Serie: Preiskalkulation – Geschäftskosten
Nun haben wir die Mitarbeiter- und die Maschinenkosten. Damit die Rechnung vollständig ist, müssen wir uns nun um den sogenannten „Wasserkopf“ kümmern – nämlich die bisher nicht verteilten Kosten, die im Betrieb aber anfallen, damit er rund läuft. Dazu zählen unter anderem Telefongebühren, Steuerberatung, Gebäudeinstandhaltung und -versicherung, PKWs, Softwaregebühren oder auch die Werkstattinfrastruktur mit Strom, Werkzeugen und Unterhalt, ebenso Gehälter für Büro-Mitarbeitende und auch das eigene Geschäftsführergehalt.
Auch ein allgemeiner Risikoaufschlag sollte immer hinzugerechnet werden. Ohne Puffer für Krankheitsausfälle oder schwache Jahre sind die Entnahmen oder Rücklagen zu optimistisch geplant.
Die unscheinbaren Kosten
Allgemeine Geschäftskosten wirken oft unscheinbar – dabei können sie eine Spanne von 10 bis 30 % des Jahresumsatzes betragen. Die Spanne zeigt, wie individuell die Kostenstruktur für jeden Betrieb ist. Außerdem kommt es sehr drauf an, wie genau die Kosten bereits auf die ersten beiden Töpfe Personal und Maschinen verteilt wurden.
Beispiel: Wenn ein Betrieb die Arbeitskleidung direkt den Mitarbeiterkosten zuordnet, sind sie ja bereits berücksichtigt. Ein anderer Betrieb kalkuliert die gesamten Kosten für die Arbeitskleidung bei den Gemeinkosten. Genauso ist es bei den Werkstattkosten. Wenn akribisch jedes Teil einer Maschine zugeordnet wird, bleibt nur noch wenig „Kleinkram“ bei den sonstigen Werkstattkosten über, welche dann hier zu Geschäftskosten gehören.
Wie werden Geschäftskosten in den Preis eingerechnet?
Geschäftskosten sind über weite Bereiche weitgehend fix, mit Sprüngen bei Kapazitätserweiterungen. Ob sie am Ende stärker oder schwächer ins Gewicht fallen, hängt davon ab, wie viele Stunden der Betrieb tatsächlich verkauft, beziehungsweise wie viel Jahresumsatz gemacht wurde. Das heißt: Jede Einsatzstunde in unserem Beispiel muss zusätzlich zu Mitarbeiter- und Maschinenkosten mit mindestens 12,50 € Geschäftskosten belastet werden. Je niedriger die jährliche Auslastung, desto höher der Anteil.
Fazit: Der Blick aufs Ganze
Jeder Euro, der im Betrieb ausgegeben wird, gehört in einen der drei Töpfe: Mitarbeiter, Maschinen oder Geschäftskosten. Erst die Summe dieser drei Blöcke zeigt, was eine Einsatzstunde für Maschine und Mensch wirklich kostet. Wer sich nur auf sein Bauchgefühl verlässt oder die Preisliste des Nachbarn abschreibt, tappt im Dunkeln. Kein Betrieb gleicht dem anderen: Unterschiedliche Mitarbeiterstrukturen, Maschinenparks, Geschäftskosten und vor allem verkaufte Stunden führen zwangsläufig zu unterschiedlichen Stundensätzen.
Mit einer vollständigen Kostenübersicht entsteht ein solides Fundament: Der Unternehmer weiß, wie sich sein eigener Preis zusammensetzt, kann ihn gegenüber Kunden besser begründen und in Gesprächen mit Banken oder Partnern selbstbewusst vertreten. Vor allem aber schafft er Klarheit – für sich selbst, für die Planung und für die Zukunft des Betriebes.
Kunden bleiben preissensibel – umso wichtiger ist es, die eigenen Zahlen zu kennen, um zu wissen, wo der eigene Verhandlungsspielraum endet. Dieses Thema vertiefen wir im nächsten Teil unserer Serie.
Katja Beyer
Autorin
Katja Beyer ist Unternehmensberaterin der Firma Re-Aim aus Eckernförde. Sie und ihr Team sind auf Lohnunternehmen spezialisiert und führen neben individueller Beratung auch den jährlichen Betriebsvergleich durch – ein Format, das nicht nur Austausch, sondern auch die Zahlenklarheit fördert. Ihre Kontaktdaten sind katja.beyer@re-aim.de 0175/8685183.