DEULA-Tipp: Straßenprofile für Traktoren

Reifen mit alternativen Stollen- und Blockprofilen können gerade für Schlepper mit hohem Transportanteil auf der Straße interessant sein.

Es gibt inzwischen Schlepperreifen, die speziell für den Einsatz in Lohnunternehmen entwickelt wurden. Bei ihnen stehen hohe Laufleistung und mehr Komfort auf der Straße im Fokus. Mit dieser Entwicklung tragen die Hersteller den Wünschen von Lohnunternehmen Rechnung, den oftmals hohen Straßenanteil bei der Schleppernutzung zu berücksichtigen. Dieser Bedarf äußerte sich in steigender Nachfrage sogenannter Industriereifen, wie sie z.B. auf Kommunalschleppern anzutreffen sind.
Schlepper-Industriereifen haben bei Straßenfahrten zahlreiche Vorteile gegenüber AS-Reifenprofilen. Verschleiß und Kraftstoffverbrauch sinken und das Fahrverhalten wird besser, der Komfort steigt. Der Schlepper rollt ruhig über die Straße und schaukelt sich nicht auf. Abrollgeräusche nehmen ab und ein verbessertes Bremsverhalten erhöht die Sicherheit. Für Lohnunternehmen mit hohem Transportanteil sowie Kommunalarbeiten mit z.B. Winterdienst oder Erdbewegungen beispielsweise im Straßenbau können diese Reifen von Interesse sein. Auf Grünland schont das Profil die Grasnarbe. Auf dem Feld stoßen sie jedoch schnell an ihre Grenzen, wenn Boden- oder Witterungsverhältnisse außerhalb der Idealbedingungen liegen.

Die Fachhochschule Kiel hat schon 2013 einen deutlich geringeren Dieselverbrauch wie auch Reifenverschleiß nachgewiesen.

Die Unterschiede zum Ackerschlepperprofil rühren von den vielen Mittelstollen und dem hohen Luftdruck her. Durch das Blockprofil ergibt sich eine große Auflagefläche. Auf der Straße werden Industriereifen in der Regel mit einem Luftdruck über drei bar gefahren. Die Fachhochschule Kiel hat schon 2013 einen deutlich geringeren Dieselverbrauch wie auch Reifenverschleiß nachgewiesen. Bei den Untersuchungen wurde ein Straßenanteil von 31 % zugrunde gelegt und erkannt, dass ein höherer Straßenanteil auch höhere Einsparungen nach sich zieht. Bei der Untersuchung wurde von 800 Betriebsstunden pro Jahr sowie einem Verbrauch von 22 l/h ausgegangen. Das führte bei damaligen Bedingungen zu Einsparungen für Diesel von mehr als 3.000 €. Der hohe Reifeninnendruck für Straßenfahrten mit seinen Nachteilen auf dem Feld macht eine Reifendruckregelanlage noch einmal interessanter.

Die neue Generation der Spezialreifen für Straße und Feld wie sie Lohnunternehmen brauchen, haben eine „Mittelrippe“ die bei hohem Luftdruck das Fahrzeug trägt und ein komfortables Abrollen ermöglicht. Soll das Potenzial ausgeschöpft werden, ist auch hier eine Druckregelanlage unerlässlich.

Reifendruckregelanlagen

Unabhängig von verschiedenen Herstellern haben sich am Markt zwei Systeme für die Regulierung des Reifeninnendrucks durchgesetzt. Für Betriebe mit hohen Feldstandzeiten haben sich mobile Reifenfüll- und Schnellentlüftungssets mit Schnellkuppler auf dem Reifenventil durchgesetzt. Die Kosten hierfür liegen bei ca. 200 €. Hinzu kommt, dass kein weiterer Umbau am Schlepper notwendig wird. Einzige Voraussetzung hierbei ist eine Druckluftanlage seitens des Schleppers.
Die zweite Variante ist die festinstallierte Reifendruckregelanlage am Fahrzeug. Hier unterscheidet man zwischen Einleiter- und Zweileitersystemen. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass es bei der Zweileitervariante eine Versorgungs- und eine Steuerleitung gibt und nur beim Regeln Druck auf den Leitungen anliegt. Im Gegensatz dazu ist beim Einleitersystem (das gängigere) in den Zuleitungen ständig derselbe Druck wie auf den Reifen. Nachteilig bei beiden Systemen ist der mit ca. 6.000 bis 10.000 € hohe Preis. Hinzu kommt, dass beim Nachrüsten Druckleitungen außerhalb des Schleppers verlegt werden müssen. Diese wiederum sind bei der Reifenmontage oder widrigen Geländesituationen störend. Zusätzlich wird bei der festinstallierten Reifendruckregelanlage ein Zusatzkompressor verbaut der gepflegt und gewartet werden muss.

Maik Bohlken, Technischer Ausbilder DEULA Westerstede (Fotos: Keppler, Hädicke, Werksbild)

Die DEULA rät

Aufgrund des enormen Einsparpotenzials an Betriebsstoffen sowie den ackerbaulichen Vorteilen sollte heutzutage jeder Lohnunternehmer über entsprechende Maßnahmen zur Reifendruckoptimierung nachdenken – unabhängig vom Transporteinsatz und dem Wechsel zu Spezialreifen für Straße und Feld. Ein einfacher Einstieg in das Anpassen der Reifendrücke sind die mobilen Reifenfüllsets. Sie sind zum einen eine günstige Einstiegsvariante und erfüllen zum anderen alle Anforderungen für den professionellen Ackerbau. Aufgrund der hohen Kosten von Zusatzkompressoren kann hier gut auf diese verzichtet werden, indem man die Druckluftanlage des Schleppers wie o.g. nutzt. Bei älteren Schleppern ohne Druckluftanlage, die in der Regel nicht für den Straßentransport genutzt werden, kann für das Umsetzen von einer zur nächsten Fläche die Fahrgeschwindigkeit auf Straßen um die Hälfte reduziert werden. Somit umgeht man weitestgehend den erhöhten Reifenverschleiß und spart sich die Zeit des aufwendigen Reifenfüllens, kann aber vollumfänglich die Leistung seines Reifens auf dem Acker ausschöpfen. Um den richtigen Druck seines Reifens zu ermitteln, empfiehlt es sich, die zahlreichen Apps der unterschiedlichen Reifenhersteller – meist kostenfrei – zu nutzen.

Maik Bohlken,
Technischer Ausbilder DEULA Westerstede

Der LU-Tipp:

Spezialkurse zum Kraftstoffverbrauch

Zu vielen Themenbereichen bieten DEULA-Standorte Spezialkurse an. Kraftstoffverbrauch senken beschränkt sich nicht auf den richtigen Reifendruck. Die Stichpunkte Zugkraftmessung, Zugkraftoptimierung, Auf- und Ablasten, Fahrverhalten, Kraftstoffverbrauchsmessung, Motorleistungsmessung, Bodendruckmanagement, Reduzierung des Bodendrucks können einen Eindruck über die Breite zu berücksichtigender Aspekte geben. Termine und Orte der Kurse sowie Informationen über die Möglichkeit von Inhouse-Schulungen vor Ort erhalten Sie beim

Bundesverband DEULA e.V.
Hubert Lücking
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Tel.: 04488/ 830150