April 2013: LU Heinrich Aue
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Heinrich Aue hat vor fünf Jahren begonnen Stallmist aus Weser-Ems in die Hildesheimer Börde zu holen und dort den Ackerbauern anzubieten. Gewagtes Vorhaben in einer Region, in der Rind und Schwein nie eine Chance hatte gegen Rübe und Weizen. Nach anfänglicher Skepsis hat es der gelernte Landwirtschaftsmeister, der einen 60 ha Betrieb in der Börde als Hintergrund hat, recht erfolgreich geschafft organischen Dünger in die Börde zu bringen. Das hat er erreicht mit reichlich pflanzenbaulichen Argumenten und bester Technik. Beides sei nötig, um die Ackerbauern in der Börde zu überzeugen, betont Heinrich
Biogas treibt die Technik
Wer mit Heinrich Aue über sein Geschäft reden will, muss mit ihn ins Feld und sich neben ihn ins LKW Fahrerhaus setzen oder mal einige Runden im Holmer mitfahren. Am 24. Juni 2011 waren er und sein Mitarbeiter Florian Schönfeld dabei auf gehäckseltem Grünroggenstoppel Gärreste eine Biogasanlage einzubringen. Die Kette an diesem Tag bestand aus einem LKW mit Tankauflieger und Holmer Selbstfahrer mit angehängtem 6,20 m Grubber zur Direkteinbringung des Substrates. Sein zweiter LKW war anderweitig besetzt und kam erst ab 11 Uhr dazu. Trotz der geringen Entfernung vom Feld zur Biogasanlage von 5 km wäre ein zweiter LKW besser gewesen, denn das Ausbringfahrzeug war schneller leer, also der Zubringer-LKW pendeln konnte. Also musste Florian Schönfeld, Fahrer des Holmer, des Öfteren am Vorgewende auf den Zubringer warten. Die Übergabe aus dem Zubringer in den Holmer ist schnell erledigt. Das Saugrohr vom Holmer wird in den Andocktrichter am hinteren Ende des LKW-Tanks geführt und die Pumpe beginnt ihre Saugarbeit mit 10.000 Liter pro Minute. Aus der Fahrerkabine muss dabei keiner.
Der Holmer mit seinen 612 PS trägt ein 20.000 Liter Zunhammer Kunststoff-Fass, und zieht einen 6,20 m breiten Köckerling-Grubber über den das Biogassubstrat durch Schlauchleitungen an jedem Zinken direkt in die Erde gedrückt wird. Dadurch bleiben Nährstoffe wie auch Gerüche weitgehend im Boden. „Hier kommen immer mal wieder Anwohner ans Feld und sehen sich das für sie unbekannte Gespann an. Die bekommen auf dem ersten Blick überhaupt nicht mit, dass wir Biogassubstrate ausbringen und sind dann überrascht, dass es nicht riecht", erzählte Heinrich Aue. Und weiter: „Diese High-Level-Technik erst bringt die Akzeptanz in der Bevölkerung, die mir und meinen Kunden wichtig ist. Sie wird bezahlt und macht ihr eigenes Marketing."
Die Fässer für den Auflieger hat er gebraucht aus Holland gekauft. Es handelt sich um VA-Stahl Tanks mit einem Volumen von 38 m³. Die Tankauflieger verfügen über eigene Pumptechnik mit einer Leistung von 4500- 6500 Liter/Minute. Bei größeren Aufträgen verwendet Aue allerdings eine externe Pumpe mit einer Leistung von 10000 Litern pro Minute. Bei Heinrich Aue hat der LKW den Wettstreit mit Traktor und Fass als Zubringer gewonnen: „Die LKW werden im Ortsbereich entweder gar nicht oder deutlich positiver von den Anwohnern wahrgenommen, als ein Traktor mit Fass und zum anderen kann ich den LKW flexibler einsetzen". Damit meint er die Wechselaufbauten. Er fährt die LKW entweder mit den Tanks für Gärrest oder mit Schubboden. Damit holt er Mist aus Weser-Ems in die Börde und transportiert Maissilage von einer Biogasanlage zur anderen.
Die Biogasanlagen haben auch in dieser klassischen Ackerbauregion bereits einen gewissen Stellenwert erobert und bieten vielerlei Aufträge, auch für einen Lohnunternehmer wie Heinrich Aue, der keinerlei Erntetechnik zu bieten hat. „Aktuell wird viel Silomais umgeladen", erzählt er. Jeder seiner zwei LKW ist im Minimum fünf Tage in der Woche im Einsatz. „Ich könnte die LKW problemlos auch sechs Tage die Woche fahren lassen, komme dann aber nicht mehr mit den Fahrerzeiten klar. Es gibt eben auf dem Markt zu wenig LKW-Fahrer."
High Live im Februar
Die Leistung des Ausbringgespannes schwankt je nach Schlaggröße aufgrund des jeweiligen Vorgewendes. Außerdem bremst die Bearbeitungstiefe die Leistung. Mit dem Köckerling-Grubber kann von 5 bis 30 cm Tiefe gearbeitet werden.
Im Holmer saß Florian Schönfeld, 28 Jahre jung und seit 2011 im Mitarbeiterteam von Heinrich Aue. Er ist gelernter Landwirt, hat die zweijährige Fachschule Agrarwirtschaft absolviert und als staatlich geprüfter Betriebswirt abgeschlossen. Er kann sich wie sein Chef mit Fug und Recht als Profi bezeichnen. Nicht nur weil er gut ausgebildet ist, sondern weil er Verantwortung tragen will. Heinrich Aue hat bei seinen vier Mitarbeitern bereits Leitungsebenen eingezogen. Florian zum Beispiel ist Chef der kompletten Gärrest-Kette von der Beratung, Planung bis zur Umsetzung, wobei er als Fahrer ein Teil der Umsetzung ist. Im Sommer sei alles recht easy, meinte er. Einsatzzeiten, die andere LU-Fahrer in der Getreide- oder Maisernte erwarten, laufen bei ihm zu Beginn des Jahres. „High Live erleben wir im Februar, denn dann ist die Gärrest-Kette mit Grubber und Schleppschlauch im Zwei-Schichtsystem unterwegs", schilderte er. Dafür reiche dann auch der 900 Liter Kraftstofftank des Holmer.
Dem Holmer geht's bei LU Aue wie den LKW, er muss mit wechselndem Aufbau arbeiten. Wenn auf den LKW der Schubboden liegt, dann wird das Zunhammer-Fass auf dem Holmer gegen den Bergmann Aufbaustreuer für Stallmist getauscht. Diese Kette wird dann von einem anderen Kollegen als Teamleiter verantwortlich geleitet. Für den Chef bleibt dann der Job im LKW oder aber mehr und mehr im Büro und im Kundenkontakt.
Preis: Kilometer plus Kubikmeter plus Fläche
Abgerechnet wird nach verschiedenen Parametern. Für jeden gefahrenen LKW-Kilometer wird 2,10 Euro berechnet. Ansatz ist immer der kürzeste Weg, entsprechend der km-Anzeige im LKW. Wenn Landwirte nicht wollen, dass beispielsweise auf dem Feld gewendet wird, kann eine Schleife über weitere Feldwege gefahren werden, aber das kostet mehr. Das reine Ausbringen wird derzeit nach Menge berechnet und der Grubber nach Fläche. Bei Flächen unter 2 ha Größe wird ein Aufschlag erhoben. Wer sich allerdings komplett, möglichst per Vertrag, ganzjährig an Henrich Aue bindet, muss diesen Aufschlag für kleinere Flächen nicht zahlen. „Unser Ziel ist, die Biogasanlagen rund um zu versorgen bei der Ausbringung von Gärresten. Bei einigen Anlagen muss ich noch daran arbeiten, dass wir nicht nur geordert werden, wenn eingearbeitet werden soll oder weite Entfernungen zu überbrücken sind.". Häckseln will er auch künftig nicht. Wenn Anlagenbetreiber das wünschen, bietet er jedoch gern ein Gesamtpaket an von der Maissaat über die Biomasseernte bis hin zur Gärresteinarbeitung. Die würde er in Kooperation mit anderen LU-Kollegen erledigen.
Er sieht sich auch in Zukunft als Spezial-Dienstleister rund um die Düngung. Vorneweg die organische Düngung fest und flüssig, aber auch Cultan-Dünger könnte er mit dem Grubber einbringen oder aber speziellen Kali-Dünger beispielsweise aus Rückständen der Zuckerindustrie (Vinasse-Dünger). Das ginge mit seinem Holmer plus Köckerling Grubber selbst bei einer geringen Aufwandmenge von 1,2 t/ha.
„Tankauflieger, wie auch die Streuer habe ich gekauft ohne die Auslastung auch nur annähernd sicher zu haben", erzählt Heinrich Aue. „Man muss sich eben dahinterklemmen und das geht nur wenn man morgens um 6 Uhr anfängt und abends nicht erst um 9 Uhr Feierabend macht".
Geschrieben von Hans-Günter Dörpmund