Preiskalkulation: Genau hinschauen Teil 3

In unserer Serie zum Thema Preiskalkulation zeigen wir in diesem Teil, wie Menschen und Prozesse das Ganze beeinflussen.
Taschenrechner
Menschen und Prozesse beeinflussen die Preiskalkulation erheblich. (Foto: Depositphotos.com/ erstellt mit KI)

Viele Lohnunternehmer investieren in gute Software, aber die größten Unsicherheiten entstehen durch die beteiligten Personen: Ein Fahrer vermerkt die Zeiten für einen Auftrag nicht und vergisst beim Nachtragen Details. Mengen werden geschätzt statt gemessen. Werkstattzeiten und -kosten werden nicht sauber zugeordnet. Abfahrten, Rüstzeiten oder Verzögerungen tauchen in keinem System auf, ob in der Software oder auf dem Papier.

Fehlerursachen

Der Mensch ist dabei ein wichtiger Faktor, aber nicht ausschließlich. Wichtig ist auch der Rahmen, in dem er arbeitet. Fehlerursachen können fehlende Standards, unklare Verantwortlichkeiten, komplizierte Eingabemasken, Zeitdruck im Tagesgeschäft oder mangelnde Schulungen sein.

Für gute Daten braucht es klare Prozesse, einfache Systeme und regelmäßige Kontrolle. Die beste Maschine fährt nur so gut wie ihr Fahrer, und jede Software ist nur so gut wie die Menschen, die sie nutzen. Die wichtigsten Ansatzpunkte für die Praxis fasst die folgende Checkliste zusammen.

Checkliste

Was liefert welche Quelle – und was kann der Betrieb konkret tun?

Datenquelle

Was

Wie

Buchführung

Monatliche Entwicklung im Blick haben

 

Warum steigen bestimmte Blöcke? Gibt es Sondereffekte?

Gibt es Verschiebungen durch Buchungslogik?

 

Kosten klar strukturieren

Enger Austausch mit Steuerbüro, welche Kosten in welche Blöcke gebucht werden

 

Qualität der Buchführung verbessern

Wie kann man Fehlbuchungen vermeiden?

Betriebssoftware

 

Zum Beispiel 3 Pflichtangaben pro Auftrag (abhängig von Software)

Produktivzeit, Rüst-/Stillstandzeit, Leistung/Menge

 

Einheitliche Regeln für alle

 

Klare Definitionen; Zum Beispiel: wann beginnt/endet ein Auftrag?

 

Aktuelle Erfassung

 

Ziel: am gleichen Tag eintragen; Nachtragen vermeiden

Menschen & Prozesse

Monatlicher Kurz-Check

z. Bsp. Sind Zeiten & Mengen vollständig erfasst

 

Rückmeldung geben und einholen

Verständnis schaffen;

Auffälligkeiten klären

 

Klare Zuständigkeit

Wer prüft Daten?

Wer ordnet Werkstattkosten und Maschinenstunden zu?

Von Daten zu Entscheidungen

Wenn die Daten vorhanden sind, kommt der schwierigste Teil: Sie ehrlich betrachten und konkrete Schritte ableiten. Schon wenige Leitfragen reichen aus, um Hebel sichtbar zu machen:

  • Erreichen die Maschinen die nötigen verkaufbaren Stunden – oder nicht?
  • Wo entstehen verdeckte Kosten, etwa durch hohe Rüst- oder Werkstattzeiten?
  • Welche Fahrer brauchen Unterstützung oder Schulung?
  • Welche Kunden verursachen überdurchschnittlichen Aufwand?

Hier liegt der eigentliche Nutzen der Digitalisierung: Sie schafft Transparenz, die Erfahrung und Bauchgefühl ergänzt – nicht ersetzt. Aus diesem Zusammenspiel entstehen Entscheidungen, die einen Betrieb wirtschaftlich stabil machen.

Katja Beyer

Lesen Sie im nächsten Teil unserer Serie ein abschließenedes Interview mit Katja Beyer.

Autorin

Katja Beyer ist Unternehmensberaterin der  Firma Re-Aim aus Eckernförde. Sie und ihr Team sind auf Lohnunternehmen spezialisiert und führen neben individueller Beratung auch den jährlichen Betriebsvergleich durch – ein Format, das nicht nur Austausch, sondern auch die Zahlenklarheit fördert. Ihre Kontaktdaten sind katja.beyer@re-aim.de 0175/8685183.