LU Genz: Überflieger

Der niedersächsische Lohnunternehmer Oliver Genz hat eine Möglichkeit gefunden, den Maiszünsler biologisch zu bekämpfen: Er benötigt dafür 220.000 Schlupfwespen/ha und eine Drohne. Er hat uns gezeigt, wie die Maßnahme funktioniert.

Lohnunternehmer Oliver Genz

Als ich bei Oliver Genz in Brase ankomme, wartet dieser schon ungeduldig auf den Paketlieferanten, der kurz darauf erscheint und ein Päckchen mit Schlupfwespen bringt. „Die Schlupfwespen müssen möglichst frisch sein und werden deshalb am Tag der Anwendung geliefert. Dann hat man 48 Stunden Zeit“, erklärt er. Was aber bewirken die Wespen (Trichogramma brassicae), die er mit seiner Drohne ausbringt, überhaupt?

Die Trichogramma-Weibchen parasitieren die Eier des Maiszünslers.

Oliver Genz, Lohnunternehmer

„Die Trichogramma-Weibchen parasitieren die Eier des Maiszünslers. Dafür legen sie ihre eigenen Eier in die der Maiszünsler ab, woraus dann neue Schlupfwespen entstehen“, sagt der Lohnunternehmer. Das Gute daran: Die Schlupfwespen schaden ausschließlich dem Maiszünsler, andere Nützlinge sind nicht betroffen. [...]

Mithilfe einer externen Steuerung kann der Lohnunternehmer die Flugroute der Drohne am Boden korrigieren, z.B. wenn Hindernisse im Weg sind.

Die Drohne

LU Genz erklärt, wie er auf die ungewöhnliche Dienstleistung gekommen ist: „Im letzten Jahr habe ich einen Bericht über Trichogramma brassicae gelesen. Das war für mich interessant, da bei uns gerade vermehrt Probleme mit Maiszünsler auftraten. Die Ausbringung erfolgt entweder per Hand oder per Drohne. Und da ich mich privat für Modell- und Ultraleichtflugzeuge interessiere, habe ich mich daraufhin über verschiedene Flugtechnik informiert.“

Wir spielen der Drohne vor, dass sie alle 10 m ein Foto schießt - und das unabhängig von der Geschwindigkeit.

Oliver Genz, Lohnunternehmer

Seine Wahl fiel auf ein Drohnenmodell der sächsischen Firma Hexapilots, das eigens für den Trichogramma-Einsatz aufbereitet wurde: Der Hersteller baute einen patentierten Korb an, der mit den Kugeln „getankt“ wird. Ein sogenannter „Dropper“ ist dafür zuständig, alle 10 m eine Kugel abzuwerfen. „Wir tricksen dabei die Drohne aus.[...]

Auf dem Laptop zeichnet LU Genz die Flugroute der Drohne ein. Er nutzt dafür die Software Mission Planer.

Die Ausrüstung

Für die gesamte Ausrüstung (inkl. Drohne) hat der Lohnunternehmer rund 13.500 € investiert. „Ich habe meinen VW Amarok für den Einsatz umgerüstet, so wird aus einem Fünfsitzer ganz schnell ein Zweisitzer“, erklärt der Lohnunternehmer. Die Drohne fährt auf der Ladefläche mit. Im Wagen selbst befindet sich z.B. eine Ladestation, denn Oliver Genz hat immer sechs Akkus für den Hexacopter dabei.

Die Drohne fliegt dank Telemetrie autonom.

Oliver Genz, Lohnunternehmer

„Ein Akku hält etwa 15 min Flugzeit, deshalb lade ich durchgehend“, sagt er. Außerdem gibt es eine Kühlbox für die Trichogramma-Kugeln und ein „Büro“, also einen Platz für seinen Laptop, wo er die Flugroute der Drohne einstellt. „Die Drohne fliegt nämlich dank Telemetrie autonom“, erklärt er. [...]

 

In einer Kugel befinden sich 2.200 Schlupfwespen. Pro Hektar werden davon 100 benötigt.

Der richtige Zeitpunkt

„Die Ausbringung zur richtigen Zeit bewirkt eine bis zu 80 %ige Bekämpfung“, sagt der Lohnunternehmer. Der Maiszünsler beginnt seine Flugphase in Süddeutschland und wandert daraufhin in Richtung Norden. Deshalb ist der Trichogramma-Einsatz nicht überall zur gleichen Zeit möglich. Die erste Anwendung beginnt je nach Region ab Mitte Juni bis Anfang Juli, die zweite Anwendung folgt etwa zwei Wochen darauf. „Im Norden reicht in der Regel eine Behandlung. Die Tiere werden in sechs verschiedenen Schlupfstadien geliefert, so dass eine Wirkungsdauer von etwa zwei Wochen erreicht wird“, sagt Oliver Genz.

Die ökologische Schädlingsbekämpfung liegt insbesondere bei den Verbrauchern im Trend, deshalb glaube ich, dass diese Dienstleistung eine Zukunft hat.

Oliver Genz, Lohnunternehmer

Ohne Bekämpfung richtet der Maiszünsler erhebliche Fraßschäden an. Daraus folgen Ertragseinbußen sowie hohe Mykotoxingehalte (Schimmelpilzgifte) im Mais. „Der Einsatz von Schlupfwespen hat den Vorteil, dass es sogar egal ist, ob das Nachbarfeld im Herbst eine Stoppelbearbeitung erfahren hat oder nicht“, sagt Oliver Genz. [...]

Nachdem er die Kugeln auf Unregelmäßigkeiten überprüft hat, füllt Oliver Genz sie in den Korb der Drohne.

Die Kunden

Damit die Kunden auf die Dienstleistung aufmerksam werden, hat Oliver Genz Flyer anfertigen lassen und sich auf Fachmessen präsentiert. „Das Interesse ist sehr groß, da ich, nach meiner Einschätzung, der erste und einzige mit der Dienstleistung im Norden bin, allerdings gab es weniger Aufträge in diesem Jahr als ich erwartet hätte“, sagt der Lohnunternehmer.

Der Kunde spart sich damit die Kosten für die Stoppelbearbeitung.

Oliver Genz, Lohnunternehmer

Über den Hersteller Hexapilots bekam er zwei große Aufträge aus Nordrhein-Westfalen sowie Brandenburg. Dazu kamen noch acht Kunden aus Niedersachsen, so dass er in diesem Jahr insgesamt 315 ha abgeflogen hat. [...]