und sachlich zu bleiben, ist dann eine wertvolle Fähigkeit. Doch sich jedes Quäntchen Butter vom Brot kratzen lassen muss man auch nicht, etwa bei der Frage, wer bei welcher Kontrolle welche Unterlagen oder gar das Betriebsmanagementsystem einsehen darf. Informieren Sie sich bitte proaktiv, lassen Sie sich beraten, z.B. als BLU-Mitglied durch die Experten des Verbandes. Was jedoch auf jeden Fall bleibt, ist mehr als nur ein fader Beigeschmack. Um keinen Zweifel zu lassen: Viele Kontrollen in den Betrieben, auch in Lohnunternehmen, sind vom Prinzip her berechtigt und sinnvoll. Aber: Wenn es nicht gelingt, dem ausufernden Kontrollwahn und Behördenapparat insgesamt effektiv Einhalt zu gebieten, ist es kein Wunder, wenn niemand mehr Lust zum Unternehmerdasein hat. Doch wer weiß – vielleicht macht das Beispiel der beschleunigten Genehmigungsverfahren für LNG-Terminals ja doch Schule und es geht mal mit weniger Bürokratie … Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Jens Noordhof, Redaktion LOHNUNTERNEHMEN