Februar 2013:Ein Tag mit LU Werner Lange

Um 4:30 Uhr klingelte der Wecker von Björn Lützen. Einen Tag begleitete er den Lohnunternehmer Werner Lange und seinen Mitarbeitern bei der Gülleausbringung.

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5 Uhr: Abfahrt
Meine Fahrt beginnt in Hannover. Wer schon einmal ins Wendland gefahren ist, weiß, dass man für relativ wenig Strecke viel Zeit einplanen muss. Mein Navi zeigt für die 150 km bis Dannenberg 2 Stunden Fahrzeit an. Der Himmel ist sternenklar und die Außentemperaturanzeige pendelt sich bei minus 8° ein. Es wird ein kalter Morgen.

7 Uhr: Die Güllekolonnen rücken aus.
Auf dem Betriebsgelände begrüßt mich Werner Lange und stellt mich einigen Mitarbeiter vor, die nach und nach eintrudeln und ihre Fahrzeuge einsatzbereit machen. Heute wird mit einer Kolonne Schweinegülle in der Nähe von Wanzlitz ausgebracht, eine weitere Kolonne fährt Kartoffelfruchtwasser aus einer Stärkefabrik in Lüchow und ein Güllegespann ist solo unterwegs bei einer Biogasanlage in Gartow. Die Kälte sorgt dafür, dass das „Klarmachen" der Maschinen heute etwas länger dauert. Bei einem Fass ist ein Schieber eingefroren. Da hilft nur noch der Hochdruckreiniger mit Warmwasser weiter.

 

7:45 Uhr: Aufwärmen bei einem Kaffee
Werner Lange fährt mit mir zu einer nahegelegenen Raststätte und erzählt, wie das Lohnunternehmen Lange in der Gülleausbringung aufgestellt ist. Insgesamt werden mit den 8 Verteilfässer von 14 bis 30 m³ pro Jahr ca. 200.000 m³ Gülle, Biogassubstrat und Kartoffelfruchtwasser ausgebracht. Hinzu kommen 10 Güllezubringer: 4 LKW mit Auflieger, eine Dollyachse mit Auflieger und 5 Gliederzüge, sowie Feldrandcontainer.

Die Auftrennung von Gülletransport und -ausbringung hat sich bei LU Lange bereits vor über 10 Jahren ergeben: „Wir sind damals schon an die Grenzen gestoßen, was die Hof-Feld-Entfernungen angeht. Mit dem Zubringer haben wir die für uns richtige Lösung gefunden. Bei der Verteilung setzen wir auf das Schleppergespann. Die Schlepper-Fass-Kombination hat für mich den Vorteil, dass ich den Traktor außerhalb der Güllesaison noch für andere Arbeiten einsetzen kann - das funktioniert mit dem Selbstfahrer nicht."

8:45 Uhr: Auf nach Mecklenburg-Vorpommern
Wir machen uns auf den Weg zur ersten Tagesetappe. Ca. 40 km sind es bis Wanzlitz. Bei Dömlitz fahren wir über die Elbe. Die Sonne steht mittlerweile schon hoch am Himmel und die Temperatur ist im Plusbereich: Bestes Foto-Wetter und ich bin gespannt, wie die erste Güllekette arbeitet.

9:15 Uhr: Gülle-Kolonne im Einsatz
Kurz vor der Ortschaft Göhren biegt Werner Lange nach links in einen Feldweg ab. Dort stehen schon 2 Gülletransporter zum Absaugen bereit. Insgesamt werden in dieser Kette heute 4 Zubringer (zwei LKW mit Auflieger, ein 60 km/ Schlepper mit Dolly-Achse und ein 50 km/h Schlepper mit Gliederzug) eingesetzt.
Andre Bothur fährt heute das Ausbringgespann. Nach drei Minuten sind die 28 m³ Gülle aus dem Trailer abgesaugt, er hebt den Saugarm an und legt ihn auf dem Kotte-Fass ab. „Das ist eine saubere Sache. Ich komme, wenn alles gut läuft, nicht mehr mit der Gülle in Kontakt, weil ich keine Schläuche mehr kuppeln muss", erklärt der 28-jährige Mitarbeiter.

9:45 Uhr: Mit dem 60 km/h Schlepper nach Wanzlitz
„Fürchterlich - so einfach kann man die Straßenverhältnisse hier beschreiben", meint Heinrich Meyer und erklärt weiter: „An 60 km/h ist hier nicht zu denken: nur Feldwege, eine Ortsdurchfahrt und Pflastersteinstrecken." Während der beinahe 25-minütigen Fahrt zur Güllelagune erzählt mir der 60-jährige Niedersachse, dass er heute der dienstälteste Mitarbeiter bei LU Lange sei und er sich keine bessere Arbeit vorstellen könne. „Natürlich sind die Arbeitszeiten nicht immer so ganz einfach mit dem Privatleben in Einklang zu bringen. Aber mit der richtigen Frau an der Seite bekommt man auch das hin", ist Heinrich überzeugt.

10:15 Uhr: Schweinerei an der Pumpstation
Als wir an der Gülle-Pumpstation ankommen, steht Dirk Pauck mit seinem LKW und Auflieger vor uns und versucht seine Schuhe am Gras sauber zu wischen. „Hier fahren auch andere Lohnunternehmen Gülle. Und der Kollege, der vor mir sein Fass vollgetankt hat, hat vergessen, einen Schieber zu schließen. Jetzt sind hier der Platz und die Schläuche voll mit Gülle", erklärt Dirk genervt.

10:30 Uhr: Zurück zum Feld
Bei unserer Rückfahrt zum Feld kommen uns die Gülletransporter von LU Lange in regelmäßigen Abständen entgegen und es wird einmal mehr deutlich, dass die Feldwege bei der Breite der Gespanne an ihre Grenzen geraten.

11:00 Uhr: Weiter zur nächsten Güllekollonne
Als wir am Feld ankommen verabschiede ich mich von Heinrich, rufe kurz bei Werner Lange an, der in der Zwischenzeit zu einem Kunden gefahren ist. In der Zeit, in der ich auf ihn warte, mache ich noch ein paar Bilder von Andre Bothurs Gespann bei der Gülleausbringung.

11:30 Uhr: Zweigstelle in Woosmer Hof
Auf dem Weg zur zweiten Güllekette will mir Werner Lange noch kurz die Zweigstelle in Woosmer Hof zeigen. „Die Hallen nutzen wir heute hauptsächlich zum Unterstellen der Maschinen, die im Jahresverlauf gerade nicht benötigt werden. Wir haben hier zwar eine Werkstatt, diese ist allerdings nicht vollständig ausgerüstet mit Werkzeug und wird nur genutzt, wenn der Weg zu unserem Stammsitz in Predöhlsau zu weit ist. Dann fährt unser Werkstattmitarbeiter mit dem Werkstattwagen hier her", so Werner Lange.

12:30 Uhr: Abstecher zum Biogaskunden
Wir fahren weiter zu einer Biogasanlage einer seiner Kunden in der Nähe von Dannenberg. Die Besonderheit dieser Anlage ist, dass sie mit Feststoffen betrieben wird. „Die Anlage verfügt über sieben Kammern. Diese werden mit einem Gemisch aus Festmist, Mais- und Grassilage, Stroh und auch Rüben gefüllt. Danach werden die Kammern hermetisch verschlossen und das Substrat verweilt 4 Wochen darin", erklärt mir Werner Lange. Das Gas strömt nach oben und wird abgesaugt. „Das Interessante bei dieser Anlage ist, dass sie deutlich einfacher aufgebaut ist, als Biogasanlagen die mit flüssigen Substraten arbeiten. Die einzigen Verschleißteile sind der Radlader und die Tore."

13:15 Uhr: Gülle-Kollone 2 im Einsatz
Ca. 6 km westlich von Lüchow treffen wir auf die zweite Güllekette von LU Lange. Wer es nicht besser weiß, könnte meinen, dass die Mitarbeiter von LU Lange Milch auf den Flächen verteilen. „Das ist Kartoffelfruchtwasser", erklärt mir Werner Lange und weiter: „Es fällt bei der Kartoffelstärkeproduktion in der Fabrik in Lüchow an. Das Fruchtwasser enthält vor allem Kali, zu kleineren Teilen Stickstoff und Phosphor. Deshalb wird es gerne von den Landwirten für die Düngung von Grünland und vor der Maisaussaat abgenommen."

14:00 Uhr: Mit dem LKW Zubringer zur Stärkefabrik
Nachdem als Nächstes der LKW-Auflieger von Sven Böhmer leergesaugt wurde, steige ich zu ihm in den Mercedes-LKW. Jetzt geht es zur Stärkefabrik. „Ich bin eigentlich Fernfahrer und habe bislang eher Langstrecken mit dem LKW zurückgelegt", erzählt mir der Sachsen-Anhaltiner. Die LKW-Technik sei im Lohnunternehmen etwas rustikaler, als er es aus dem Fernverkehr gewohnt ist: „Mein LKW hat 290 PS. Das ist die Untergrenze, wenn der Auflieger voll ist. Wir fahren ja aber in der Regel auch nur kurze Strecken, dafür reicht die Leistung aus."

15:00 Uhr: Weiter geht´s zur Biogasanlage
Meine letzte Station ist heute die Biogasanlage in Gartow. Nachdem ich mein Auto geparkt habe, muss ich nur zwei Minuten warten und schon höre ich den Motor und die Reifengeräusche von Dennis Perschels Güllegespann. In einem großen Bogen wendet er das Geschütz bestehend aus einem 926er Vario und einem 18 m³ Fass mit 15 m Schleppschlauchgestänge und bringt es zielsicher an der Pumpstation zum Stillstand. Dennis ist heute allein unterwegs: „Das ist natürlich nicht ganz so spannend wie mit Kollegen", meint er. Zum Glück gibt es Betriebsfunk und Handys. „So habe ich immer Kontakt zu den Kollegen, auch wenn wir nicht in Sichtweite unterwegs sind."

16 Uhr: Zurück nach Hannover
Ich habe für heute genug Güllewagen gesehen und mache mich wieder auf den Weg nach Hause. Kurzer Blick aufs Navi: 190 km und 2,5 Stunden Fahrzeit. Na dann los!

Björn Anders Lützen, Redaktion Lohnunternehmen