November 2011: LU Fehr setzt auf die Familie

Ein schönes Beispiel eines gut eingespielten Familien-Teams haben wir im bayerischen Trunkelsberg bei Memmingen gefunden:

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Dort führen die Brüder Wolfgang und Thomas zusammen mit ihrer Mutter Maria ein Lohnunternehmen, das seit der Gründung vor 18 Jahren eine beachtliche Entwicklung hingelegt hat. Das Lohnunternehmen Fehr hat mit dem überbetrieblichen Pflanzenschutz gestartet. Heute sind die Hauptumsatzträger die Bergung von Grünfutter (Gras und Mais), der Mähdrusch und die Strohernte sowie der Winterdienst.
Die Arbeitsteilung in der Geschäftsführung sieht folgendermaßen aus: Wolfgang und Thomas sind in der Ernte draußen und sorgen dafür, dass die Technik läuft. Maria Fehr besetzt die Zentrale, nimmt die Kundenaufträge an und koordiniert über Telefon und Betriebsfunk die Ernteketten.

Komplette Kette wird gefordert

In der Grünfutterernte kommen hauptsächlich die drei Häckselketten zum Einsatz. „Wir besitzen noch einen Pöttinger Combiwagen. Dieser läuft aber zumeist als Transportwagen in der Häckselkette mit. Es gibt immer weniger Kunden, die Ladewagensilage wünschen", so Thomas Fehr. Die Ansprüche der landwirtschaftlichen Betriebe in der Region Memmingen haben sich mit dem Strukturwandel der letzten Jahre geändert. Hochsiloanlagen sind passé. Die Grünfutterente wird heute in gut ausgebaute Fahrsilos einsiliert.
Zu 90 % rückt das Lohnunternehmen Fehr mit der kompletten Erntekette bei den Kunden an. Dazu gehören in der Regel der Häcksler, zwei Abfahrgespanne und ein 12 t-Radlader zum Verdichten. Zum Teil mieten sich die Kunden die Transportfahrzeuge von Fehrs, ziehen diese aber mit den eigenen Traktoren. In der Regel liegen die Flächen arrondiert um die Betriebe, weshalb ein Häcksler mit zwei Abfahrgespannen gut bedient werden kann. Die maximale Hof-Feld-Entfernung schätz Wolgang Fehr auf 15 km: „Das sind aber seltene Ausnahmen. Der LKW kommt für uns deshalb nicht in Frage. Wenn wir weiter fahren müssen, nehmen wir noch ein oder zwei Abfahrer hinzu."

Ärger mit den Anwohnern vermeiden

Was die Beladung der Fahrzeuge angeht, so verhalten sich die Fehrs im Vergleich zu manch anderen Kollegen defensiv. „Es macht bei uns keinen Sinn, die Wagen in der Grünfutterernte bis in den letzten Winkel zu beladen. Spätestens in der ersten Kurve geht Ladung verloren. Dann gibt es Ärger mit den Anwohnern und anschließend mit der Polizei. Wir Lohnunternehmer müssen Rücksicht nehmen, ansonsten bekommen wir immer mehr Probleme bei Transportfahrten auf öffentlichen Straßen", davon ist Wolfgang Fehr überzeugt. Gerade durch die Biogasanlagen hätte sich die Erntesituation in den letzten Jahren immer mehr verschärft. Im Landkreis Unterallgäu sind bereits 50 Biogasanlagen (größtenteils 200 bis 300 kW) am Netz und weitere sind in Planung. „Es wird mehr GPS und Mais angebaut. Und es muss innerhalb kürzester Zeit geerntet werden. Da ist es doch ganz natürlich, dass die Anwohner nicht begeistert sind, wenn wir mit unseren großen Fahrzeugen an deren Vorgärten vorbeibrausen. Deshalb sagen wir unseren Leute, nehmt den Fuß vom Gas und ladet die Anhänger nicht so voll."

Knapp 7 Monate Grassaison

Die Grasernte beginnt Anfang Mai. Insgesamt werden sechs Schnitte im Abstand von vier Wochen pro Jahr geerntet. Pro Jahr fallen in der Region ca. 1.000 mm Niederschlag, die sich im Vegetationswachstum wiederfinden. „Die Grassilageernte läuft bei uns fast sieben Monate durchgehend. Erntefenster von einer Woche pro Schnitt haben wir hier zum Glück nicht. Wir haben den weiteren Vorteil, dass sich die Betriebe unserer Kunden in unterschiedlichen Höhenlagen befinden. Entsprechend arbeiten wir uns vom Tal nach oben hin auf 900 m vor", erklärt Thomas Fehr. Ist der erste Schnitt bei den „Berg-Kunden" beendet, beginnen Fehrs mit dem zweiten Schnitt bei den Kunden im Tal.

Die Koordination der Ernte übernimmt Maria Fehr. Sie sitzt in der Zentrale, nimmt Kundengespräche entgegen und koordiniert die Ketten. Das erfordert viel Organisationstalent und  Ruhe. Die strahlt Maria Fehr aus: „Es ist nicht immer einfach, wenn drei Telefone gleichzeitig klingeln. Gerade in der Getreideernte können wir mit zwei Maschinen nicht bei allen Kunden zeitgleich ernten. Da muss ich dann schon manchmal Überzeugungsarbeit leisten. 90 % sind Stammkunden. Die kennen unsere Abläufe und vertrauen auf uns. Diese Kunden werden von uns auch zuerst bedient."

Einmal pro Jahr wird jeder Kunde besucht

„Vor Weihnachten bin ich vier bis sechs Wochen unterwegs und besuche sämtliche Kunden und bringe ein kleines Präsent vorbei. Diesen Kontakt nutze ich gleich, um über die abgelaufene und die nächste Saison zu sprechen. Außerdem frage ich nach, ob der Kunde mit unserem Service soweit zufrieden war, oder ob es noch Verbesserungswünsche gibt. Ich mache das jetzt so seit 18 Jahren", erklärt Maria Fehr ihre Kundenbindungsstrategie. „Diese Kontakte geben uns die Möglichkeit, unser Unternehmen strategisch immer wieder neu auszurichten und unseren Maschinenpark an die Ansprüche der Kunden anzupassen", ergänzt Wolfgang Fehr. Wichtig sei, dass man immer ehrlich mit den Kunden umgehe, ist Maria Fehr überzeugt: „Man sollte den Kunden nichts versprechen, was man nicht halten kann."

Einen großen Beitrag zum Vertrauen der Kunden in die Dienstleistungen des Lohnunternehmens Fehr leistet sicherlich auch die Tatsache, dass Wolfgang Fehr bei einem Großteil der Betriebe den gesamten Pflanzenschutz übernimmt und organisiert: „Die Kunden wissen es zu schätzen, dass jemand für sie den Full-Service im Pflanzenschutz von der Planung bis hin zur Dokumentation übernimmt. Zu diesen Kunden haben wir ein besonderes Verhältnis. Sie lassen uns freie Hand auf ihren Flächen. Wenn die Kunden mit unserem Pflanzenschutzarbeiten zufrieden sind, liegt es nah, dass sie nach und nach auch die Ackerarbeiten an uns abgeben, wenn die Zeit knapp ist." Zum Einsatz kommt in diesem Bereich eine gezogen Rau Spritze mit 3800 l Behälter und 24 m Gestänge. Pro Jahr spritzt er insgesamt ca. 650 ha. „Das hört sich auf norddeutsche Verhältnisse bezogen vielleicht nach wenig Fläche an. Wir haben hier aber sehr kleine Strukturen", meint Wolfgang Fehr.

Abrechnung über den Maschinenring

Die gesamte Abrechnung der landwirtschaftlichen Arbeiten läuft bei den Fehrs über den Maschinenring Memmingen. „Wir können uns dadurch das gesamte Inkasso sparen. Der Maschinenring hat Einzugsermächtigungen von seinen Mitgliedern. Wir bekommen unser Geld sofort, wenn die Rechnung vom Maschinenring gestellt wurde. Ausfälle haben wir so gut wie gar nicht", erläutert Maria Fehr. Die Kunden werden von den Fehrs jedoch direkt angesprochen und auch was die Gestaltung der Arbeitspreise angeht, hat das Lohnunternehmen freie Hand. „Wir haben von Beginn an nach diesem System gearbeitet und es hat sich bewährt", ist Wolfgang Fehr überzeugt und erklärt weiter: „Der Maschinenring kann unsere Arbeit auf seinen Umsatz verbuchen und bekommt dadurch entsprechend höhere Fördergelder. Für mich ist die Zusammenarbeit eine Win/Win-Situation."
Der Winterdienst läuft entkoppelt von diesem System. Hier rechnet das Lohnunternehmen Fehr direkt mit den Kunden ab. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Gewerbebetriebe, die ihre Parkplätze und Betriebsgelände von den Fehrs räumen und streuen lassen. Insgesamt werden für den Winterdienst vier Schlepper mit Schneeschild und Streuer ausgerüstet. „Pro Jahr kommen wir im Durchschnitt auf 80 Einsatztage. Wir sind dafür verantwortlich, dass die Betriebe morgens pünktlich öffnen können. Das bedeutet, dass wir nachts rechtzeitig beginnen müssen.", so Thomas Fehr.

In der Saison mit bis zu 18 Aushilfen

Die einzigen Festangestellten des Lohnunternehmens sind die Fehrs selbst. Ansonsten wird ausschließlich mit Aushilfskräften gearbeitet - in der Hochsaison können das schon einmal bis zu 15 Personen sein. Dabei handelt es sich zum größten Teil um junge Landwirte und an der Landtechnik Interessierte, die in ihrem eigentlichen Berufsleben ganz anderen Tätigkeiten nachgehen. „Wir haben einen festen Stamm von Aushilfsfahrern. Das ist uns sehr wichtig. Es macht keinen Sinn, ständig neue Mitarbeiter jeweils für eine Saison anzuheuern. Diese müssten dann erst wieder eingearbeitet werden und kennen die Flächen und die Kunden nicht. Wir versuchen deshalb unsere Aushilfen langfristig zu binden", so Wolfgang Fehr und sagt abschließend: „Wir stehen kurz vor der Schwelle, einen Mitarbeiter einzustellen. Unsere Arbeiten sind allerdings sehr auf die Saison beschränkt und wir müssen uns gut überlegen, wie wir diese Person auslasten können, wenn wenig im Betrieb zu tun ist."

 

Björn Anders Lützen,

Redaktion Lohnunternehmen