Diesel sparen - aber wie? Teil 1
Auch beim Schleppereinsatz kann Diesel gespart werden. Martin Vaupel von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zeigt praxisnahe Maßnahmen, die ohne großen Aufwand umsetzbar sind.
Vorab: Grundlegend neue Technologien zur drastischen Verbrauchsreduzierung gibt es nicht. Moderne Motor- und Getriebekonzepte sind bereits sehr effizient. Entscheidend ist vielmehr die konsequente Nutzung vieler einzelner Stellschrauben, deren Summe zu spürbaren Einsparungen führt.
Dieselverbrauch ermitteln
Um Einsparpotenziale beim Dieselverbrauch bewerten zu können, ist zunächst die Ausgangssituation zu erfassen. Entscheidend ist die Frage: Wie hoch ist der tatsächliche Dieselverbrauch des Schleppers? Viele moderne Traktoren sind mit einer Dieselverbrauchsanzeige ausgestattet, deren Genauigkeit sich in den letzten Jahren deutlich verbessert hat. Zur Plausibilisierung der angezeigten Werte können eigene Tankaufzeichnungen herangezogen oder Verbrauchsmessungen durch Auslitern durchgeführt werden.
Verbrauchsmessungen lassen sich für unterschiedliche Einsatzarten durchführen, beispielsweise für Zapfwellenarbeiten oder reine Transportfahrten. Darüber hinaus können bei identischen Arbeiten auch Unterschiede im Dieselverbrauch zwischen verschiedenen Fahrern ermittelt werden.
Dieselverbrauch vergleichen
Eine fundierte Einordnung der eigenen Verbrauchswerte ermöglicht der Schleppertest der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Dieser wird jährlich in den landwirtschaftlichen Wochenblättern veröffentlicht und ist zudem online unter www.lwk-niedersachsen.de abrufbar. In den Tabellen sind die Dieselverbrauchswerte für Zapfwellenarbeiten (Motorbremse) sowie für Transportfahrten in unterschiedlichen Leistungsklassen aufgeführt.
Auffällig sind dabei teils erhebliche Verbrauchsunterschiede innerhalb gleicher PS-Klassen. So lag beispielsweise bei den Traktoren der 300‑PS‑Klasse der Unterschied zwischen dem verbrauchsgünstigsten und dem verbrauchsstärksten Schlepper bei 8,1 l Diesel pro Stunde vor der Motorbremse. Diese Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Herstellern.
Motor-Getriebe-Management nutzen
Dieseleinsparungen von mehr als 10 % möglich.
Moderne Traktormotoren mit elektronisch geregelter Einspritzung arbeiten im Bereich des höchsten Drehmoments besonders effizient. Dieser liegt in der Praxis häufig bei reduzierten Motordrehzahlen von etwa 1.700 bis 1.500 U/min oder darunter, abhängig vom jeweiligen Motorkonzept. In diesem Last- und Drehzahlbereich ist der spezifische Kraftstoffverbrauch am geringsten.
In der Praxis ist es für den Fahrer jedoch schwierig, diesen optimalen Betriebspunkt dauerhaft exakt einzuhalten, da die Anforderungen je nach Einsatzart – etwa bei leichten oder schweren Zugarbeiten – variieren. Motor‑Getriebe‑Managementsysteme unterstützen den Fahrer, indem sie Motordrehzahl und Getriebeübersetzung automatisch an die aktuelle Last anpassen und so einen möglichst verbrauchsgünstigen Betrieb sicherstellen.
Wartung regelmäßig
Dieseleinsparungen bis zu 5 % möglich.
Für eine effiziente Verbrennung benötigt der Dieselmotor ausreichend saubere Luft. Entsprechend wichtig ist ein sauberer Luftfilter. Viele Hersteller setzen inzwischen Filterpatronen ein, die nicht mehr ausgeblasen werden dürfen, sondern nach definierten Wartungsintervallen auszutauschen sind. Bei herkömmlichen Filterpatronen sollte hingegen ein regelmäßiges Ausblasen erfolgen, insbesondere nach staubigen Feldeinsätzen.
Ebenso sind die Kühlerflächen sauber zu halten. Vorgelagerte Siebe erleichtern die Reinigung, sodass grobe Verschmutzungen auch während des Einsatzes entfernt werden können. Ein guter Zugang zu den Kühlern erhöht die Wartungsbereitschaft, aufklappbare Kühler erleichtern zusätzlich die Pflege. Die vorgeschriebenen Wartungsintervalle des Motors sind konsequent einzuhalten. Dazu zählen unter anderem Motorölwechsel, der Austausch sämtlicher Filter (Öl, Luft, Diesel), die Kontrolle der Riemenspannung, das Einstellen der Ventile sowie das regelmäßige Abschmieren.
Reifendruck anpassen
Dieseleinsparungen von mehr als 10 % möglich.
Eine der wirkungsvollsten Maßnahmen zur Dieseleinsparung ist der Einsatz einer Reifendruckregelanlage.
Feldarbeiten: Ein möglichst niedriger Reifendruck vergrößert die Aufstandsfläche, verbessert die Verzahnung der Stollen mit dem Boden und erhöht die Traktion. Dadurch wird der Schlupf reduziert, die Flächenleistung gesteigert und insgesamt Diesel eingespart. Grundsätzlich gilt: Je geringer der Schlupf, desto niedriger der Dieselverbrauch. Auf dem Feld sollte ein Schlupf von maximal 10 % angestrebt werden. Abgefahrene Reifen erhöhen hingegen den Schlupf und damit den Kraftstoffverbrauch.
Straßenfahrten: Hier ist ein hoher Luftdruck sinnvoll, um den Rollwiderstand möglichst gering zu halten.
Hinweis: Reifendruckregelanlagen werden weiterhin über das Bundesprogramm Energieeffizienz gefördert (20 % bei Neumaschinen, 30 % bei Nachrüstung, bezogen auf das Netto‑Investitionsvolumen). Weitere Informationen unter energieeffizienz.fnr.de.
Reifenwahl
Dieseleinsparungen bis zu 10 % möglich.
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat 2025 einen Reifenvergleichstest durchgeführt. Dabei verbrauchte der Reifen Soil King VF von Nokian Tyres nahezu 10 % weniger Diesel als drei klassische Ackerstollenreifen namhafter Hersteller. Dieses Ergebnis wurde sowohl bei Straßenfahrten im Solobetrieb als auch mit beladenem Anhänger erzielt. Bereits 2022 stellte die DLG fest, dass dieser Reifen auf dem Acker 7,5 % weniger Diesel benötigt (www.DLG‑Test.de).
In einem Transportvergleich aus dem Jahr 2018 zeigte sich zudem, dass eine Straßenbereifung (Blockreifen) am Traktor rund 11 % weniger Diesel verbraucht als eine Ackerbereifung.
VF‑Reifen (Very‑High‑Flexion) können bei gleichem Luftdruck rund 40 % mehr Gewicht tragen oder bei gleicher Belastung mit deutlich geringerem Luftdruck gefahren werden. Dadurch ermöglichen sie auf dem Acker eine bodenschonende und dieselsparende Arbeitsweise. Bei häufigem Einsatzwechsel zwischen Straße und Feld ist im Hinblick auf die Kraftstoffeffizienz allerdings eine Reifendruckregelanlage die wirkungsvollere Lösung.
Martin Vaupel, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Lesen Sie im zweiten Teil von "Diesel sparen - aber wie?" alles zu Reifebdruck, Gewichtsanpasungen und Transporte.