Juni 2012: LU Lübben gibt G r a s

Wenn der Milchpreis stimmt, geben Landwirte auch wieder Geld für die Grünlanderneuerung aus. Das spürt Lohnunternehmer Werner Lübben an Nachsaaten und Komplett-Erneuerung. Sein Grasjahr beginnt im Februar mit Nachsaat und endet im Oktober mit dem 5. Schnitt.

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 „Büsing + Lübben" ist der Unternehmensname und vor Jahren durch eine Kooperation entstanden. Heute ist Werner Lübben der alleinige Inhaber, Ehefrau Anita und Sohn Malte arbeiten derzeit zusammen mit 6 weiteren Mitarbeitern und zwei Azubis als Angestellte. Das Angebot an Dienstleistungen umfasst landwirtschaftliche, kommunale sowie Erd- und Transportarbeiten. Weit fahren muss er nicht. Keiner seiner Kunden ist weiter als 22 km vom seinem Lohnbetrieb in Elsfleth (bei Bremen) entfernt.

Seine landwirtschaftlichen Kunden sind fast durchgängig Milchviehbetriebe. Werner-Lübben sieht sich als Komplett-Dienstleister für die Milchviehbetriebe rund um das wirtschaftseigene Futter, sei es Mais oder Gras. Die Gülleausbringung jedoch ist für ihn kein Thema. Die Tonnenbegrenzung der Wirtschaftswege wie auch die Arbeitspreise seien viel zu gering und daher wenig verlockend, erklärt Malte Lübben.

Völlig anders verhält es sich mit dem Grünland seiner Kunden zwischen Weser und Hunte. Besonders bei der Grünlanderneuerung brummte letztes Jahr das Geschäft. Ganz zu schweigen von der zunehmenden Konkurrenz durch Biogasmais.

Nachsaat: jedes Jahr mindestens einmal
Sein Jahr startet oft früh, Mitte Februar, noch auf dem Frost und endete Anfang April.
„Die Nachsaat machten die Landwirte vor Jahren gern selbst, aber da sie dafür heute kaum noch Zeit haben, bestellen sie den Lohnunternehmer", erzählt Werner Lübben. Mittlerweile hat Lübben einen großen Bestand an Stammkunden, die regelmäßig pro Jahr bis zu 120 ha Grünland nachsähen lassen. Die Nachsaat habe sich erst in den letzten Jahren so positiv entwickelt. Der erste Schub kam aufgrund Berater-Empfehlungen und jetzt heizen die guten Erfahrungen mit dem höheren Energieertrag das Geschäft an. In diesem Jahr habe die starke Nachfrage bereits zu Engpässen beim Saatgut geführt.

Die Nachsaat erfolgt bei LU Lübben mit einem umgebauten Hatzenbichler Striegel und aufgebauter Drillmaschine mit 6 m Arbeitsbreite. Mit diesem Striegel wird eine Leistung von 4 bis 6 ha pro Stunde erreicht. Eine Besonderheit ist die fehlende Walze oder Andruckrolle. Damit will Malte Lübben vermeiden, dass herausgestriegelte Unkräuter gleich wieder angewalzt werden und weiterwachsen können.

Malte Lübben empfiehlt die Nachsaat zweimal im Jahr mit jeweils 5 kg je Hektar durchzuführen. Noch überwiegt bei den Kunden allerdings die einmalige Nachsaat im Frühjahr.
Ausgesät wird eine Grassaatmischung der DSV Saaten, dabei handelt es sich nicht um eine Standardmischung, sondern um die Mischung „Country-Energie" mit Gräsern, die an den jeweiligen Standort und die Nutzugsart angepasst sind. Die jeweilige Auswahl an Gräsern wie auch die Aufwandmenge pro Hektar empfiehlt Lübben bzw. der Fahrer. Wenn denn irgendwann die Nachsaat nichts mehr bringt oder aber die Flächen zu klein oder zu uneben sind, wird der Umbruch mit neuer Beetanlage und Neuansaat in Auftrag gegeben.

Neuanlage: aufwendig, teuer, erfolgreich
Der Umbruch mit dem Ziel der Neuanlage beginnt normalerweise Mitte April und zieht sich hin bis Mitte Mai.
Die Arbeitsfolge startet mit dem abtöten der Narbe. Etwa ein oder zwei Wochen später wird die Grasnarbe an einem Tag gefräst und gepflügt. Anschließend wird die Fläche planiert. Planieren heißt hier auf den Standorten der feuchten, schweren Wesermarsch die Flächen mittels Laser-Navigation in Beete anzulegen mit Neigungen in Quer- und Längsrichtung, damit das Wasser in schmale Gräben, den sogenannten Grüppen, ablaufen kann. Diese Beete werden heute auf eine Breite von 30 bis 35 m angelegt und links und rechts durch diese bis 20 cm tiefen Grüppen begrenzt. Früher waren diese Beete deutlich schmäler, genügen aber heute den größeren Arbeitsbreiten moderner Erntemaschinen nicht mehr.

Nach der Planierarbeit bringt der Landwirt meist Gülle oder Mist auf die Fläche und dann folgt die Ansaat, die LU Lübben überwiegend mit Kreiselgrubber-Kombinationen erledigt. Diese Arbeitsschritte ziehen sich über einige Wochen hin und kosten entsprechend Geld. Daher läuft dieses Geschäft spürbar stärker, wenn der Milchpreis attraktiv ist.

Neues Gras - schweres Gras
Der Erfolg zeigt sich am Ertrag und Energiegehalt. In der Wesermarsch wird das Gras bis zu fünfmal geschnitten. Der erste Schnitt beginnt normalerweise ab dem 15. Mai, bei einer Neuanlage verschiebt sich er sich im ersten Jahr auf Juli, je nach Witterung. Das neue Gras vom 1. Schnitt ist nicht zu vergleichen mit dem alten Gras. Dieses neue Gras ist sehr blattbetont, daher energiereich aber und auch schwerer als älteres Gras. Dies müsse man unbedingt beim Beladen der Erntefahrzeuge beachten, nicht nur wegen Überladung, sondern auch wegen möglicher Fahrspuren in den neu angelegten Grünlandbeeten,  betont Malte Lübben. Bis sich der Boden gesetzt hat, dauert es schon fast ein Jahr. Einzelne Kunden lassen Schafe auf der neuen Grasnarbe weiden, um dadurch das Land zu verfestigen.

Nach säen kommt ernten
Die knapper werdende Arbeitszeit der Milchviehbetriebe schlägt sich bei LU Lübben auch in den zunehmenden Aufträgen rund um die Futterbergung nieder. Er mäht mit dem Big M pro Jahr rund 2600 ha, schwadet mit dem Zweikreiselschwader für die Ladewagensilage und mit dem Vierkreiselschwader für die Häckslerkette.
Lübben braucht für seine Kundschaft Ladewagen und Häcksler. Die Häckselketten werden ausschließlich komplett angeboten und durchgeführt. Meist gehören zu einem Häcksler zwei Abfahrgespanne mit 40 m³ Häckselwagen und ein Gespann mit 30 m³ Wagen plus Radlader zum Walzen.

Beim Mais führt LU Lübben mittlerweile die ganze Kultur von der Saat bis zur Ernte. Den Pflanzenschutz gibt er ab an den LU-Kollegen Spille.
LU Lübben säht rund 800 ha mit zwei 8reihigen Amazone ED, 75er Reihe.

Dieselpreis immer on top
Abgerechnet wird immer mit Diesel exklusive. „Als wir das System 'Diesel exklusive' eingeführt haben, gab es ein oder zwei Kunden, die damit Probleme hatten oder meinten, dass ihre Traktoren weniger Diesel verbrauchen würden. Heute wird diese Abrechnung von jedem unserer Kunden akzeptiert, weil sie nachvollziehbar ist, „erklärt Anita Lübben. Bei der Maissaat beispielsweise nach folgender Kombination: 33 Euro pro Stunde, plus 28 Euro je Hektar, plus Dieselverbrauch (Tagespreis) die Stunde plus MwSt. Bei einzelnen Arbeiten seien die Dieselkosten nicht weit weg von den reinen Arbeitskosten, meint Werner Lübben. Das könne keiner mit seinem Arbeitspreis abdecken.
Auch bei der Grasnachsaat, Maissaat und Maishäckseln wird nach diesem System verfahren. Beispielsweise berechnet Lübben für das Fräsen und Planieren zum Stunden-Arbeitspreis einen Verbrauch von 25 Liter Diesel pro Stunde hinzu.

 

Hans-Günter Dörpmund, Redaktion Lohnunternehmen