LU Ihorst: Ganzjährig auf Achse

300 Tage pro Jahr, im Umkreis von 120 km, mit 18 Transport- und Ausbringeinheiten, Arbeit in zwei Schichten und zwei Ländern - das Fahren von Gärsubstraten und Gülle ist eindeutig das Kerngeschäft von Lohnunternehmer Paul Ihorst. Wir haben den ungewöhnlichen Betrieb besucht.

Lohnunternehmer Paul Ihorst hat sich auf die Logistik und Ausbringung von Gärsubstrat und Gülle spezialisiert.

„Wo genau liegt eigentlich Tantow? Und warum könnte es einen Lohnunternehmer genau dorthin verschlagen?“, fragen wir uns vor unserer Abfahrt mit Ziel im Landkreis Uckermarck an der deutsch-polnischen Grenze, keine 20 km vor Stettin. Schließlich ist dies nicht wirklich eine Tierhaltungs-Hochburg, und die Ackerbaubetriebe sind groß genug für rentable Eigenmechanisierung. Kurz vor Tantow von der Autobahn abfahrend und mit Blick in Richtung eines sehr großen Biogasanlagenparks, ahnen wir es bereits: Biogas-Logistik. In Tantow empfängt uns Lohnunternehmer Paul Ihorst auf seinem Betriebsgelände und führt uns in sein Büro. Was uns gleich auffällt: Sein Telefon steht niemals still, denn er ist nicht „einfach nur Chef“ sondern Logistiker und direkter Ansprechpartner in allen Belangen seines Unternehmens.

Ursprünglich kommt Paul Ihorst aus Lohne im Landkreis Vechta. Im Jahr 2007 ist er aufgrund eines im Jahr 2006 in Betrieb genommenen Biogasanlagenparks (Verbund von 40 Biogasanlagen mit jeweils 500 KW) mit einer kumulierten elektrischen Leistung von 20 MW in die Uckermark gezogen. 2009 übernahm er sein jetziges Lohnunternehmen mit den Dienstleistungsschwerpunkten Transport und Ausbringung von Gärresten und Gülle. Langfristig angelegte Kontrakte zwischen Lohnunternehmen und Biogasanlagenbetreiber bieten die Grundlage des ganzjährigen Geschäfts. LU Ihorst kann so 28 Mitarbeitern auf der deutschen Seite der Grenze und vier weiteren Festangestellten in Polen einen Arbeitsplatz bieten. [...]

Insgesamt zwölf Lkw mit Tankauflieger sind für den Transport von Gärsubstrat und Gülle in Betrieb.

Effizienz durch Lkw

Fast 500.000 t Gärreste werden jedes Jahr von LU Ihorst abtransportiert. Bei seinem Hauptkunden, der 20-MW-Anlage, werden diese in einen Fest- und einen Flüssigananteil separiert, erzählt uns LU Ihorst. Das geschehe in einem ersten Schritt mechanisch und in einem zweiten Schritt thermisch durch Eindampfen. Dadurch können die Gärreste weiter konzentriert werden, als es rein mechanisch möglich wäre. Den Festanteil bringt LU Ihorst mit einem Festmiststreuer aus.

Für den Transport von Gärresten und Gülle setzen wir weitgehend auf unsere Lkw.

Paul Ihorst, Lohnunternehmer

Für den Transport des „Flüssigdüngers“ aus der Biogasanlage, der dann noch einen Trockensubstanzgehalt von etwa 7-10 % aufweist, unterhält er insgesamt zwölf Lkw von MAN, die mit Tankaufliegern von Meyer-Lohne, Kumm und Güven laufen. [...]

 

 

Besondere Schlagkraft erreicht der Lohnunternehmer mit Tridem-Fässern und bis zu 30 m Arbeitsbreite.

Volle Schlagkraft

Wir fahren gemeinsam mit LU Ihorst zu einem nahegelegenen Schlag eines Kunden, an dem gerade Gärreste ausgebracht werden. Schon auf dem Weg dorthin begegnen wir mehreren seiner Lkw, mit denen die Mitarbeiter zwischen Biogasanlage und Acker hin und her fahren. Am Feld angekommen, wird der Dünger im Idealfall direkt aus dem LKW in den Ausbringer gefüllt. Das funktioniert allerdings nur mit den gezogenen Tridemfässern. Seine bisherigen hatten ein Volumen zwischen 26 und 28 m³, die Lkw-Auflieger halten jedoch 30 m³. Deshalb fiel die Wahl beim jüngsten Neuerwerb eines Tridemfasses auf Veenhuis-Kverneland, weil dieses ebenfalls 30 m³ fasst. Schon im ersten Jahr 2016 wurden damit etwa 90.000 m³ Gärsubstrat und Gülle ausgebracht. Weitere kaufentscheidende Vorteile aus seiner Sicht waren die 30 m Arbeitsbreite, die insgesamt große Stabilität des Fahrzeugs sowie die starken Pumpen. So kann in nicht mehr als drei Minuten ein Gülleauflieger gänzlich leergepumpt werden, was den Einsatz von Feldrandcontainern überflüssig macht und damit Zeit spart. „Ganz wichtig ist mir auch der Service, etwa beim Nachtversand von Ersatzteilen. Wenn ich bis 16 Uhr bei Veenhuis bestelle, ist das Teil aus den Niederlanden am nächsten Morgen da. Das klappt bestens“, lobt er. [...]

Durch den Einsatz von 30-m³-Güllefässern kann ohne Feldrandcontainer gearbeitet werden.

Zeitfenster oft eng

Saisonbeginn ist bei LU Ihorst in der Regel der 1. März. Auf deutscher Seite sind die Böden häufig ohnehin nicht eher befahrbar. Und in Polen läuft die Sperrzeit von Anfang Dezember bis Ende Februar, also einen Monat hinter der in Deutschland festgelegten Sperrzeit. Ein generelles Flächenproblem gibt es dabei jedoch nicht, weder auf deutscher noch auf polnischer Seite. „Durch die großen Mengen und Entfernungen, die wir bewegen, muss die Logistik wirklich passen. Da helfen unterschiedliche Fristen, Saat- und Erntezeiten hüben wie drüben schon recht gut“, stellt der Lohnunternehmer zufrieden fest. Dennoch sei zum Beispiel 2017 die März-Düngung im Raps nur teilweise möglich gewesen. „Der Raps begann spät zu wachsen und hat dann mit einem Mal einen großen Schub gemacht, sodass wir auf einigen Flächen nicht mehr mit Schleppschlauch und 18 m Arbeitsbreite in die Bestände fahren konnten“, erzählt uns LU Ihorst. [...]

Die Feldrandcontainer haben ein Fassungsvermögen von 66 m³ und bilden so einen guten Puffer zwischen Anfuhrlogistik und Selbstfahrer zur Ausbringung.

Einarbeitung nach Kundenwunsch

Für den Tantower Lohnunternehmer hat das Thema Ausbringung plus Einarbeitung in einem Arbeitsgang eine wachsende Bedeutung. Der Flächenanteil dessen liegt inzwischen bei 50 % auf deutscher wie auf polnischer Seite. Allerdings sind die Gründe für die Entscheidung der Kunden durchaus sehr unterschiedlich, wie Paul Ihorst berichtet: „Die deutschen Kunden wünschen sich die unmittelbare Einarbeitung vor allem, weil sie den Nährstoffverlust minimieren möchten. Die polnischen Kunden legen vor allem Wert darauf, weil sie den eigenen Arbeitsgang der Bodenbearbeitung sparen- und außerdem ihre eigenen Traktoren und Maschinen nicht über begüllte Flächen fahren lassen müssen." [...]