Die verschiedenen Varianten der Unternehmensübergabe – Teil 4

Bei der Unternehmensübergabe muss neben den zahlreichen Refinanzierungen über Herstellerfinanzierungen immer auch eine Hausbankverbindung auftreten.
Übergabe
Mieten, Mietkauf oder kaufen: Finden Sie raus, was das Richtige für Ihr Unternehmen ist. (Foto: Indigolotos/Depositphotos, Igor Tishenko/Depositphotos)

Bei der Unternehmenswertermittlung ist eine gewachsene Hausbankverbindung immer zu empfehlen. Dies bedeutet, dass neben den zahlreichen Refinanzierungen über Herstellerfinanzierungen immer auch eine Hausbankverbindung auftreten muss. Trotzdem nehmen viele Lohnunternehmer die Zusammenarbeit mit regionalen Banken oft als schwierig wahr. Die Hauptgründe, warum die Bank Probleme bereitet, sind: Kostendruck der Banken, schlechte Branchenampel für Lohnunternehmen, aufsichtsrechtliche Anforderungen (MaRisk, Basel IV), Rückzug der Banken aus den Regionen (Fusionen, Filialschließungen, Zentralisierung von Aufgaben, abnehmendes Know-how bzw. Spezialkompetenz).

Blick in die Bankenlandschaft

In nahezu allen Fällen ist eine Einbindung der Bank in den Übergabeprozess zwingend. Dabei gilt auch hier Vertrauen auf beiden Seiten als Voraussetzung. Eine offene, vorausschauende Kommunikation und Transparenz gelten als „Visitenkarte“. Von elementarer Bedeutung ist die eigene Kenntnis des Ratings bei der Hausbank und bei Creditreform. Hohe Transparenz wirkt entsprechend positiv auf das Rating.

Die Bankgespräche sind eigenständig und professionell zu führen. Dabei gilt „agieren statt reagieren“. Hierzu zählen eine aktive Terminfindung, die Nennung einer Tagesordnung, das Zuschicken von schlüssigen und selbst erstellten Unterlagen vorab. Es empfiehlt sich außerdem, lieber mehr als weniger Informationen zu geben. Die Kommunikation auf Augenhöhe gegenüber den Ansprechpartnern der Banken beinhaltet auch die Einbindung von Fördermitteln zu prüfen (Rentenbank, Investitionsbank, KfW, Bürgschaftsbanken/Beteiligungsgesellschaften der Länder).

Sehr hilfreich können auch einige Maßnahmen der Bilanzpolitik sein. Hierzu zählen die Offenlegung der stillen Reserven in den Lohnunternehmen, z.B. mittels Erstellung eigener Verkehrswert-Gutachten oder die ausweisliche Trennung in betriebsnotwendiges und nicht betriebsnotwendiges Vermögen im Jahresabschluss.

Grundregeln

Neben gewissen Voraussetzungen, wie die Unternehmereigenschaft des Nachfolgers und die wirtschaftliche Zukunftsperspektive des Geschäftsmodells, gelten einige Grundregeln für alle Übergaben:

  • genaue Zahlenkenntnis (inkl. vorhandener Bilanzpolitik, stille Reserven) der Jahresabschlussdaten
  • exakte Kenntnis der laufenden und künftigen Liquidität
  • es gibt für Nachfolgen keine Blaupause
  • vollständige Transparenz auf Seiten der Abgebenden und Übernehmenden
  • im Büro wird entschieden (und nicht auf den Maschinen)
  • Selbstbestimmtheit der Entscheidungen („mit warmer Hand“ schenken oder übergeben)

Erfolgsfaktoren

Neben den Grundregeln gibt es Erfolgsfaktoren, die einer Nachfolge bewertbar zum Erfolg verhelfen:

  • intensive Vorbereitung (Worum geht es genau? Und worum geht es genau nicht?)
  • Eintauchen in alle Bereiche
  • aus Sicht der Kunden und Nutzer denken
  • Mitarbeiter und Organisation mitnehmen
  • Nutzen für jeden einzelnen Beteiligten aufzeigen
  • Leidensdruck nutzen
  • hohe Transparenz schaffen
  • konsequentes Handeln

Sehr empfehlenswert ist ein Begleiter von außen – ohne Emotionen – für den gesamten Prozess. Ungeschminkte und neutrale Rückmeldungen, losgelöst von familiären Bindungen, sind ein unentbehrlicher Erfolgsfaktor. Ein weiterer Erfolgsfaktor schlechthin, der immer wirkt, ist der verbindliche Zeitplan, in dem die Schritte bzw. Maßnahmen mit konkreten Terminen kombiniert werden.

Fazit

Am Ende eines Nachfolgeprozesses, der Höhen und Tiefen kennt und durchlebt, wird fast immer alles gut. Neben den Meilensteinen im Entwicklungsprozess gibt es ungeahnte Hürden, die häufig auf die Individualität der Menschen zurückzuführen sind. Oft sind die von den Beteiligten gefundenen Lösungen andere, als zu Beginn diskutiert wurden.

Für Abgebende bedeutet die Unternehmensnachfolge eine große Veränderung. Von Anfang an hilft es daher, die Gedanken immer auch auf das Nachher zu richten: Welche Lebensinhalte gibt es neben dem Unternehmen bzw. was kann ich mir außerhalb von meinen unternehmerischen Aktivitäten für die Zeit danach aufbauen?

Und sollte es noch nicht gut sein, dann ist es noch nicht das Ende. Nichts spricht gegen eine weitere Runde, um die Zufriedenheit aller Beteiligten zu erhöhen. Voller Zuversicht füge ich am Ende hinzu, dass sich auf der einen Seite eine Tür schließt und auf der anderen Seite eine neue Tür und damit Perspektive (er-)öffnet.

Knut Petrowski, Wirtschaftsmediator

Ein sehr gutes Beispiel für eine gelungene Betriebsübergabe finden Sie übrigens in der Printausgabe unserer Zeitschrift LOHNUNTERNEHMEN von September 2025. In dem Artikel "LU Metz – Führungswechsel gut gemacht" berichten wir, wie Stefan Metz sein Lohnunternehmen erfolgreich an einen Mitarbeiter übergeben hat.