Preiskalkulation: Abschlussinterview

Der Umgang mit Zahlen variiert in den Betrieben, die ReAim berät – manche haben klare Abläufe, andere intuitive, wie Katja Beyer im Interview verrät.
Taschenrechner
Katja Beyer hat für unsere Zeitschrift LOHNUNTERNEHMEN die Serie Preiskalkulation geschrieben. (Foto: Depositphotos.com/ erstellt mit KI)

Gutes Datenmaterial bietet aber eine verlässliche Grundlage für Entscheidungen, besonders in einem wettbewerbsintensiven Markt.

Frau Beyer, Sie arbeiten mit vielen Lohnunternehmen. Wie erleben Sie den Umgang mit Zahlen im Alltag?

Sehr unterschiedlich. Manche Betriebe haben ihre Abläufe gut sortiert, andere arbeiten viel aus dem Bauch heraus. Und viele sagen sehr ehrlich: „Ich ahne sehr wohl, dass nicht alles rentabel ist – aber ich will es gar nicht so genau wissen.“ Der schwierigste Schritt ist selten das Rechnen. Es ist das Hinschauen. Und selbst Betriebe mit guter Software nutzen sie oft nur am Rand, weil das Tagesgeschäft ständig drückt.

Warum fällt dieses Hinschauen so schwer?

Zahlen können unbequem sein. Wenn sichtbar wird, dass ein Bereich, den man jahrelang für solide hielt, ins Minus läuft, bedeutet das: Es muss eigentlich etwas geändert werden. Und Veränderung ist anstrengend. Das ist total menschlich. Aber betriebswirtschaftlich ist Wegschauen riskant.

Oft heißt es: „Der Markt bestimmt den Preis, nicht ich.“ Wie reagieren Sie darauf?

Das höre ich ständig – und es ist hart. Wenn der Wettbewerber 10 € weniger nimmt, kann es passieren, dass ich den Kunden verliere. Das kennen viele. Aber: Der Preis ist nie das einzige Kriterium. Manche Betriebe gehen bewusst mit, weil sie Auslastung brauchen oder weil der Kunde mehrere Leistungen im Paket abnimmt. Es geht also nicht immer nur um „mitgehen oder nicht“, sondern darum, bewusst zu entscheiden, warum man etwas macht – und wo die eigenen Grenzen sind.

Was sagen die Betriebe: Welche Vorteile hat eine gut funktionierende digitale Datenerfassung?

Es gibt Kunden, die sagen: „Früher tauchte auch mal ein Zettel auf, der irgendwo monatelang in der Tasche oder unterm Sitz lag und nicht abgerechnet wurde, weil er nie im Büro angekommen ist“. Solche Dinge fallen natürlich bei einer digitalen Erfassung mehr auf. Viele sagen auch, dass ihre Mitarbeiter sich darüber freuen, dass sie weniger schreiben müssen. Grundsätzlich sagen die Betriebe: „Die Einführung war mühsam, aber zurück zum Papier will hier keiner mehr.“

Wenn ein Lohnunternehmer merkt, dass seine Daten unübersichtlich sind: Wie fängt er an?

Nicht zu kompliziert, sondern genau an den Stellen, die immer wieder hängenbleiben: Ein Auftrag ist unvollständig, irgendwo fehlen Stunden, im Büro kommen Rückfragen. Wenn diese Stellen einmal klar sind, lassen sie sich viel gezielter anpacken.

Ihr Fazit?

Zahlen und Daten sind kein Selbstzweck. Sie zeigen nur, was im Betrieb wirklich passiert. Buchführung, Software und die Menschen dahinter liefern unterschiedliche Blickwinkel und ergeben erst zusammen ein realistisches Bild. Wer Preise festlegen oder Entscheidungen treffen will, braucht dafür eine verlässliche Grundlage – vor allem in einem Markt, der sich nicht immer an die eigenen Wünsche hält.

cca

Interviewpartnerin

Katja Beyer ist Unternehmensberaterin der  Firma Re-Aim aus Eckernförde. Sie und ihr Team sind auf Lohnunternehmen spezialisiert und führen neben individueller Beratung auch den jährlichen Betriebsvergleich durch – ein Format, das nicht nur Austausch, sondern auch die Zahlenklarheit fördert. Ihre Kontaktdaten sind katja.beyer@re-aim.de 0175/8685183.